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Der große Test: Tapas in Wiesbaden und Mainz

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Von Gabriel Werchez Peral & Hendrik Jung. Foto Gabriel Werchez Peral

Ursprünglich wurden die kleinen Leckereien in spanischen Bars oder Bodegas angeboten und im Stehen gegessen. Traditionell  gibt es Bier oder Wein dazu. Diverse Tapas-Kombinationen schmücken im Mittelmeerraum die Auslagen der Lokale, je nach Region und individuellem Geschmack variiert das Angebot. Es reicht von einfachen Kleinigkeiten wie Oliven, Käse oder Schinken hin zu aufwändigeren warmen Häppchen wie gegrilltem Tintenfisch oder saftigen Fleischspießen. Mit seinen raffinierten Variationen wird der Tapasgenuss zur wahren Wonne. Doch wo sind diese kleinen Wunder der spanischen Küche Wiesbaden und Mainz zu finden?

Barrio Alto (Gaustraße 19, Mainz)
In der steilsten Straße liegt das Barrio Alto. Mit seinen rustikalen Holzmöbeln, dem Stier an der Wand und der gekachelten Bar herrscht hier eine angenehm-authentische Atmosphäre, die mit spanischer Musik betont wird. Im Sommer öffnet das Lokal seinen mit wildem Wein bewachsenen romantischen Hinterhof. Auf der Karte finden sich 19 Tapas, die allesamt in der gläsernen Auslage präsentiert werden. Daraus darf sich der Gast einen Probierteller zusammenstellen (3 Tapas für 8,20 Euro/ 5 Tapas für 12,20 Euro). Die Preisspanne reicht von 2,80 bis 6,50 Euro. Probiert wurden Empanadillas (Teigtaschen), Pinchos morunos (Fleischspieße) und in Öl eingelegter Manchego-Käse.  Alles landet zusammen auf dem Teller und wird schnörkellos mit Brot serviert. Mit seinem kräftig-pikanten Aroma kann der Käse überzeugen. Am Spieß sind gebratene Zwiebeln und Paprika sowie zum Teil recht bissfestes Fleisch aufgereiht. Schön saftig schmecken die Empanadillas, leckerer Teig umschließt den fein abgeschmeckten Thunfisch in Tomate. Wer in Mainz den klassischen Tapas-Genuss sucht, ist hier richtig.

Besitos (Bahnhofsplatz, Mainz)
Mitten im Trubel des Bahnhofsplatzes eröffnete 2004 das zu einer Kette gehörende Besitos. Holzvertäfelungen, hohe Decken und große Fenster verleihen dem Lokal eine mondäne Atmosphäre. Dagegen verbreiten robuste Holzmöbel im spanischen Stil sowie der alte Dielenfußboden im hinteren Bereich ein gemütliches Ambiente. Sobald es warm wird laden zahlreiche Tische rund um das Lokal zum Verweilen ein. Die Tapas werden in hübschem Geschirr von freundlichem Personal serviert. Vom Preis her bewegen sich die 38 Sorten zwischen 2,20 und 4,90 Euro. Auf unseren Tisch kommen Datiles en bacón (Datteln im Speckmantel) und Patatas bravas (Kartoffeln mit Salsa brava). Trotz der aromatischen Dattel trübt der etwas zu kross angebratene Speck das Geschmackserlebnis. Einmal am Tag werden die gut gewürzten Kartoffeln frisch hergestellt und bei Bestellung in Olivenöl ausgebacken. An der Salsa ist nichts auszusetzen. Alles in allem punktet das Besitos bei der günstigen Tapa für zwischendurch.

Bodega de Musica (Schwalbacher Straße 69, Wiesbaden)
Der Klassiker unter den Wiesbadens Tapas-Bars. Vom Schinken hinter der Theke über das Fass, aus dem der Hauswein gezapft wird, bis zu den Stierkampf-Plakaten und der klassischen spanischen Musik ist hier alles genau so, wie man es sich vorstellt. Nicht so hübsch sind die braunen Pinselstriche in der gelben Wandfarbe. Dafür ist die Auswahl an Tapas riesig. Unter den fast 50 Angeboten, die sich preislich zwischen 3,90 und 11,50 Euro bewegen, fehlt kein Klassiker. Im Test sind die frittierten Jalapenos und der Pulpo al ajillo (Oktopus in Knoblauch). Dieser schmeckt nicht nur, wenn er nach Knoblauch duftend, brutzelnd aus dem Ofen kommt, sondern auch noch, als er fast kalt ist. Der cremige Frischkäse mit dem die Jalapenos gefüllt sind, kontrastiert angenehm mit den feurigen Schoten. Genau richtig für Freunde der klassischen spanischen Küche. Und wer meint, dass zum Tapasgenuss auch Tabakgenuss gehört, wählt den Aufenthalt im Raucherbereich.

Destino (Nerostraße 33, Wiesbaden)
Auf der Karte stehen 23 Tapas, deren Zubereitung typisch für Ibiza ist. Die Ausrichtung ist kein Zufall, die Betreiber haben beste Verbindungen auf die Baleareninsel. Für Abwechslung sorgt ein weiteres halbes Dutzend aktueller Angebote. Fast alle Tapas sind in zwei Größen erhältlich, die Preisspanne reicht von 2,50 bis 5,90 Euro. Wir haben den Blattspinat mit Mandeln und Rosinen sowie die Albondigas (Rinder-Hackfleischbällchen) mit Kokosmilch-Zitronengras-Sauce getestet. Beide Gerichte sind appetitlich angerichtet, und die Schälchen der kleinen Portionen sind bis zum Rand gefüllt. Zum Glück, denn der Spinat ist nicht nur sahnig-cremig, sondern überzeugt auch mit exotischer Würze. Bei den einzigartigen Albondigas sorgt der spezielle asiatische Charakter für erhöhten Suchtfaktor. All das lässt man sich in angenehmer Atmosphäre mit stilvollen Möbeln, Holzverkleidung und Lounge-Musik schmecken. Das im Januar 2014 eröffnete Lokal mit familiärem „Ibiza-Flair“ und stimmungsvoller Dekoration aus Privatfotos, Postern und Gemälden ist derzeit die wohl beste Tapas-Bar Wiesbadens.

Restaurante Ávila (Budenheimer Weg 61, Heidesheim)
Das spanische Lokal wurde im vergangenen Jahr eröffnet. Ein gekachelter Fußboden, grün gestrichene Wände und einfache Holzmöbel verbreiten mediterranes Flair. Bei sommerlichen Temperaturen wird das Essen auch im Garten aufgetischt. Preislich bewegt sich das reichhaltige Angebot der 41 warmen und kalten Tapas zwischen 2,50 und 12,50 Euro. Donnerstags von 18 bis 21 Uhr ist Tapastag: Für 17,50 Euro können sich die Gäste an einer Auswahl von zehn verschiedenen Kreationen satt essen. Die vor dem Essen als Appetitanreger servierte Mojo-Soße hat ein rauchiges Aroma. Beim Anrichten der Speisen wird auf Dekoration weitgehend verzichtet. Dank der würzig-fruchtigen Soße und dem zarten Fleisch schmeckt das Conejo con tomate (Kaninchen in Tomatensoße). Zusammen mit Honig wird der frittierte Manchego Käse gereicht. Das kontrastierende der Kombination kommt jedoch nicht ganz zur Geltung. Für Liebhaber solider spanischer Hausmannskost durchaus empfehlenswert.

Restaurante Espanol – Las Tapas (Aarstraße 154, Taunusstein)
Im nahen Taunusstein gibt es eine weitere Alternative für klassische spanische Tapas. Vor allem im Sommer lohnt sich der Ausflug über die „Eiserne Hand“ hinüber nach Hahn, denn dann lockt die große Terrasse im Aartal. Geradezu riesig ist der Gastraum mit 140 Sitzplätzen. Da sie sich aber auf mehrere Ebenen verteilen, sitzt man hier dennoch gemütlich. Dazu tragen auch die Holzbalken, die warmen Farben sowie moderne und klassische spanische Musik bei. Auf der Karte finden sich 30 Tapas zum Preis von 3,50 bis 10,50 Euro. Im Test sind die mit Frischkäse gefüllten Paprikaschoten mit angebratenen Zwiebeln sowie die weißen Bohnen mit Chorizo. Die würzige Tomatensauce schreit geradezu danach, mit dem selbst gebackenen Brot aufgewischt zu werden. Der cremige Frischkäse betont die feine Fruchtnote der Schoten, wird jedoch von den angebratenen Zwiebeln kontrastiert. Auf Dekoration wird verzichtet, zumindest die Paprikas sind aber appetitlich um die Zwiebeln angerichtet.

Sherry & Port (Adolfsallee 11, Wiesbaden)
In dem traditionsreichen Haus fühlt man sich vom Ambiente her wie in einem stilvollen Irish Pub. Die Speisekarte ist aber schon seit Jahren auf Tapas spezialisiert. Bei der „Tapa des Tages“ werden immer neue Kreationen ausprobiert. Der Rote-Beete-Feta-Salat wird zusammen mit den marinierten Rindfleischwürfeln mit Zwiebel, Paprika, Oliven und Peperoni getestet. Insgesamt weist die Karte knapp 30 Kreationen auf, die preislich zwischen 4,50 und 7,50 Euro liegen. An Abenden mit Livemusik kosten alle Speisen 70 Cent mehr, falls nicht Eintritt erhoben wird. Das Rindfleisch ist perfekt zubereitet: Zart rosa und saftig. Die pikante, süß-saure Sauce hat einen chinesischen Touch. Kein Wunder, dass diese Tapa sich etabliert hat. Dem ebenfalls liebevoll dekorierten Salat fehlt dagegen noch der letzte Pfiff. Gut möglich, dass sich das Rezept bis zur Freiluftsaison, wenn die Leckereien wieder draußen rund um den Brunnen genossen werden können, noch weiter entwickelt. Insgesamt sehr empfehlenswert.