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Das große 2×5-Interview: Enno Uhde, Entrepreneur, 42 Jahre, 4 Kinder, 2 Hunde

2x5_ennouhde_ganzseitigInterview Dirk Fellinghauer, Foto Arne Landwehr

BERUF

Die Frage nach „dem“ Beruf ist bei dir wohl falsch gestellt. In welchen Berufen warst du, und bist du aktuell, tätig?

Es gibt den berühmten Satz: „Mache Dir dein Hobby zum Beruf, und du musst nie wieder arbeiten“ – und diesen beherzige ich seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn.  Ich bin seit 19 Jahren glücklicher Inhaber einer Agentur für Kommunikation (placetobee.de) und somit im Kommunikationszeitalter in einer Branche zuhause, für die es sich täglich lohnt aufzustehen, um neue, verrückte Dinge mit einem motivierten Team zu machen. Gerade aktuell haben wir beispielsweise mit gluecksleben-shop.de nach Monaten der Vorbereitung einen Online-Shop für Wohnaccessoires gelauncht. Die Agentur ist für mich meine Basis, um mich auf unterschiedlichsten Terrains zu testen. Klassisch habe ich nach dem Abi auf der Oranienschule und dem Zivildienst beim Roten Kreuz den Versicherungskaufmann in Wiesbaden erlernt, um dann an der Uni in Mainz mein Diplom im BWL zu machen.

 Was genau macht einen „Entrepreneur“ aus, und was fasziniert dich so daran?

 Ich lehre das Fach Entrepreneurship seit knapp 12 Semestern an der Hochschule Fresenius und erläutere meinen Studenten dort immer gleich, dass der nicht greifbare Begriff des Entrepreneurs von mir als „Denkmodelleinreißer“ übersetzt wird: Man ist nicht von Berufs wegen  „Entrepreneur“, sondern man „ist“ einer, oder eben nicht – das liegt am Wesen, an der Einstellung zu Dingen – die aber durchaus erlernbar ist. Dazu gehören Risikobereitschaft, positives Denken, Dinge hinterfragen. Gerne frage ich dann auch meine Studenten, ob es für sie normal wäre, in Frankfurt in einen Zug zu steigen, um nach Berlin zu kommen, und danach wird nach jeder Fahrt die Lok weggeschmissen. Ein großes Lachen erfüllt den Raum und dann erkläre ich ihnen, dass Elon Musk genau so gelacht hat, als die NASA ihm erzählte, dass genau das nach jedem Flug ins All mit der Antriebskapsel des Shuttles gemacht wird – und wenige Jahre später revolutionierte er mit Space X, Tesla und Co. die ganze Welt. Jeder kann etwas verändern…

 Dein neuestes Projekt: Du bist als offenbar erster in der Stadt auf die Idee gekommen, einen „Wiesbaden-Podcast“ zu realisieren. Ist das eine Geschäftsidee oder ein Hobby?

Hier verweise ich schelmisch lächelnd auf die erste Frage: Ich mache es einfach! Weil es eine enorme Nachfrage danach gibt, es super viel Spaß macht und weil man den Wiesbadenern auf diesem spielerischen Weg Ihre Helden einfach mal vorstellen kann – denn Wiesbaden ist voll davon.

Wie „funktioniert“ der Podcast?

Mehr als einfach: Ich treffe mich mit Wiesbadener Helden, stelle ihnen Fragen, die den Menschen hinter dem Namen zeigen, bearbeite das ein wenig und stelle es dann auf den „Wiesbaden Radio & Show“-Kanal. Podcasts sind jederzeit abrufbar, man kann sich damit das Fitnessstudio, das Joggen oder die Autofahrt versüßen. Und: Der Podcast-Markt explodiert auch gerade.

Dein bekanntestes Projekt: Das Portal (wiesbaden)eins.de, mit dem du von 1999 bis 2013 die Szene aufgemischt hast – inklusive der legendären After- Work-Partys. Bis heute hast du nicht verraten, warum du damals aufgehört hast. Wie wäre es, die Frage hier und heute zu beantworten?

Weißt du, wie viele Leute mich fragen, warum ich eine „Cash-Cow“ wie wiesbaden.eins.de auf dem Höhepunkt zu Grabe getragen habe? Alleine diese Frage ist es wert, es genau so gemacht zu haben. Aber ganz ehrlich: Wagner sagte „Alles was ist, endet“ und für mich war die Zeit gekommen, etwas Neues zu machen, egal wie erfolgreich das Alte war.

MENSCH

Als Gast deines Podcasts hat dich OB Sven Gerich als „maximal bekloppt“ bezeichnet. Beleidigung oder Auszeichnung?

Große Auszeichnung – ohne Zusatz!

Wie steht es um die Party- und Ausgehstadt Wiesbaden?

Ich sage es mal bisschen provozierend und auch ein wenig sarkastisch: Jeder bekommt das, was er verdient. Und wenn Anwohner sich über Lautstärke in der Innenstadt beschweren, dann ist es müßig zu erwähnen, dass es oft dieselben sind, die sich über zu wenige Möglichkeiten des Ausgehens auslassen. Für mich persönlich ist eine Stadt so attraktiv wie das städtische Leben ist – und dazu gehört unvermeidlich das Nachtleben. Und wir erleben es gerade wieder beim Gestüt Renz, dass hier das Interesse des Individuums gerne vor dem Interesse der Allgemeinheit steht. Also: Geht wieder in die Städte, feiert, und macht Umsatz in den Gastronomien – sie sind das Blut in den Adern eurer Stadt.

Welche Rolle spielt Geld in deinem Leben?

Keine kleine, aber Geld ist für mich kein „Motivator“. Es gab Momente, da hab ich aus meiner „Groschendose“ Geld zum Tanken abgezählt, damit ich in die Agentur fahren konnte. Und wenige Monde später knallten wieder die Korken, weil wir mit Leidenschaft und aus eigener Kraft wieder was auf die Beine gestellt haben – das ist ein verdammt beglückendes Gefühl. Es ist toll, sich mit schönen Dingen dieser Welt zu umgeben, doch die schönsten kosten bekanntermaßen kein Geld. Ich habe vor wenigen Tagen mal den Satz gelesen „Dankbarkeit verwandelt das, was wir haben, in genug“. Ich denke, das passt.

Du warst zwei Jahre lang Marketingchef des SV Wehen Wiesbaden. Hand aufs Herz: Gibt es eine Chance, dass die Wiesbadener und dieser Fußballverein doch noch warm werden miteinander?

In Wirklichkeit gibt es ja nie DEN Verein. Es gibt die Strahlkraft, die von einem Verein ausgeht, und diese fällt leider nicht vom Himmel. Das benötigt einen Masterplan und Konstanz, und dann wirken einfache Gesetzmäßigkeiten…

 Du bist nicht nur Partyprofi, sondern auch Opernfan. Wie würdest du einen ausschließlichen Partygänger überzeugen, sich auch mal eine Oper anzutun?

Die Welt der Klassik ist ebenso vielfältig wie die des Pop oder Rocks, dementsprechend gibt es für mich den „Opernfan“ nur auf dem Papier. Jeder muss „seinen“ Komponisten irgendwann finden, bei mir was das Puccini, und von dort geht die Reise dann weiter. Diese kann einen ein Leben lang beschäftigen und begleiten – wie bei allen anderen Genres auch. Heute ist es bei mir sehr vieles von Wagner, Strauss und Mahler, doch es ist immer wieder wunderbar, wie unterschiedlich die Geschmäcker in der Klassik sein können.

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