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Ein Wiesbadener Weltmeister wird 70 – Jürgen Grabowski feiert heute in aller Bescheidenheit ganz groß

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Von Alexander Pfeiffer. Fotos Eintracht Frankfurt Museum.    

Biebricher Bub, Weltmeister, Ehrenspielführer von Eintracht Frankfurt: Jürgen Grabowski ist die Wiesbadener Fußball-Ikone. Und es gibt in diesem Monat gleich zwei gute Gründe, unsere sensorischen Fühler nach ihm auszustrecken: Zum einen findet aktuell mal wieder jenes Turnier statt, dass „Grabi“ vor genau vierzig Jahren 1974 zusammen mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller und einigen anderen gewonnen hat. Zum anderen wird der geniale Spielmacher, den manche für „besser als Cruyff“ hielten, am 7.7. exakt 70 Jahre alt.

„Eigentlich wollte ich an dem Tag gar nichts machen“, erzählt er uns: „Ich habe den 50. groß gefeiert. Und so was ist ja auch Stress. Dann hat mich aber Heribert Bruchhagen überredet, und jetzt organisiert Eintracht Frankfurt alles.“ So wird nun am 7. Juli, in genau jener Lücke, die der WM-Spielplan zwischen Viertel- und Halbfinals lässt, auf der Empore der Commerzbank-Arena in Frankfurt groß gefeiert.

WM-Sieg am 30. Geburtstag

Davor und danach verbringt Grabowski die Tage zu Hause vor dem Fernseher: WM gucken. „Public Viewing?“, sagte er. „Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich will die Spiele in Ruhe sehen.“ Seine WM-Favoriten: „Brasilien, Deutschland, Spanien, Argentinien und Chile. Auch Italien muss man natürlich immer mit auf der Rechung haben.“

Grabowski selbst hat drei Weltmeisterschaften gespielt, am eindrücklichsten blieb natürlich die im Jahr 1974 im eigenen Land. „Wir waren nicht in Nobelhotels, sondern in Sportschulen. Da gab es spartanische Zweier-Zimmer, das Telefon war auf dem Flur“, erinnert er sich: „Abends herrschte Bettruhe, und es gab Wachposten. Wer sich mit denen gut stellte, konnte schon mal ausbüchsen und ein paar Biere trinken gehen. Aber das konnten sich eigentlich nur die leisten, die in der Mannschaftshierarchie weit oben standen. Also vor allem die Bayern-Spieler, von denen ja damals eine ganze Gruppe dabei war.“

Sein letztes und zugleich größtes Länderspiel war dann auch das WM-Finale in München – am 7.7.1974, Grabowskis 30. Geburtstag. „Als Zehnjähriger habe ich in Biebrich mit einigen anderen vor dem Schaufenster eines Radio- und Fernsehladens gestanden und das WM-Finale in Bern geguckt. Da dachte ich: Mensch, wenn du so was mal erreichen könntest! Und wenn man es dann 20 Jahre später tatsächlich erreicht und das auch noch am eigenen Geburtstag, das ist unbeschreiblich. Nach dem Abpfiff in München dachte ich: Die Welt gehört dir!“

1954, da spielte Jürgen Grabowski bereits beim SV Biebrich 1919. „Wir waren alles Straßenfußballer. Man wurde überall weggejagt, es gab ja auch noch keine Bolzplätze. Auf den Rheinwiesen gab es zwei Tore mit Drahtnetzen. Das war für uns schon wie WM!“ Ab 1960 spielte er für den FV Biebrich 02, bevor er 1965 in die Bundesliga zu Eintracht Frankfurt wechselte. „Damals war es nicht so, dass man mit 17 gleich weggekauft wurde. Da musste einer schon erst mal eine Weile lang zeigen, was er kann.“

Das Leben nach der Spielerkarriere  

1980, nach WM- und EM-Titel, zwei DFB-Pokalsiegen und UEFA-Cup-Gewinn, beendete er die Fußballerkarriere und betrieb zusammen mit seiner Frau Helga, mit der er bis heute in Taunusstein lebt, eine Versicherungsagentur. „Zu meiner Zeit war es nicht Mode, dass praktisch jeder ehemalige Spieler den Trainerschein macht. Overath, Seeler, auch die meisten der Bayern-Spieler aus meiner Generation – von denen ist keiner Trainer geworden. Für mich war das auch nie ein Ziel.“

Trotzdem bestand für ihn auch das Leben nach der Spielerkarriere immer noch aus ganz viel Fußball. Bis 1992 gehörte er zum Verwaltungsrat von Eintracht Frankfurt, zu Berti Vogts’ Zeit als Nationaltrainer begleitete er das Stützpunkttraining des DFB für Nachwuchsspieler aus Hessen. Und spielte lange Jahre mit der „Uwe-Seeler-Traditionself“ und anderen Teams aus alten Recken. „Wenn wir mit der 74er Weltmeistermannschaft in ein 3.000 Seelen-Dorf kamen, waren 6.000 Zuschauer da. Das war toll.“

Und so gibt es für ihn im Rückblick eigentlich kaum etwas zu bedauern. Eines muss er aber noch erklären: „Früher wurde etwas anders gespielt. Da lief fast alles durch die Mitte, da konnte man glänzen. Nach außen wurde eher selten mal gespielt. Trotzdem habe ich der Position als Rechtsaußen alles zu verdanken: Nach gerade mal einem Jahr in der Bundesliga durfte ich 1966 mit zur WM nach England. Meine Lieblingsposition war aber trotzdem im Mittelfeld. Da konnte ich was initiieren.“

Hat der Jubilar denn überhaupt noch offene Wünsche? „Ich hoffe, dass wir bei der WM ins Endspiel kommen. Die Mannschaft hat in den letzten eins bis zwei Jahren einen tollen Fußball gespielt.“ Dem schließen wir uns an und gratulieren aufs Herzlichste!

 

 

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