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Geschäft des Monats: Lautstark, Moritzstraße 19

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Von Anja Baumgart-Pietsch. Fotos Arne Landwehr.

Stones, Beatles und The Who kennt jeder, aber was ist mit Gentle Giant, Three Dog Night oder Canned Heat? Alles Bands vergangener Jahre, die sich noch richtig Mühe mit der Covergestaltung ihrer Alben gaben. „Alben“, so hieß das im letzten Jahrhundert mal, bevor es CDs gab. „Die CDs sind heute auch schon auf dem absteigenden Ast“, sagt Max Wendling vom „Lautstark“-Team: „Heute können wir zwei Trends beobachten: Zum einen natürlich Downloads – zum anderen aber auch eine Renaissance der Vinylplatten“.

„Lautstark“, das ist einer der wenigen Orte, an denen Vinyl noch eine Hauptrolle spielt. In der Moritzstraße 19 finden Nostalgiker und Sammler alles, was das Herz begehrt. An den Wänden hängen Cover, die schon früher viel zu schön waren, um im Regal zu verschwinden. Und in den unprätentiösen Wühltischkisten finden sich, nach Genres geordnet, Platten, CDs und DVDs von Abba bis Zappa, von Death Metal bis Schlager. Gibt es einen typischen Stammkunden? „Eigentlich nicht“, sinniert Wendling. Sammler könnten schließlich Menschen jeden Alters sein: „Leute, die ihren Plattenspieler nie abgeschafft haben, genau wie solche, die erst jetzt drauf kommen“.

Classic Rock und Jazz gehen immer gut

Geräte gibt es bei „Lautstark“ auch, aber nur gebraucht. „Die Qualität der alten Plattenspieler von Dual, Technics oder Thorens war damals so gut, dass sie bis heute halten“, sagt Wendling, der selbst am liebsten Jazz hört und auch im Laden auflegt. Die Atmosphäre ist sehr entspannt. Und schon bei unserem kurzen Besuch bei „Lautstark“ kommen mehrere Kunden, die etwas abgeben. „Mein Opa hat ausgemistet“, sagt ein Junge und lädt mehrere Kartons ab. „Einfach da unten hin“, weist ihn Max Wendling an. „Da unten“ stehen schon eine Menge anderer Behältnisse – Umzugskisten, Aldi-Tüten, alles, worin sich Schallplatten transportieren lassen. Nicht alles lässt sich verkaufen – Schlager und Volksmusik eher weniger: „Aber Classic Rock und Jazz gehen immer gut“.

Berührungsängste mit dem übermächtigen Konkurrenten Internet hat das „Lautstark“-Team im Übrigen nicht. „Wir verkaufen sehr viel über Ebay“, sagt Max Wendling, „denn nicht alles geht hier in Wiesbaden gut weg.“ Dafür bestellen dann aber Kunden aus Russland oder Italien. Dass irgendwann Musik nur noch heruntergeladen wird, glaubt er nicht. Schon allein, weil die Abmischung heute ganz anders ist: „Das muss sich auf allen Geräten gleich anhören, meist einfach nur laut. Aber wer der Musik richtige Wertschätzung entgegenbringt, legt auch noch Wert auf die Haptik“. Für diese Musikfans gehört auch dazu, die Liner-Notes aufmerksam zu lesen und Cover und Musik als Gesamtkunstwerk zu betrachten. „Wer nur auf dem Rechner hört, weiß manchmal gar nicht, was da gerade läuft“, beobachtet Wendling auch in seinem Bekanntenkreis. Und dann gibt es noch die Kunden, die ganz bestimmte Wünsche haben. Wie der ältere Herr, der das Geschäft betritt und fragt, ob seine Franz-Schubert-CD schon eingetroffen ist. Eigentlich könnte er sie ja selbst im Internet ordern? „Ich hab kein Internet“, sagt er. Das sei ein Stammkunde, erzählt Max Wendling. „Es gibt mehr Leute, als man denkt, die nicht selbst im Internet nach Tonträgern suchen wollen“.

Prominente Kundschaft

Außerdem hat das Lautstark-Team auch noch genügend Quellen „jenseits von Amazon und Ebay“. So findet man auch Raritäten für die Kunden, die dafür dankbar sind. Es gibt aber auch solche, „die sofort nach hinten zu den Vinylplatten verschwinden und erst mal die Neuheiten durchgucken“. Sonderwünsche sind bei „Lautstark“ tägliche Herausforderung. Ab und zu kommt auch mal eine echte Rarität rein, eine Erstausgabe der Beatles zum Beispiel. Die kann dann auch preislich im dreistelligen Bereich liegen. Sonst findet man hier schon ab 50 Cent Musik, vieles liegt unter 10 Euro. Auch viele Wiesbadener Bands bringen ihre CDs hier zum Verkauf. „Aber ein spezieller Szenetreff sind wir eigentlich nicht“, meint Max Wendling. Dennoch weiß das Team natürlich, was in Wiesbaden läuft, verkauft auch Karten für den Schlachthof und hängt Plakate für Veranstaltungen aus. Und manchmal schneit auch unverhofft besonderer Besuch rein: „Der Sänger von Toto, Bobby Kimball, war mal bei uns“, erzählt Wendling. Er habe dann nach den eigenen Platten geschaut, eine mitgenommen und den Rest signiert. Und auch Roberto Blanco hat schon mal was bestellt. „Chuck Berry oder sowas in der Art.“

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