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Insektoider Botschafter: Inox Kapell

 

Text Rebekka Farnbacher
Fotos Kai Pelka

Inox Kapell sieht sich als Botschafter zwischen Mensch und Insekt. „Wir sind abhängig von den Insekten“, erklärt er einer Gruppe Naturinteressierter zu Beginn seiner Insektenführung auf Schloss Freudenberg.

Käfer, Ameisen und Co geben Nährstoffe an die Erde ab und sorgen durch das Durchwühlen des Bodens dafür, dass er sauerstoffdurchsetzt ist und dadurch Platz für Wurzelwachstum bietet. Mückenlarven filtern unser Wasser; Wespen reinigen unsere Wiesen und Wälder, indem sie den Unrat wegtragen. Anhand von Kreidezeichnungen erläutert Kapell die Anatomie dieser nützlichen Panzertiere. Im Gegensatz zu Spinnen und Milben, zeichnet sich das Insekt durch drei Körperglieder aus. Organisch sinnvoll sind sie dank der feinen Behaarung und ihren Antennen.

Die „Nasen“ stecken in den Fühlern und ermöglichen, dass ein Feuerkäfer auf 80 Kilometer Entfernung einen Brand wittern kann. Als Lebewesen, die bereits seit 400 Millionen Jahren auf der Erde leben, bestechen sie durch ihr intelligentes und zukunftsorientiertes Handeln. Ein Bienenstaat, sagt man, liefert das Potenzial einen Menschenhirns, weil jedes einzelne Mitglied durch bestimmte Fertigkeiten den  Organismus ergänzt.

Insekten sollten in vielerlei Hinsicht als Vorbild für den Menschen gelten. „Kleine Tiere sind lösungsorientiert“, schwärmt Inox Kapell. „Sie sind dem Menschen insofern voraus, als sie mehr handeln, statt immer nur viel über Probleme zu reden.“ Auch die Elemente einer funktionierenden Volksabstimmung und eines transparenten Staats nach den Theorien Beuys` betrachtet er als adaptierbares Leitmodell. Nicht zu vergessen die Freude am sinnvollen Handeln: „Die Bienen lachen garantiert die ganze Zeit.“

Ameisengift als Heilmittel
Beim Insektensichten mit Beobachtungsgläsern und Kechern im Freudenberger Umland erfahren die Teilnehmer schließlich auch das Phänomen der Ameisenheilung. Das Gift der Ameise – in homöopathischen Dosen – stärkt das menschliche Immunsystem. Ist eine Erkältung im Anmarsch, sucht sich Kapell einen Ameisenhügel, hängt seine Nase rein und atmet tief ein. Für Berührungsängstlichere tun es aber auch ein paar Ameisenbisse am Handrücken. Insbesondere die Entfremdung von der Natur veranlasst Kapell dazu, viel mit Kindern zu arbeiten. Das erfülle ihn mehr, als mit erhobenem Zeigefinger zu missionieren. Die Notwendigkeit der biologischen Artenvielfalt, spiegelt sich auch in seiner Rolle als neoistischer Gesamtkunstwerker wider. Seine „insektoide“ Faszination äußert sich nicht nur auf pädagogischem Wege und einigen etomologischen Forschungsaufträgen, sondern auch in Form von Musik, Zeichnungen, Gemälden, Fotografien, Mode und Performances.

Besetzte Häuser und Museen
Sein Wissen sammelte der Mann mit Filzhut und kunstvollem Bartwuchs in Bio- und Kunstvorlesungen, aber vorrangig auf autodidaktischem Weg und durch ausgiebiges Beobachten. Er präsentiert seinen Output auf Konzerten und Ausstellungen in besetzten Häusern oder selbst errichteten Museen, lebte in Wiesbaden, Berlin, Mainz, oder Hamburg: „Letztlich ist es egal, wo du bist. Es gibt fast überall Zeichen für das Interesse eines solchen Stroms.“ Im Schloss Freudenberg haust der Insektenforscher deshalb nun zwei Monate lang. Und obwohl er sich für die Sesshaftigkeit von Termiten in ihrem Bau begeistern kann, hält er sich – außer an seiner Beobachtungsstelle – fast nie an einem Ort auf, sondern tourt durch die Welt und ihre Wälder.

Termine für Insektenführungen

Wer Inox Kapell in natura sehen will: seine Insektenführungen im Juli werden immer dienstags und freitags um 16 Uhr, am Wochenende zum Teil auch zweimal angeboten. Mit Musik ist er am 6. und 27. September in der Mainzer Walpodenakademie zu sehen – einmal mit „nostalgie éternelle“, das andermal mit „toka lügenvater/intretosh“.

www.inoxkapell.de

 

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