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Der Jüngstunternehmer: Offert Albers ist Schüler. Und Profifotograf. Der Weg eines 15-Jährigen mit besonderem Talent

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Von Florian Sturm. Foto Offert Albers.

Wenn der Fotograf Offert Albers ein Jobangebot bekommt, schaut er zunächst in seinen Stundenplan. Der 15-Jährige drückt nämlich noch die Schulbank. „Und die hat auch klar Vorrang“, betont der junge Wiesbadener, der auch die aktuelle sensor-Titelgeschichte fotografiert hat: „Doch ich habe großes Glück und muss kaum was für meine guten Noten tun. So bleibt mir genügend Zeit für die Fotografie.“

Seine erste Begegnung mit einer Kamera hat Offert als Neunjähriger. Während eines Familienausflugs nach Berlin bekommen er und sein drei Jahre älterer Bruder Beer eine Canon-Kompaktkamera. Nach anfänglicher Freude landet das gute Stück nach wenigen Monaten unbeachtet im Schrank. Drei Jahre später: Auf einem Jugendwochenende in Frankfurt kommt Offert das zweite Mal mit dem Medium Fotografie in Kontakt. Eines der Mädchen auf dem Ausflug hat ihre Nikon D3000 dabei, nutzt sie jedoch kaum. Und so schnappt sich der damals Zwölfjährige die digitale Spiegelreflexkamera, experimentiert permanent mit dem Apparat herum und schießt unzählige Fotos. „Ich war vollkommen in die Kamera verliebt. Diese Faszination, dass es mir gelingt, mit der Nikon tatsächlich Fotos zu machen, war gigantisch“, schwärmt Offert.

In den kommenden Wochen redet er nur noch über diese Kamera und kaut allen in seiner Familie ein Ohr ab. Um sie sich leisten zu können, kratzt der Schüler sein komplettes Taschengeld zusammen, verkauft Teile seiner Habseligkeiten und verdient sich etwas dazu. Im April 2012 kauft er sich schließlich eine Nikon D5100 samt Kitobjektiv.

Aller Anfang ist schwer

Richtig gute Bilder kommen anfangs allerdings kaum heraus. Noch sind Technik und Bedienung zu komplex für den Zwölfjährigen. Also landet das neue Spielzeug bald im Regal – bis Offert im Internet über das Thema Photoshop stolpert. Er lädt sich eine Schülerversion herunter, setzt sich nach der Schule und am Wochenende hin und lernt die Grundlagen der Kameratechnik und Fotografie anhand von YouTube-Tutorials oder Webseiten wie thephoblographer.com. „Ich bin kompletter Autodidakt“, betont er. Ein Jahr lang investiert er täglich gut zwei Stunden, ehe er seine fotografischen Ambitionen auch seinen Eltern gegenüber selbstbewusst formuliert.

Inzwischen fotografiert er immer häufiger auch Freunde, die ihn nach Porträts oder Profilbildern fragen. In ihm wächst nach und nach der Gedanke, wie es wäre, wenn jemand tatsächlich mit einem Auftrag auf ihn zu käme. Zu diesem Zeitpunkt ist Offert wohlgemerkt erst 13 Jahre alt. Etwa zur gleichen Zeit tritt der Arbeitgeber seines Vaters an ihn heran. Sie hätten gehört, dass er sich ganz gut mit Bildbearbeitung auskenne: Ob er ein paar ihrer Fotos für eine Firmenpräsentation auf einen Nenner bringen könne, wird er gefragt. Offert sagt selbstverständlich zu.

Und plötzlich war ganz Wiesbaden mit Offerts Fotos plakatiert

Kurz darauf bittet ihn die Firma, ihre die Mitarbeiter zu porträtieren, ehe dann – zu seiner großen Überraschung und Freude – die jährliche Kampagne des Unternehmens folgt. Alles natürlich ehrenamtlich. „Als ich meine Bilder in ganz Wiesbaden auf riesigen Plakaten, auf Bussen und an diversen Haltestellen sah, war das eine große Ehre für mich“, erinnert sich der Nachwuchsfotograf. Spätestens jetzt häufen sich die Anfragen. Er schießt Porträts von Freunden, Familien und Schauspielern, macht Mode- sowie Sportaufnahmen und setzt weiterhin Werbeaufträge um. Im Sommer 2014 tritt ein Kommunalpolitiker an ihn heran und wünscht sich, dass Offert ihn porträtiert. Erstmals stellt sich die Frage nach der Bezahlung. Für den Auftraggeber ist es unmöglich, den Jungen weder ohne Honorar arbeiten zu lassen, noch ihm seine Mühen – unter der Hand – mit einem Zuschuss zum Taschengeld zu vergüten. Offert verspricht, sich zu informieren. Und siehe da: Er findet heraus, dass auch Minderjährige ein Gewerbe anmelden können.

Gemeinsam mit seinen Eltern setzt er sich hin, paukt Formulare und stellt einen entsprechenden Antrag beim Vormundschaftsgericht. Es folgt eine Anhörung, in der der Schüler erklären muss, wie er bei möglichen Verdienstausfällen oder gar einer Insolvenz reagieren würde. Da er schon in jungen Jahren davon träumt, einmal als Unternehmer tätig zu sein, ist Offert nicht gänzlich unvorbereitet und kann die Beamten überzeugen: Er erhält die Genehmigung, mit der er beim Finanzamt sein eigenes Gewerbe anmeldet: Offert Albers Fotografie. „Zu Beginn war es schon ein merkwürdiges Gefühl“, gibt er zu: „In bestimmten Bereichen war es quasi wie ein vorgezogenes Erwachsenwerden.“ Offert legt großen Wert darauf, weiterhin ein ganz normaler Jugendlicher zu sein. Wenn am Wochenende eine Party ansteht, ist auch er dabei. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass er vielleicht erst gegen 23 Uhr aufkreuzt und vorher noch ein, zwei Jobs erledigt hat.

www.offert-albers.com

(Gekürzte Fassung eines Beitrags, der zuerst im bundesweit erscheinenden Fotomagazin „camera“, Ausgabe März/April 2016, veröffentlicht wurde. www.camera-magazin.de)