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Geschäft des Monats: Oxfam Shop, Dotzheimer Straße 19

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oxfam_MG_0684Von Anja Baumgart-Pietsch. Fotos Kai Pelka.

Es liegt im Trend, Dinge zu recyceln. Weniger Müll, weniger Einweg, mehr Teilen, längere Lebensdauer: Gute Ideen – aber keine neue Erfindung: Bei Oxfam ist das alles schon lange Geschäftsidee und Grundprinzip. Und dazu kauft man hier noch Second Hand für den guten Zweck: Die britische Hilfsorganisation hat sich seit etwa 20 Jahren auch in Deutschland etabliert. „Unser Laden war der dritte nach Berlin und Frankfurt“, sagt Christa Wolpert. Sie leitet den Oxfam Shop seit 17 Jahren und bekam für dieses lange ehrenamtliche Engagement  kürzlich sogar das Bundesverdienstkreuz. Es ist keine Kleinigkeit, den Verkauf von Second-Hand-Büchern, -Kleidung und  Krimskrams zu organisieren.

Ehrenamtliche schmeißen den Laden

Fast 70 Ehrenamtliche, darunter nur wenige jüngere Leute und noch weniger Männer, schmeißen den Laden unter Wolperts organisatorischer Leitung. Sie nehmen Spenden entgegen, sortieren aus, was den hohen Ansprüchen nicht genügt, dämpfen Falten aus der Kleidung, diskutieren über Preise, ordnen und dekorieren den Verkaufsraum liebevoll und beraten dann die Käufer. „Hauptsächlich Stammkunden“, sagt Christa Wolpert. Die wissen, dass sie hier Kleidung in Top-Zustand finden, ohne fehlende Knöpfe oder abgewetzte Kragenecken. Und wer Glück hat, findet hier auch mal einen Mantel von Joop, eine Jacke von Strenesse oder Stiefel von Esprit. Schnäppchenpreise sind es schon, die das Team hier gemeinsam beschließt, nach Richtlinien von Oxfam. „Aber wir können den Joop-Mantel auch nicht für 20 Euro rausgeben“, findet Christa Wolpert. Mit 200 Euro ist der Alpakamantel eines der teureren Stücke, für das Designerlabel aber immer noch ein extrem guter Fang.

Die Erlöse aus dem Verkauf werden von Oxfam für Projekte in Afrika, Asien oder in der akuten Katastrophenhilfe verwendet. Alle Mitarbeiter stellen ihre Zeit ehrenamtlich zur Verfügung. Sie fahren dennoch einen persönlichen Gewinn ein, sagt Christa Wolpert: Freundschaften im Team nämlich, das Gefühl, etwas absolut Sinnvolles zu tun und: „Man kommt unter Menschen“. Das Team versteht sich hervorragend: „Wir alle haben unsere Spezialabteilungen, es gibt ein Bücherteam, ein Schuhteam, manche wollen lieber an die Kasse, andere sortieren lieber“.

Und die Oxfam-Crew überlegt sich immer wieder was Neues. Früher gab es Modenschauen, im Oktober ist immer der „Manteltag“  mit Spezialangeboten für Winterbekleidung. Am 8. November findet ein Spezialtag für Kindersachen statt, am 15. November für Heimtextilien, und an allen Adventssamstagen gibt es 20 Prozent Rabatt auf ausgewählte Waren. Sogar Heiligabend lassen sich bis 13 Uhr Last-Minute-Geschenke shoppen: schrille Vasen aus den Siebzigern, Langspielplatten aus Vinyl, schicke Filzhüte, jede Menge Gesellschafts- und Brettspiele und mit etwas Glück sogar Bio-Baumwoll-T-Shirts: „Manchmal bekommen wir Spenden von Greenpeace oder das, was Ökotest geprüft hat“, verrät Christa Wolpert.

Stöbern ist erwünscht und macht Spaß

Natürlich lässt sich nie vorhersagen, was im Angebot ist. Aber Stöbern ist erwünscht und macht Spaß. Es gibt auch ein kleines Angebot an fair gehandelten Lebensmitteln. „Oxfam macht auch gute Kampagnen gegen Armut oder Nahrungsmittelspekulation“, weiß Christa Wolpert. Für Öffentlichkeitsarbeit werden aber nur 11 Prozent der Einnahmen verwendet, 9 weitere Prozent gehen in die Verwaltung, und die verbleibenden 80 Prozent fließen in die konkrete Arbeit „Für eine gerechte Welt. Ohne Armut“, so der Slogan. Wer hier mitarbeitet, sollte sich auf eine Fünf-Stunden-Schicht pro Woche einlassen. „Wir können immer Leute gebrauchen“, sagt Christa Wolpert.  Was allerdings nicht so gut ankommt, sind Spender, die ihren ganzen Kofferraum leermachen. Oxfam ist kein Entrümpelungsservice – „maximal drei Behältnisse, ob Kiste, Tüte oder Korb, werden von uns angenommen“, da ist Christa Wolpert dann schon streng.

www.oxfam.de/shops/wiesbaden