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Der große Test: Karaoke in Wiesbaden und Mainz – Kam, sang und siegte!

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Von André Werner. Fotos Michael Zellmer.

Karaoke kommt, so viel weiß jeder, aus dem asiatischen Raum und bedeutet wörtlich übersetzt, das wissen vielleicht nicht alle, „stilles Orchester“. Was sich mystisch anhört, gehört in immer mehr Lokalen und Kneipen zum Standardrepertoire. Kein Wunder, denn Karaoke lässt die Leute mitmachen, unterhält und bringt allen Beteiligten eine Menge Spaß. Doch weit gefehlt, wer bei Karaoke-Sängerinnen und -sängern nur an angeheiterte Studenten und Junggesellinnenabschiede denkt. Es gibt, wie in jeder Szene, heimliche Stars. Es sind Einzelkämpfer, die von Bühne zu Bühne ziehen. Die Songs schreiben vielleicht andere, aber diese Menschen leben sie auf der Bühne, ob klein oder groß! Wir haben exklusiv für sensor einen dieser „Stars“ begleitet. Folgen Sie Frank Sinalco, seines Zeichens Sänger und Fullbody-Performer, durch die Karaokebars zwischen Wiesbaden und Mainz.

The Irish Pub Wiesbaden, Michelsberg 15, 65183 Wiesbaden

Klasse Laden! Immer dienstags und sonntags Karaoke. Bestimmt 40.000 Titel auf der Liste, ständig aktualisiert, von  Frank-Sinatra-Evergreens über Partykracher wie „Barbie Girl“ bis zu aktuellen Chartbreakern. Vom Fass gibt’s die bekannten irischen Klassiker und gegen das Lampenfieber den Tequila Silver für 1,50 Euro. Dienstags trifft man hier eher junges Volk. Wer da ans Mikro will, muss fix sein und am besten schon vor dem Start um 21.30 Uhr seinen Wunschsong bei Karaoke-Host Steven abgeben. Sonntags ist es familiärer, viele Paare, ganz gediegen, da kann man auch mal zwei bis drei Liedchen trällern – oder schmettern. Von der Bühne aus kann man bequem auf einem der acht Bildschirme den Songtext lesen. Ausgepfiffen wird hier niemand. Wenn du nicht so gut singen kannst, dafür aber leidenschaftlich mitgehst, brennt der Laden. Die Konkurrenz ist natürlich da. Dauergast Milan ist allein schon aufgrund seines Alters (60+) ein absoluter Publikumsliebling. Marcel kann gut singen und sieht auch so aus, da ist Schmachtstimmung vorprogrammiert. Und Ryan De Rama hat so eine geile Stimme, dass er gerade bei „The Voice of Germany“ für Furore sorgt.

Fazit: Klasse Sound, spitzen Leute, kaltes Bier und Rock’n Roll

Jit’s Thai Karaoke Bar, Mauritiusstr. 14, 65183 Wiesbaden

Zugegeben: von außen mutet der Laden erst einmal etwas dubios an. Aber drinnen gibt es 100% authentisches Original-Karaoke-Feeling. Über eine steile Treppe gelangt man hinab in die Kellerbar. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man mit dem Moment des Betretens denken, man wäre schwuppdiwupp mal eben nach Bangkok gejettet. Der Laden hat jeden Tag bis mindestens 4 Uhr nachts geöffnet. Wenn man Wiesbaden mal so ganz anders erleben will, geht man samstags ab 2 Uhr in Jit’s Thai Karaoke Bar. Dann haben die ganzen Thais aus den Restaurants der Landeshauptstadt Feierabend und feiern, singen und tanzen bis in die frühen Morgenstunden. Am Tresen steht in der Regel Barchef Hu und kredenzt die typischen Thai-Tiki-Cocktails, das bedeutet viel Saft, Frucht und Aroma. Ab und an gibt’s auch mal besondere Veranstaltungen, zum Beispiel die Beach Party, bei der Jit und ihr Mann Peter schon mal die Tanzfläche mit drei Tonnen Sand in eine Beachparty verwandelt haben. Wer Hunger hat, ist hier auch richtig aufgehoben, denn die beiden Nachteulen betreiben auch noch vier Restaurants und servieren auf Nachfrage herrlich aromatische Thai-Speisen. Mein Tipp vor dem Auftritt: Gebratener Reis mit Shrimps und dazu ein Mai Tai.

Fazit: Dubios nur auf den ersten Blick, kurios auch auf den zweiten. Seit 7 Jahren die heimliche Instanz im Wiesbadener Karaoke-Markt.

Leider, leider gibt es in Wiesbaden ansonsten nur sporadische Veranstaltungen – im „Robin Hood“ zum Beispiel oder, nur einmal jährlich, beim Exground-Filmfest im Caligari-Foyer. Der Rat kann also nur heißen: Augen und Ohren offenhalten. Wir schwingen uns derweil über den Rhein und erobern Mainz.

Golden Harp Irish Pub, Bahnhofsplatz 1, 55116 Mainz

Raus aus dem Zug, rein in den Pub. Das Golden Harp liegt direkt im Mainzer Hauptbahnhof und bietet alles, was das Karaoke-Herz begehrt. Große Bühne im ersten Stock, große Songauswahl und ein Publikum, das mitgeht, wenn man auf der Bühne steht. Die Türen gehen jeden Tag um 10 Uhr auf und um 0:30 Uhr zu. Karaoke ist immer freitags, aber auch an den anderen Tagen ist immer was los. Die „Karaokebrothers“ geben hier den Host und jedem, der gerne mal will, aber sich nicht so richtig traut, eine super Hilfestellung. Auf der großen Videoleinwand kann man selbst nach drei Guiness den Text noch gut mitsingen. Absolut Bombe ist die Einrichtung, die sich der Besitzer original in Pubs auf der grünen Insel zusammengekauft hat. Die gemütlichen Chesterfield-Sofas laden zum Verweilen ein. Und das muss man auch, wenn man singen will, sich aber nicht rechtzeitig angemeldet hat. Wer hier garantiert performen will, sollte um 21 Uhr am Start sein, sonst ist die Liste voll. Am späten Abend, wenn die ganzen Youngsters schon in die umliegenden Clubs weitergezogen sind, kann man hier aber auch mal gepflegt den Udo Jürgens geben oder sich mit Frank Sinatras „That’s Life“ selbst in den Schlaf singen. Essen gibt’s bis 22 Uhr, auf der Karte finden sich Burger, Steaks, Schnitzel und Konsorten, aber der Applaus ist ja des Künstlers wahres Brot.

Fazit: Karaoke wie es sich gehört: Bühne, Bier und beste Stimmung.

The Irish Pub, Weißliliengasse 5, 55116 Mainz

Das Pendant zum Irish Pub Wiesbaden, allerdings mit MEHR Karaoke ergo auch MEHR Stimmung. Montags, mittwochs UND donnerstags kann man hier der asiatischen Gesangskunst frönen. Auch hier gilt: Komm früh, wenn du singen willst! Der Laden ist immer brechend voll und die Stimmung immer super. Getränke usw.? Siehe Irish Pub Wiesbaden. Auch den „oldie but goldie“ Milan trifft man hier regelmäßig an. Durch den hohen Studentenanteil besteigen hier natürlich auch öfters mal leicht bis stark angeheiterte Männerchöre die Bühne, um gemeinschaftlich ins Publikum zu grölen. Aber hey, so ist das in der gelebten Universitätsstadt Mainz. Und mal ehrlich: Lieber eine angeheiterte Partymeute als ein Raum voller Stöcke. Lampenfieber macht es natürlich nicht eben leichter, gegen den Lautstärkepegel anzukommen, aber wer sich was zum mitsingen aussucht und ein bisschen Herzblut in die Perfomance steckt, erntet hier den Applaus seines Lebens.

Fazit: Dreimal Karaoke. Dreimal Pflichttermin.

Bar jeder Sicht, Hintere Bleiche 29, 55116 Mainz

Ein ganz besonderes Etablissement. Jeden letzten Samstag im Monat hieß es hier „Karaoke mit Micha“. Laut eigener Aussage das absolute Veranstaltungshighlight des Monats. Auf der kleinen Bühne fühlte man sich sofort willkommen, ob ambitionierter Sänger, lustvoller Amateur oder spontane Rampensau. Und mit jeder meint die Bar jeder Sicht auch wirklich jeden, außer homophobe Volliditioten natürlich, denn man versteht sich als lesBischwules Kultur- und Kommunikationszentrum der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Die Menschen arbeiten hier ehrenamtlich, und allein das verdient schon einen Applaus. Der fiel wohl in der Vergangenheit leider öfters zu laut aus, weswegen man den Karaoke-Abend leider abschaffen musste – deshalb auch dieser Test leider in der Vergangenheitsform. Ich fordere an dieser Stelle alle „lärmgeplagten“ Anwohner auf: Ein bisschen mehr Toleranz bitte!

Fazit: Schön war die Zeit – und wird sie hoffentlich mal wieder.