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Geschäft des Monats: Piano-Schulz, Mühlgasse 11-13

Reklame

Von Anja Baumgart-Pietsch. Fotos Andrea Diefenbach.

Klaviere auf drei Stockwerken in edel-nostalgischem Ambiente: Wer in Wiesbaden ein Tasteninstrument sucht, dem fällt schnell der Name Piano-Schulz ein. In fünfter Generation führen Christoph und Sabine Schulz das Geschäft in der Mühlgasse. „Meinem Großvater wurde empfohlen, auf jeden Fall ein Haus in der Innenstadt zu kaufen“, erzählt der Geschäftsführer. Das zahlt sich heute aus, denn so können die Klaviere und Flügel mit genügend Platz präsentiert werden.

Eine Miete könnte man sich in dieser Lage überhaupt nicht mehr leisten. Aber die Familie Schulz war schon immer vorausschauend und hat sich so eine Top-Position im Rhein-Main-Gebiet erarbeitet. Christoph Schulz‘ Urgroßvater gründete gemeinsam mit seinem Bruder in Mainz anno 1888 die Firma „Gebrüder Schulz“. Bis zum Zweiten Weltkrieg verkaufte und baute man hier Klaviere, dann fiel das Haus den Bomben zum Opfer. Nach dem Krieg baute Sohn Günter das Geschäft in Wiesbaden wieder auf und fuhr zunächst, so verzeichnet die Chronik, mit dem Fahrrad zu seinen Kunden, im Einzelfall auch mal nach Limburg, um Klaviere zu stimmen. Bald hatte er wieder eine Werkstatt, dann ein Ladenlokal in der Bahnhofstraße, 1962 erwarb die Familie dann das Haus in der Mühlgasse.

Auch Ort für Konzerte und Vernetzung

Das ist ein echtes Klavier-Wunderland: Glänzende Flügel und Klaviere stehen im Hauptverkaufsraum, ein Stockwerk tiefer gibt es einige wunderschöne Antiquitäten und einen kleinen Konzertsaal. Hier finden fast jeden Samstag kleine interne Konzerte von Klavierlehrern und ihren Schülern statt. Schulz verkauft nicht nur Instrumente, sondern vernetzt die Lernwilligen auch mit den passenden Lehrerinnen und Lehrern. Hinter dem Hauptverkaufsraum befindet sich eine Werkstatt. Mehrere Klavierbauer und Azubis sind hier damit beschäftigt, Instrumente zu reparieren. Und einen Stock höher wartet ein weiterer „Showroom“, der aus zwei hochherrschaftlichen Wohnungen entstand: In jedem der ehemaligen Zimmer, und im Flur, stehen mehrere Klaviere und Flügel, präsentiert inmitten von Stuck, Antiquitäten und Orientteppichen. Oft steht darauf als Marke „Gebr. Schulz – die Eigenmarke der Firma, die zwar auch Grotrian-Steinweg und andere bekannte Marken vertreibt. Aber mit der günstigeren Eigenmarke, die in unterschiedlichen Ländern der Welt hergestellt wird und in Deutschland den letzten Schliff erhält, punkten die Wiesbadener bei vielen Endkunden und auch im Großhandel. In China werde einiges gefertigt, berichtet Christoph Schulz, der sich auch selbst regelmäßig vor Ort von der Qualität der Fertigung überzeugt. Die Chinesen seien auch gute Kunden: Viele Familien im Land von Lang Lang  ließen ihren Kindern Klavierunterricht angedeihen, sagt Schulz. Die Klaviere, die sich dort am besten verkaufen, haben ein leicht anderes Aussehen als die europäischen, sie sind höher und haben eine andere „Architektur“.  Auch dieser Markt wird problemlos bedient.

Generation 40+ entdeckt das Klavierspiel

Es gibt sowieso nur wenig, was es nicht gibt, meint Christoph Schulz. In der Ausstellung stehen zwar hauptsächlich Instrumente in Schwarz und Weiß, „aber Sie können auch ein Klavier in Pink haben.“ Restaurierungen und Reparaturen, Klavierstimmungen, Umzüge, Zubehör, Vermittlung von Unterricht und natürlich ganz viel Zeit für Beratung rund um die schwarzen und weißen Tasten: All das gehört zum Tagesgeschäft für das Ehepaar Schulz und ihr Team, das sich keine Sorgen um die Zukunft macht: „Klavierspielen liegt nach wie vor im Trend, ob für Kinder oder gerade auch fürs so genannte „Mittelalter“: Viele Männer oder Frauen über 40 erfüllen sich dann einen lang gehegten Traum“, berichtet Christoph Schulz. Und erzählt von dem Mann mit dem teuren Rennrad, der vor einiger Zeit „in Radlerklamotten!“ – einfach reinschneite und ein Luxus-Klavier erwarb. Es geht aber auch günstiger, mit Klaviermiete zum Beispiel oder auch Mietkauf. Was es hier aber nicht gibt, sind E-Pianos. Deren Benutzung habe nichts mit Klavierspielen zu tun, findet Christoph Schulz: „Der Ton, den man damit erzeugt, ist immer eine Konserve. Wenn Sie einen Klavierton anschlagen, ist der immer selbst gemacht.“ Wohl aber baut Schulz auf Wunsch seinen Kunden eine Elektronik ein, die das Klavier mietwohnungsfreundlich verstummen lässt und die Möglichkeit bietet, einen Kopfhörer anzuschließen. Das sei dann immer noch handgemachte und nicht digitale Musik.

www.piano-schulz.de