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Geschäft des Monats: Skischuhdoktor, Nettelbeckstraße 24

Text: Anja Baumgart-Pietsch. Fotos: Kai Pelka

Das Wichtigste im Leben, so heißt es, seien ein gutes Paar Schuhe und ein gutes Bett – steckt man nicht im einen, so steckt man im anderen. Zumindest beim Thema Schuhe kann Volker Reinsch weiterhelfen, der sich „Der Skischuhdoktor“ (und „Schuhdoktor“) nennt. Er läuft aber nicht in einem weißen Kittel herum, sondern empfängt ganz lässig in seinem kleinen Lädchen, das vor kurzem im Westend eröffnet hat.  Der gelernte Einzelhandelskaufmann hat jahrzehntelang in einem großen Sportgeschäft Schuhe verkauft und dabei viele Kunden mit Fußproblemen und Schmerzen kennen gelernt.

Gefragter Doppelexperte für Schuhe und Füße

Gerade Skifahrer haben diverse Fußmalaisen durch falsche Druckbelastungen beim Standard-Schuhwerk. Reinsch wollte sich entsprechend weiterbilden – daraus wurde dann eine zweite Ausbildung als Orthopädie-Schuhtechniker. Jetzt ist er ein echter Experte für Schuhe und Füße: So etwas ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Er teilt seine Zeit auf zwischen einer Festanstellung in einem orthopädischen Fachgeschäft in Frankfurt, wo er sich um alle möglichen Fußprobleme kümmert, und seinem eigenen Wiesbadener Laden.

Bereits 2011 hatte er schon einen kleinen Laden in Wiesbaden, der aber bald aus allen Nähten platzte. Später kümmerte er sich in einem Outdoor-Laden in der Innenstadt um Wander- und Skischuhe. Dieser Service kam hervorragend an, und so überlegte sich Reinsch, sich abermals selbstständig zu machen. Die Arbeitsbelastung ist hoch, es ist aber ein Saisongeschäft, erzählt er. „Im Sommer ist halt kaum was los“. Im Winter hingegen kann er vielen Leuten helfen, ihren Sport schmerzfrei auszuüben. Das ist für ihn ein schöner Erfolg. Die Festanstellung in Frankfurt kann er indes genau wegen dieser Saisongebundenheit nicht weglassen.

Bergfreak mit Bodenhaftung

Der zweifache Vater kommt selbst kaum noch zum Skifahren. Mit seinen Spezialkenntnissen ist er ein gefragter Experte und  – „wenn ich Urlaub machen will, muss ich den Laden halt zumachen.“ Doch 2019 peilt Volker Reinsch wenigstens eine Skiwoche mit seinem Sohn an – der einzige in der Familie außer ihm selbst, der Ski fährt. Reinsch selbst ist in diesem Sport aktiv, seit er 12 Jahre alt war. Er ist Mitglied des größten Skiclubs in Rhein-Main, in Hofheim, und hat dort als Jugendtrainer zahlreiche Freizeiten begleitet. Dazu ist er ein echter Bergfreak, fährt Snowboard, wandert, klettert.

Ein guter Schuh ist für all das das A und O, denn mit schmerzenden Füßen macht das alles keinen Spaß. Ein Skischuh von der Stange ist für viele Menschen nicht das Optimum. Volker Reinsch weiß, wie man die Schuhe so anpasst, dass man keine Schmerzen hat. Fußprobleme wie Hallux oder Fersensporn können mit Einlagen gemindert werden.

Einlagen sogar für High Heels

„Viele Leute ziehen die Skischuhe immer wieder aus, weil sie so unbequem sind. Aber im Idealfall zieht man sie morgens an und erst abends wieder aus“, sagt er. Einlagen kann Reinsch nicht nur für Skischuhe, sondern für jeden Schuh – sogar für High Heels – anfertigen. Die sind dann so dünn, dass man keine speziellen Schuhe braucht, sondern passen auch in schicke Pumps. Speziell für Skischuhe gibt es aber diverse Möglichkeiten, den Fuß abzustützen und zu polstern. Und Reinsch kann auch den ganzen Schuh mit einem speziellen Verfahren umformen: Das geht mit Hitze, der Kunde steht im Schuh und lässt sich diesen auf den Fuß „schmelzen“. Vorher werden mit speziellen Geräten Abdrücke angefertigt, aus denen sich erkennen lässt, wo die Druckbelastungen besonders hoch sind und eine Entlastung nötig ist – fast wie ein Gebissabdruck beim Zahnarzt. Da geht dann nur mit Termin – wie beim „Doktor“ halt üblich: Eine bis zwei Stunden benötigt der Fachmann für eine ausführliche Beratung und die persönliche Anpassung.

Das muss sich der sportlich ambitionierte Skifahrer auch durchaus etwas kosten lassen, aber das tun viele Kunden, die nicht nur aus dem Rhein-Main-Gebiet, sondern aus ganz Deutschland kommen, gerne. „Ich habe Kunden aus Hamburg, die übernachten dann hier in Wiesbaden.“ Im Alpenraum gibt es mehr Geschäfte wie seins, aber im „Flachland“ ist er wohl ziemlich einzigartig. Und das Internet ist ausnahmsweise  keine Konkurrenz, denn hier muss man wirklich „auf eigenen Füßen“ reinspazieren. Für die High-End-Variante fertigt Reinsch sogar Skischuhe auf Maß.

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