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Das 2×5-Interview: Ilka Gilbert-Rolke, Pressesprecherin der Landeshauptstadt Wiesbaden, 55 Jahre, 1 Sohn

Interview Dirk Fellinghauer. Foto Arne Landwehr.

BERUF

Wie lautet Ihre Stellenbeschreibung?

Meine Aufgabe ist es, die Bürgerinnen und Bürger von Wiesbaden über die Geschehnisse und Entscheidungen im Rathaus zu informieren und über alles, was es in Wiesbaden und zu Wiesbaden zu sagen gibt. Ich bin Ansprechpartnerin für Journalisten, um, auch in Abstimmung mit den Fachämtern, deren Fragen zu beantworten. Auch Drehgenehmigungen fallen in die Verantwortung des Pressereferats. Uns freut es immer sehr, wenn Filmteams sich für Wiesbaden als Kulisse interessieren. Wir schreiben die Grußworte für den Oberbürgermeister und seine monatliche Kolumne auf wiesbaden.de. Und wir beraten den OB und alle Dezernenten bei allen Fragen rund um die Themen Presse und Medien.

Sie haben gerade Dienstjubiläum gefeiert. 25 Jahre im gleichen Job, das ist heutzutage eine Seltenheit. Wie hat sich Ihr Job in all diesen Jahren verändert?

Zusätzliche Aufgaben sind dazugekommen, zum Beispiel Internet und Social Media. Das fing an mit dem ersten Internetauftritt für die Landeshauptstadt Wiesbaden, den wir konzipiert haben und der am 4. Dezember 2001 online ging. Als ich anfing, haben wir dreimal in der Woche das „Rathaus-Echo“ als Pressedienst herausgegeben. Das wurde ganz am Anfang noch diktiert, und die Sekretärin hat es mit der Schreibmaschine abgeschrieben. Wenn noch etwas dazu kam oder ein Fehler drin war, hat sie das Ganze – das waren durchaus mal fünfzehn Seiten – nochmal abgeschrieben. Dann wurde es in der Druckerei 150 Mal kopiert und eingetütet, die umliegenden Redaktionen haben es durch einen Boten bekommen, die anderen per Post. Da bin ich doch sehr froh, dass sich viel verändert hat (lacht). Wir arbeiten mittlerweile mit dem Newsdesk, das erleichtert auch vieles.

Hat es Sie nie genervt, immer nur für andere zu sprechen? Und lässt sich Loyalität trainieren?

Mich hat es nie gestört, dass ich nicht für mich selbst spreche. Ich liebe Wiesbaden sehr, und wenn man sich auf diese Art und Weise für die Stadt einbringen kann, ist das wunderbar. Loyalität ist etwas, was man für eine solche Aufgabe absolut mitbringen muss. Jemand, der nicht loyal ist, kann sich auf einer solchen Position nicht lange halten. Ich hatte dabei das Glück, dass alle meine bisherigen Chefs, also die vier Oberbürgermeister, aber auch die anderen Dezernenten, für eine sachlich gute Beratung immer offen waren. Wir haben uns immer so ausgetauscht, dass wir Kollegen vom Pressereferat unsere Meinung sagen und unsere Tipps und Empfehlungen geben konnten. Die sind dann meistens gut befolgt worden, und wenn nicht, gab es auch dafür gute Gründe.

Ihre Chefs in den 25 Jahren waren bisher vier ganz unterschiedliche Oberbürgermeister. Beschreiben Sie bitte jeden mit einem einzigen Wort.

Oh, da muss ich mal eine Sekunde überlegen … (denkt nach). Okay – Achim Exner: Politikkünstler. Hildebrand Diehl: Stadtvater. Dr. Helmut Müller: Arbeitstier. Sven Gerich: Bürgerfreund.

Warum hat die Landeshauptstadt Wiesbaden keinen Facebook-Auftritt?

Weil die Landeshauptstadt Wiesbaden erst mal geschaut hat, wie die Facebook-Auftritte anderer Städte laufen. Manche Fehler muss man ja nicht selber machen (schmunzelt). Wir werden aber Anfang Juli mit einem stadteigenen Facebook-Auftritt an den Start gehen. Seit 1. Januar haben wir eine neue Kollegin im Pressereferat mit Schwerpunkt Social Media. Sie hat erst mal den Twitter-Account auf Vordermann gebracht, das läuft schon ganz gut und zeigt Wirkung. Im zweiten Schritt wird sie ab Juli den Facebook-Auftritt verantworten. Das ist auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, mit den Bürgern in Kontakt zu kommen, weil man hier direktes Feedback bekommt und ein Gespür dafür, welche Fragen die Bürger bewegen.

MENSCH

Sie kennen Wiesbaden in- und auswendig. Wo kann Wiesbaden überraschen?

Ich glaube, immer noch mit seiner Toleranz und Weltoffenheit. Das ist etwas, was die Stadt unglaublich prägt und was mich auch stolz macht auf die Stadt. Wir haben hier ein friedliches Zusammenleben von so vielen Kulturen. Oder auch die Hilfsbereitschaft, die sich vor zwei Jahren für die Flüchtlinge gezeigt hat. Man weiß, dass hier eine verlässliche Bürgergemeinschaft da ist, die das ermöglicht, und das ist toll.

Sie unternehmen gerne Städtereisen. Welche Stadt könnte es für Sie ganz persönlich mit Wiesbaden aufnehmen?

Rom (schmunzelt). Da war ich auch zuletzt, Ende März. Sie haben dort auch schöne Plätze, wo man seinen Cappuccino trinken und Leute beobachten kann. Dort herrscht auch dieses kleine bisschen Entschleunigung, was Italien sowieso an sich hat, aber in Rom spürt man das ganz besonders. Eine Stadt zum Genießen, so wie Wiesbaden.

Sie leben in Schlangenbad. Tut diese Distanz zum Wiesbadener Geschehen manchmal gut?

Je älter ich werde, desto besser tut es. Ich wohne dort draußen seit etwa 25 Jahren. Das kam dadurch, dass ich meinen Mann geheiratet habe, der das Häuschen dort hatte. Ich glaube, von diesen 25 Jahren habe ich an die zwanzig Jahre versucht, ihn dazu zu bewegen, nach Wiesbaden zu ziehen. Es ist mir nicht gelungen. Mittlerweile, wenn ich abends raus fahre – gerade im Sommer ist es herrlich, es ist ja viel Wald dort und man fühlt sich ein bisschen wie in einer Sommerfrische – genieße ich das sehr. Aber das gibt mir erst in den letzten Jahren etwas. Ansonsten bin ich eigentlich ein totaler Stadtmensch.

Worauf freuen Sie sich in diesem Sommer?

Wie jedes Jahr auf das Wiesbadener Weinfest. Das ist einfach mein Lieblingsfest. Gerade war ja Theatrium. Mir scheint, da gibt es zwei Lager – die einen sind die Weinfest-Freunde, die anderen die Theatrium-Freunde. Ich gehöre zu den Weinfest-Liebhabern. Ich bin gerne vor der Marktkirche oder vor dem Rathaus. Das Schöne ist: Ich glaube, es ist kein Jahr vergangen, in dem ich nicht Leute getroffen habe, die ich zehn oder zwanzig Jahre nicht gesehen habe. Das ist immer ein großes Hallo, wenn man sie wieder trifft. Es ist einfach ein Fest, das unglaublich kommunikativ ist. Viele Firmen nutzen es, um ihre Partner einzuladen oder Freunde aus anderen Städten.

Was kann Sie aus der Ruhe bringen?

Ungerechtigkeit und unfairer Umgang miteinander.

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