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Bankenkrise auf der Bühne – Bissiger Gesellschaftskommentar am Staatstheater

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In „Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir“ begibt sich ein Frankfurter Banker an den Rand der Gesellschaft. Der 1981 in Wyk auf Föhr geborene Autor Nis-Momme Stockmann hat das Stück während seiner Zeit als Hausautor am Schauspiel Frankfurt geschrieben. Nun ist es zum ersten Mal in der Region zu sehen, in der der Text entstanden ist.

Ein gut gekleideter Mann mittleren Alters (gespielt von Hanns Jörg Krumpholz) geht allein durch Frankfurt und zieht einen Rollkoffer hinter sich her. Inhalt: 4,5 Millionen Euro. Bislang war er in der Welt des Geldes zu Hause, ein erfolgreicher Banker, ein „Gewinner“ unseres Systems.

Haus verkauft, Ehe beendet, Konto geleert  

Schon länger aber begleitet ihn ein diffuses Unbehagen, und er beschließt, diesem System den Kampf anzusagen. Sein Haus hat er verkauft, seine Ehe beendet, sein Konto geleert. Er begibt sich in ein Hochhaus an den Rand der Gesellschaft und plant nicht mehr und nicht weniger als den Umsturz des gesamten Bankengefüges durch die Auslösung einer Hyperinflation. Das Stück wird verstanden als differenzierter wie augenzwinkernder Blick auf unsere Zeit, in der manchen ein schlechtes Gewissen umtreibt.

Nis-Momme Stockmann wird gefeiert als vielversprechender junger Autor, dem es gelingt, heutige Verhältnisse mit sprachlicher Brillanz, Witz und Fantasie zu reflektieren.  Regisseur Tilman Gersch inszeniert den vielschichtigen und bissigen Gesellschaftskommentar im Kleinen Haus. Was ihm offenbar aufs Treffslichste gelingt: Die Premierenkritik des Wiesbadener Kurier begeisterte sich über den „schrillen Musical-Verschnitt“ mit wunderbarer Musik und starken Darstellern und lobte das „Spektakulum für Auge und Ohr, das die Fatalität des Finanzkreislaufs im Kapitalismus mehr herausschreit als darstellt“ über den grünen Klee. „In der Vorstellung waren neben den Premierenabonnenten viele junge Gesichter zu sehen.“ Auch das ist in Wiesbaden eine Erwähnung wert.

Weitere Vorstellungen sind am 20. und 28. Februar im Kleinen Haus.

www.staatstheater-wiesbaden.de

 

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