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Falk Fatal und die Faszination des Bösen – Was die Fußball-WM mit Telenovelas zu tun hat


Die Fußball-WM läuft noch ein paar Tage. Keine Ahnung, wie es in Ihrer Filterblase in den Wochen vor der WM war. Aber in meiner gab es einige, die darüber nachgedacht haben, die WM zu boykottieren – darunter gestandene Fußballfans. Solche, die sich sonst nicht zu schade sind, für ihren Verein alle zwei Wochen durch die halbe Republik zu reisen. Und wer nicht boykottieren will, verspürte zumindest deutlich weniger Vorfreude als in den Jahren zuvor. Der Grund für den Fußball-Blues: Die Menschenrechte. Dass es um die in Russland schlecht bestellt ist, hat sich bei den meisten Menschen – bis auf ein paar Verwirrte bei den Linken und der AfD – herumgesprochen.

Ich finde es gut, dass die Menschenrechte vielen Leuten nicht egal sind und sie einen Fußball wollen, der sich an Recht und Gesetz hält. Ich frage mich trotzdem, warum gerade bei dieser WM über einen Boykott nachgedacht wurde. Warum nicht schon bei Veröffentlichung der Footballleaks, die zeigen, wie die großen und kleinen Fußballstars in Millionenhöhe Steuern hinterziehen oder wie Vereine zu Geldwaschanlagen mutieren? Was war eigentlich los, als herauskam, dass für das Sommermärchen 2006 mutmaßlich Schmiergelder geflossen sind, wie vermutlich bei der Vergabe aller Weltmeisterschaften der vergangenen Jahre? Wo bleibt der Aufschrei, wenn Fußballvereine Sponsorendeals mit Firmen eingehen, die Menschenrechte missachten? Oder dass Millionen für Stadien verschwendet werden, die nach einer WM irgendwo im Dschungel oder in der Wüste verrotten, weil es keine Verwendung mehr für sie gibt?

Kurzum: Im Profifußball läuft schon seit vielen Jahren etwas schief. Trotzdem werden jedes Jahr neue Rekorde gebrochen. Mehr Zuschauer. Höhere Einschaltquoten. Größere Einnahmen. Vermutlich werden jetzt auch die meisten, die boykottieren wollten, gebannt vor dem Fernseher sitzen und das WM-Geschehen verfolgen. Jetzt geht es schließlich um was.

Ich glaube, es liegt daran, dass Profifußball längst kein Sport im klassischen Sinne mehr ist, sondern Unterhaltung. Der Profifußball ist wie eine große, in Echtzeit laufende Telenovela. Und sind nicht in Telenovelas oder generell Serien und Filmen die Bösewichte die faszinierendsten Figuren? GZSZ ohne Jo Gerner wäre wie Rippchen ohne Kraut. James Bond ohne Dr. No wäre nur ein promiskuitiver Anzugträger mit Vorliebe für Martini. Luke Skywalker wäre ohne seinen Vater nur ein Waisenjunge in einer weit, weit entfernten Galaxie. Und haben Sepp Blatter und Uli Hoeneß nicht eine gewisse Ähnlichkeit mit Don Corleone? Würde Gianni Infantino nicht einen prima Doug Stamper abgeben?

Das Böse fasziniert uns, wir können nicht ohne. Spätestens wenn es bei der WM richtig spannend wird, sind die Menschenrechte sowieso egal. Höchste Zeit, die Sopranos-DVDs wieder hervor zu holen.

Mehr Falk Fatal: http://fatalerror.biz

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