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Gestalter mit Spielbein: Der Kommunikationsdesigner Michael Eibes hat einen Verlag gegründet – Premiere ist auf der Buchmesse

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Von Julia Bröder. Fotos Offert Albers.

Affen sind schlau und neugierig, das gefällt Michael Eibes. Auf der Fensterfront seiner Designagentur mitten im florierenden Teil des Bergkirchenviertels, zwischen Weinbar und Vintage-Laden, prangt ein großer Schimpanse. Eibes residiert seit sieben Jahren hier in der Oberen Webergasse, vorher wanderte er mit seinem Studio durch Wiesbaden – mal arbeitete er in garagenartigen Räumen in der Rheinstraße, mal unter hohen Stuckdecken am Luisenplatz. Drei feste Mitarbeiter beschäftigt „Michael Eibes Design“, zusammen kümmern sie sich um Websites, Brandings oder Messeauftritte für Unternehmen wie den Pharmazulieferer Biogrund oder den Fahrradhersteller Felt.

Ein Felt-Fahrrad steht auch in der Agentur, es ist Eibes eigenes. Man glaubt dem Gestalter sofort, dass er gerne Fahrrad fährt, aber noch lieber motorisierte Zweiräder. Seine Touren führen ihn zum Beispiel durch Rheinhessen oder bis in die Pyrenäen. Doch auch Engagement seiner Branchenkollegen von Scholz & Volkmer für mehr uns bessere Radwege in Wiesbaden (www.radwende.de) unterstützt er gerne.

 Vernetzt? „Ich kenne die Leute einfach“

Überhaupt ist Michael Eibes umtriebig und sehr gut vernetzt – obwohl er das Wort Netzwerk nicht mag: „Ich kenne die Leute einfach.“ So saß er 15 Jahre lang im Vorstand des Deutschen Designer Clubs. Außerdem gehört er zu den Gründungsmitgliedern der Initiative „Access All Areas“, für die Wiesbadener Kreativbüros einmal im Jahr gemeinsam zum Tag der offenen Tür einladen und unter deren Dach auch Veranstaltungen wie der Design Walk stattfinden. Kürzlich war es wieder soweit, diesmal führte der Spaziergang die Besucher vom 60/40 am Schlachthof nach Flandern, passend zum Gastland (neben den Niederlanden) der diesjährigen Buchmesse, Mailand und London. Über Skype haben sich dort ansässige Studios den Wiesbadenern präsentiert. Michael Eibes, der auch im April bei einer Kreativwirtschafts-Delegationsreise nach Flandern unter Leitung von Minister Tarek Al-Wazir dabei war, hat bei der Organisation selbstverständlich seine Finger im Spiel.

Die Wichtigkeit der Prozesse

Das neueste Projekt des gebürtigen Frankfurters ist jedoch ein anderes: Unter dem Namen Spielbein Publishers hat er einen Verlag gegründet. Sein Programm: Inhalte an der Schnittstelle von Wirtschaft, Design und Kunst. „Das, was in Design- Ausstellungen oder bei Wettbewerben gezeigt wird, sind in der Regel nur die Ergebnisse unserer Arbeit. Es ist aber enorm wichtig, sich auch mit den Prozessen und Zuständen dahinter auseinander zu setzen“, erläutert Michael Eibes seine Intention. In der Rubrik „Rückblick“ möchte er daher Werke veröffentlichen, in denen Designer sich mit ihren Erfahrungen im Wandel der Zeit beschäftigen, im Bereich „Ist“ sollen aktuelle Themen der Branche wie unbezahlte Pitches oder niedrige Gehälter diskutiert werden – als eine der ersten Publikationen ist „Design als Investition“ von Peter Vetter und Katharina Leuenberger in Vorbereitung. Die Verlagssäule „Vorschau“ schließlich widmet sich den Visionen von Gestaltern, ein Arbeitstitel lautet zum Beispiel „Duft und Marke“. „Dazu wird es auf der Buchmesse mehrfach eine künstlerisch Performance geben“, verrät der frisch gebackene Verleger.

Er ist zuversichtlich, dass sein Geschäft gut anläuft, daran lässt der Wahlwiesbadener keine Zweifel. Ob das nicht ein wenig kühn sei? Ein Verlag für gedruckte Bücher in Zeiten der Hyperdigitalisierung – kann das gut gehen? „Ja“, ist Michael Eibes überzeugt. Zum einen glaube er fest an den Wert hochwertiger Bücher, zum anderen lege er sich aber auch nicht darauf fest. Bei Spielbein Publishers können in Zukunft genauso Websites zu bestimmten Themen, Magazine oder Filme erscheinen, so die Idee. Eine Submarke hat er schon jetzt ins Leben gerufen: Wunderland Papers, eine Kollektion aus zurzeit so beliebten Malbüchern für Erwachsene, die sich sicherlich gut verkaufen lassen, aber auch ein schöner Kontrast zu den sachlichen Themen aus dem Hauptprogramm des Verlags sind.

Auf der Frankfurter Buchmesse vom 19. bis 23. Oktober wird Spielbein Publishers sich erstmals der Öffentlichkeit präsentieren – mit einem Affen als Logo.

www.spielbeinpublishers.com, www.aaa-wiesbaden.de

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