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Das große 2×5-Interview: Martin Michel, 41 Jahre, Geschäftsführer RMCC, Kurhaus, Wiesbaden Marketing

Interview: Dirk Fellinghauer. Foto: Arne Landwehr

BERUF

Sie sind „Super-Geschäftsführer“ von gleich drei stadteigenen Gesellschaften. Wie kriegen Sie das unter einen Hut?

Indem ich mich darauf verlassen kann, dass ich einerseits zwei Mit-Geschäftsführer habe und dass wir uns optimal ergänzen und unterstützen. Aber primär, weil in allen drei Gesellschaften unheimlich tolle Mitarbeiter sehr eigenverantwortlich und selbstständig agieren. Wenn das nicht der Fall wäre, könnte ich da oben rumstrampeln wie ich will. Mit denen macht es einfach Spaß, Themen zu bewegen.

Wie haben Sie die Eröffnung des RheinMain CongressCenter RMCC  erlebt?

Wenn man  sieht, wie aus einer Idee, einer Vision, tatsächlich Realität wird, ist das etwas, was unheimlich inspiriert und motiviert. Ich durfte den kompletten Weg begleiten – von der Grundsatzentscheidung im Jahr 2012 über den Abriss ab 2014 und den Neubauprozess bis zur Eröffnung. Und jetzt zu sehen, wie das Gebäude einerseits von der Bevölkerung angenommen wird, andererseits von Kunden wahrgenommen wird, das ist schon hochspannend. Die Eröffnungswoche war geprägt von ganz viel Adrenalin, von Vorfreude und Spannung. Es gibt natürlich Prozesse, die in einem nagelneuen Haus zu definieren sind, das ist die große Herausforderung. Es ist etwas anderes, als wenn man ein Haus saniert und dann wieder eröffnet.

Wiesbaden hat nun eines der modernsten, innovativsten, nachhaltigsten Kongresszentren im Land. Mit welchen Zukunftsthemen kann unsere Stadt noch punkten?

Ich bin jetzt seit 18 Jahren in der Stadt. Sie hat sich zum Positiven entwickelt, in vielen Bereichen. Die Wiesbadener sind sehr kritisch, was ihre eigene Stadt angeht. Das ist in Ordnung und führt auch dazu, dass man sich mit seiner Stadt beschäftigt und vielleicht guckt, wie man sie gemeinschaftlich weiterentwickeln kann. Wenn ich mir nur mal die Gründerszene und die Kreativszene anschaue: Der Impuls muss ja nicht immer nur von der Stadt ausgehen, der kann ja auch von der anderen Seite kommen. Das passiert bei ganz vielen Themen. Es gibt eine Entwicklung, wo auch Innovationen zugelassen werden, das ist auch wichtig. Mit der Hochschule Fresenius, mit einer starken Hochschule RheinMain oder der EBS-Fakultät wird auch das studentische Leben sicher noch mehr ins Stadtbild gerückt, was unglaublich wertvoll ist. Da kommt ein neuer Spirit rein, da werden vielleicht auch gewisse Verkrustungen abgearbeitet. Das wird dem Stadtleben, auch dem Nachtleben unserer Stadt unheimlich guttun, wenn da eine gewisse Dynamik eintritt. 

Wie interessiert, informiert und involviert sind Sie bei „laufenden Verfahren“ wie „heimathafen“ im Alten Gericht oder Walhalla?

Mit den Akteuren bin ich in einem regen Austausch, weil das auch alles Stadtmarketingmomente sind. Es geht ja um eine Wirkung nicht nur nach außen, sondern auch nach innen:  Wofür steht diese Stadt? Da sind wir bei Projekten wie heimathafen oder bis hin zu Themen wie Stadtbahn am Puls der Zeit. Wiesbaden Marketing wurde auch gegründet, um Plattform zu sein, wo wir schauen, wen könnte man mit wem ins Gespräch bringen. Wir sind in vielen Themen involviert, wenn auch nicht immer in der ersten Reihe. 

Das Walhalla haben Sie nun galant umschifft. Ist das kein Thema für Sie? 

Aus Stadtmarketing-Sicht ist das absolut ein Thema. Ich habe beide bisher vorgelegten Konzepte sehr rege mit verfolgt. Ich glaube, dass es der Stadt unheimlich gut tun würde, dieses Thema tatsächlich wieder zu beleben und auch da einen Treffpunkt zu schaffen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Stadt gut vertragen könnte, auch dort einen Leuchtturm zu setzen. Man hat es an anderen Stellen bewiesen, wenn ich an den Schlachthof denke, dass die Stadt es einfach kann. Man muss den Akteuren sicherlich Vertrauen schenken und ihnen auch die Möglichkeit geben, sich zu entfalten. Ich wäre schon ein Freund davon, zu sagen, man sollte auch gewissen Entwicklungen den Freiraum lassen. 

MENSCH

Was an Wiesbaden finden Sie cool? 

Was mir unheimlich gut an dieser Stadt gefällt, ist die Wohlfühlatmosphäre. Sie hat für mich so einen Treffpunkt-Charakter. Wenn man  samstags auf den Wochenmarkt geht, sind, ehe man sich versieht, drei Stunden weg, weil man irgendwie jeden trifft. Man erkennt oder kennt sich. Das macht mir persönlich unheimlich Freude, in Verbindung mit dem großen Freizeitangebot. Und die Stadtteile haben ein unheimliches Potenzial.

Sie wohnen als jemand, dessen Hauptaufgabe es ist, ein Wiesbaden-Bild zu ermitteln und zu vermitteln, gar nicht in Wiesbaden. Fehlt Ihnen da nicht eine entscheidende Perspektive?

Ganz im Gegenteil! Meine Frau und ich haben früher lange Zeit in Delkenheim gewohnt, direkt am Regionalpark. Dann hat es sich ergeben, dass wir nach Eltville-Hattenheim gezogen sind. Die Region, der Rheingau, gehört für mich zur Stadt dazu. Das ist genau der interessante Moment, dass man das Beste aus diesen zwei Welten verbindet. Das führt auch dazu, dass man nochmal ein anderes Verhältnis zur Region entwickelt. Es muss gelingen, eine noch stärkere Achse zu finden zwischen Wiesbaden und dem Rheingau, auch was die Vermarktung angeht.

In Ihrer Position werden Deals und Entscheidungen sicher nicht nur am Schreibtisch gemacht und getroffen. Wo noch?

An ganz vielen Orten. Ob es im Restaurant ist oder auf dem Tennisplatz. In meiner Position lebe ich eigentlich davon, dass ich permanent mit Förderern, Kunden, Partnern, Freunden im Gespräch bin. Diese Gespräche finden überall statt, auch auf dem Wochenmarkt morgens um 7. Dieses Netzwerk in dieser Stadt, dass man sich auch gegenseitig hilft, das finde ich unheimlich inspirierend. Da brauche ich nicht drei Telefonbücher und zehn Termine. Man schaut sich in die Augen und sagt, komm´, das machen wir jetzt. 

Sie sind in Prag geboren, aufgewachsen in der Wiesbadener Partnerstadt Görlitz. Was hat Ihre Heimatstadt, was Wiesbaden nicht hat? 

Die Lage! (lacht) Ich bin in Prag geboren und sehe es auch als meine Heimatstadt. Mein Vater stammt aus Görlitz, meine Mutter aus Tschechien. Ich habe einige Monate in Prag gelebt, die Familie lebt nach wie vor in Prag. Görlitz ist alleine von der Stadtsilhouette nicht zu vergleichen mit Wiesbaden. Görlitz hat auch tolle Potenziale, hat sich etwa zu einer kleinen heimlichen Filmhauptstadt entwickelt. Man spricht ja auch von Görliwood. Und die Küche ist natürlich eine andere.

Man sieht Sie immer im Anzug. Tragen Sie auch mal etwas anderes?

Ich habe auch noch etwas anderes im Schrank. Am RMCC-Eröffnungswochenende haben wir Polos für die ganze Crew produzieren lassen mit Logos. Da habe ich natürlich auch eins angezogen. Und alle Mitarbeiter meinten zu mir: Wir sehen Sie zum ersten Mal im Polo. Das ist auch ein Stückweit mit der Position verbunden. Ich finde auch, dass ein gewisses Auftreten im Kurhaus dazugehört, das ist auch Respekt vor dem Haus. Aber ich habe auch Jeans und Polos und ziehe die auch rege an (lacht).

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