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Geschäft des Monats: PapierArt, De-Laspée-Straße 1/Marktplatz

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Von Anja Baumgart-Pietsch. Fotos Kai Pelka

Husam Al-Badri ist ein Berliner. Ab und zu schleicht sich noch ein „icke“ in seine Sprache. Doch seit sieben Jahren ist der in Bagdad geborene und in der Hauptstadt aufgewachsene passionierte Papierliebhaber ein Wiesbadener. Warum aus Berlin nach Wiesbaden kommen, wenn doch die meisten den umgekehrten Weg wählen? „Mir war’s da zu viel“ gibt der ehemalige Architekt zu. Baustellenstress ist das eine, „und ab 40 mag man’s ja auch lieber ruhiger“. Das, was er in seinem Laden „PapierArt“ verkauft, ist tatsächlich etwas, das Ruhe braucht und auch Ruhe ausstrahlt. Wie ein bisschen aus der Zeit gefallen wirkt das Angebot in der De-Laspée-Straße, wo Al-Badri vor sieben Jahren ein leer stehendes Geschäft  in einer „kleinen Großstadt“ suchte und fand.

Papier in allen Farben und Formen gibt es hier, dazu edles Schreibgerät  – und sonst nichts. Das ist aber schon eine ganze Menge, denn das Sortiment ist geradezu überwältigend. Nicht nur die wunderschönen Geschenkpapiere aus Fernost oder Italien mit Motiven, so dekorativ, dass man sie sich allesamt einrahmen könnte. Nicht nur die originellen Grußkarten, teils als Künstler-Unikate. Nicht nur Füllfederhalter von günstig bis exklusiv, außerdem Radiergummis, Schreibfedern, Tintengläser.

Bei Husam Al-Badri gibt es auch eigene Manufakturware, die er weiterhin in Berlin herstellen lässt. Ein kleines Sortiment verkauft der exklusive Versandhandel „manufactum“. Doch das ist wirklich nur der kleinste Teil der Riesenauswahl, die Husam Al-Badri anbieten kann. Bücher und Hefte in allen Größen und Farben, Notizblöcke und Alben für jeden Anlass, Kistchen und Kästchen, Ringbücher und Kalender: Alles Schöne aus Papier gibt es hier.

Buchbinden schon als Kind gelernt
Schon als Kind sei er begeistert von der Buchbinderei in seiner Nachbarschaft gewesen, sagt der Ladeninhaber. „Da bin ich immer hingegangen, und ich konnte dann schon mit zwölf Jahren Buchbinden“. Da war es kein weiter Weg für ihn, den Laden eines Tages zu übernehmen. Weiter war schon der Weg nach Wiesbaden, doch dort ist Al-Badri absolut angekommen. Er hat viele Stammkunden, die die angenehme Atmosphäre in seinem detailreichen Laden schätzen – die persönliche Beratung sowieso, und auch ein kleines Schwätzchen ist immer drin. Wenn ein Kunde eine geschmackvolle Glückwunsch- oder Trauerkarte sucht, „dann erfahre ich auch oft, für welchen Anlass die ist“, sagt Husam Al-Badri. Und auch für Hochzeitseinladungen hat er das passende Büttenpapier und kennt bei Bedarf auch den passenden Druckbetrieb, der besonders schöne Ergebnisse liefert. Kalligraphie-Kundige finden hier ein wahres Eldorado. „Ich schreibe selbst gerne und habe auch eine schöne Handschrift“, sagt Husam Al-Badri, der am Computer nur schreibt, „wenn es gar nicht anders geht“. Manchmal scanne er tatsächlich ein handgeschriebenes Dokument ein und versende es als Anhang.

Leute mit Faible fürs Schöne wird es immer geben
Passionierte Haptiker können hier zarte Japanpapiere, handgearbeitetes Pergament aus Ziegenhaut, strukturierte Papiere aus Asien anfassen. Auch Origami-Fans werden hier fündig. „Diese Nische stirbt nicht aus“, sagt der Inhaber selbstbewusst. Wohl binde er kaum noch Fachzeitschriften ein, was früher ein häufiger Wunsch der Kunden war. Aber Leute mit dem Faible fürs Schöne werde es immer geben. Die ihre Hochzeitsbilder eben nicht bei Facebook zeigen, sondern in einem handgearbeiteten, individuell bezogenen Album, das sogar noch erweiterbar ist. Die liebevoll Kochrezepte in ein eigenes Kochbuch eintragen. Die ihre Urlaubsfotos in ein aufs Urlaubsziel abgestimmtes Buch kleben. Oder die mit einem Füller richtige, echte Liebesbriefe auf Papier schreiben. „Da kommen auch junge Leute“, verrät Husam Al-Badri. Auch die Ledermäppchen von „Sonnenleder“ werden oft gekauft. Das sind wunderbar riechende, aufwendig verarbeitete Utensilien, „von denen man Jahre etwas hat“, meint Al-Badri. Kleine Betriebe unterstütze er besonders gerne, nicht nur „die Papiermanufakturen in acht asiatischen Ländern“, deren Produkte er vertreibt. Sondern zum Beispiel auch „Bundpapier“ aus Berlin, eine kleine Manufaktur, die hübsche, nostalgische Klebeetiketten herstellt. Und Al-Badri hat auch ein klitzekleines fachfremdes Sortiment: Deutschland- und Wiesbaden-Souvenirs. „Wenn drüben die Tourist-Info geschlossen hat, dann kommen die Touristen zu mir“, sagt der Inhaber. Und dann kriegen sie im Notfall auch einen Kühlschrankmagneten mit dem Kölner Dom.

www.papier-art.com

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