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Grüne Lunge im Dornröschenschlaf: Das Aukammtal wartet darauf, entdeckt zu werden – 1. Umweltfestival

Von Alica Bergmann. Fotos Nele Prinz.

„Schließe deine Augen … Stelle dir vor, du läufst auf einem verschlungenen Weg durch eine grüne Landschaft. Den Lärm der Stadt lässt du hinter dir und schlenderst immer weiter Richtung Ruhe und Entspannung. Du atmest tief ein, riechst das frische, grüne Gras, schaust in die blühenden Bäume über dir und spürst die wärmenden Sonnenstrahlen auf deinem Gesicht …“ Was soll das hier sein, eine dieser Fantasiereisen vielleicht? Nein, das ist Realität: Genau so ergeht es einem, wenn man durch das geschützte Biotop im Aukammtal spaziert – im Stadtgebiet von Wiesbaden. Zwischen Thermalbad und Apothekergarten erstreckt sich ein wildromantischer, nur durch minimale Eingriffe gestalteter Landschaftspark. Auf schmalen Wegen schlendern Besucher hier an hohem Schilf vorbei, überqueren den Aukammbach auf kleinen Holzbrücken und entdecken eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen.

Hansdampf in allen Natur-Gassen

Dass dieses Juwel so idyllisch bleibt, wie es ist, dafür sorgt Johannes Löhde. Mit seiner 2016 gegründeten Integrationsfirma GrünKlusion, die er als geschäftsführender Gesellschafter leitet, kümmert er sich um die Pflege des Naherholungsgebietes. „Es ist meine Berufung, Gärtner zu sein. Was gibt es Schöneres, als durch die Natur zur Arbeit in der Natur zu laufen?“, sagt der gelernte Gemüsegärtner, bückt sich und rupft etwas Kraut am Wegesrand ab: „Das ist eine wilde Verwandte der Erbse. Wenn man daran reibt, riecht es sogar nach Erbsen.“ Man könnte ihn als Hansdampf in allen Natur-Gassen bezeichnen. Haupt- wie ehrenamtlich engagiert er sich in verschiedenen naturpädagogischen und sozial-ökologischen Projekten.

Erlebnisgarten für Kinder

Bereits 2009 kam ihm die Idee zur Gründung des Vereins namens Heupferd e.V., in dem Kinder durch naturpädagogische Angebote ihre Umgebung und die Natur erfahren können, sich austoben und entfalten können. Als er sich auf die Suche nach einem passenden Gelände begab, wurde er im Aukammtal fündig. Die „Orangerie im Aukammtal“ – seit 2004 betrieben von dem gemeinnützigen wfb (Werkstätten für Behinderte)-Tochterunternehmen DBS –  stellte ihm einen brachliegenden Teil ihres Geländes zur Nutzung als „Erlebnisgarten“ zur Verfügung. Heute steht dort ein gelber Bauwagen neben einem großen Weiden-Tipi. Es gibt eine Feuerstelle, an der Kinder kokeln können und einen Zauberwald, in dem kleine Prinzessinnen im Blütenregen tanzen können. In den vielen Projekten ist auch ein Insektenhotel entstanden, das immer noch von Solitärbienen bewohnt wird.

Johannes Löhde kooperiert gerne mit der neuen Geschäftsleitung der Orangerie, die unter anderem durch die Wiedereröffnung des Cafébetriebs neuen Schwung in das Aukammtal bringen will. Er betont: „Die Orangerie ist mit ihrem Café und dem Gärtnereibetrieb in den Gewächshäusern eindeutig das Herzstück des Aukammtals.“ Deshalb hegt er auch auch den Traum, als Gärtner in der Orangerie aktiv zu werden und mitzuhelfen, diese zu revitalisieren. Jedoch hat er keinen festgeschriebenen Masterplan für die Zukunft des Aukammtals.

Neues Umweltfestival als Fixpunkt

Vielmehr wünscht er sich, dass das Tal so organisch wie bislang weiterwächst. Die Idee einer Schafherde im Tal findet er spannend für die Zukunft, aber so weit will er noch nicht planen. Im Moment konzentriert er sich auf ein Projekt, das schon in naher Zukunft im Kalender steht: das 1. Umwelt-Festival im Aukammtal, das GrünKlusion und das städtische Umweltamt mit zahlreichen Partnern am 30. Juni und 1. Juli veranstalten.

Das Festival soll gleich zwei Zwecke erfüllen: das Naherholungsgebiet ein wenig bekannter zu machen und den unterschiedlichsten Natur- und Umweltverbänden, Vereinen, Organisationen und Institutionen eine Plattform zu geben – als „neuer Fixpunkt für umweltinteressierte und –engagierte Bürgerinnen und Bürger Wiesbadens“. Hintergrund: Erhebungen haben ergeben, dass die Wiesbadener eine besonders hohe Bereitschaft zum Bürgerengagement im Bereich Umwelt-, Natur- und Tierschutz haben, das tatsächliche Engagement aber weit hinter dem Potenzial zurückbleibt. Das Umwelt-Festival soll, neben toller Atmosphäre, Unterhaltung und Verpflegung, fast beiläufig zum Engagement „anstiften“ und so die bisherige Diskrepanz zwischen gewünschtem und tatsächlichem Engagement verringern. In einem interaktiven Programm aus Führungen durch den Landschaftspark mit Musik, Workshops, Kunst und Aktionen werden die Besucher aller Altersgruppen Einblicke in die Aktivitäten der Verbände sammeln können. Ob Festival oder Alltagsbetrieb – nach wie vor besteht ein Spannungsfeld zwischen den Ideen, das Aukammtal als Naherholungsgebiet auszubauen und der gewünschten Naturerhaltung. Johannes Löhde wird seinen Teil dazu beitragen, dass die richtige Balance gefunden wird.                                                                          Das 1 Wiesbadener Umweltfestival im Aukammtal findet am Freitag, 30. Juni, ab 15 Uhr, und am Samstag, 1. Juli, ab 11 Uhr statt. Alle Infos und das volle Programm hier.

Apothekergarten

Ein weiteres Kleinod in unmittelbarer Nachbarschaft des Aukammtals ist der Apothekergarten (Aukammallee 39), ab 1. Mai bis voraussichtlich Ende Oktober täglich ganztägig (8 bis 20 Uhr, auch sonn- und feiertags) für das Publikum geöffnet. Themenführungen samstags um 15 Uhr.

www.apothekergarten-wiesbaden.de

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