| | Kommentare deaktiviert für Ran an den Dreck! “Gravity Pilots” machten im Rheingau aus ödem Brachland begehrten Bikepark

Ran an den Dreck! “Gravity Pilots” machten im Rheingau aus ödem Brachland begehrten Bikepark

_MG_5553

Von Hendrik Jung. Fotos Michael Zellmer.

Bis die Mountainbiker von den „Gravity Pilots“ kamen, war das Gelände unter der Bundesstraßen-Brücke zwischen Martinsthal und Eltville ödes Brachland. Seit 2008 ist hier ein Bikepark entstanden, der Fahrer aus ganz Rhein-Main anlockt.

In kurzem Abstand schwingen sich die drei Mountainbiker im Alter zwischen 13 und 36 Jahren auf die mehr als hundert Meter lange Freeride-, Dirt- und BMX-Strecke. Den ersten Sprung absolvieren die Schwerkraft-Piloten noch nacheinander, dann entscheidet sich jeder von ihnen für eine andere Spur. Vom unteren Ende des Hangs aus gesehen, bietet sich Besuchern ein spektakuläres Bild: Auf einer Breite von etwa 20 Metern kommen die mit Fullface-Helmen ausgerüsteten Fahrer plötzlich auf drei Pisten parallel angesprungen. Nach dem Adrenalinbad werden die Räder entspannt wieder nach oben geschoben. „Die Saison geht los, und wir wollen uns ein bisschen einrollen“, erklärt der 34-jährige Niklaus, warum er aus Frankfurt in den Rheingau gekommen ist. „Wir haben vor, dieses Jahr ein paar Rennen zu fahren und müssen jetzt etwas härter trainieren. Um Sicherheit rein zu kriegen und Sprünge zu üben, ist es hier immer gut“, fügt der 36-jährige Yann hinzu. Der Dritte im Bunde ist der 13-jährige Cedric, der mit seinem achtjährigen Bruder Timon und Mutter Claudia aus Auringen gekommen ist. „Ich bin alle zwei bis drei Wochen hier, wenn ich Zeit habe. Sonst sind immer noch zwei Freunde von mir dabei, die auch Dirtbikes fahren“, erläutert der Ältere der Brüder. In der Nähe ihres Wohnorts hätten sie sich auch selbst eine kleine Rampe gebaut. In „Dirtville“ sei es jedoch viel abwechslungsreicher und durch die Brücke noch dazu vor Regen geschützt. Auch am sonntäglichen Jugendtraining habe er schon mal teil genommen. „Der Trainer hat uns Technik beigebracht. Wie man stabil bleibt beim Absprung“, berichtet Cedric, der gerne noch öfter an dem kostenfreien Jugendtraining teilnehmen würde. Voraussetzung für die Nutzung des Geländes ist eine Vereinsmitgliedschaft bei den Gravity Pilots. Zu deren Zielen gehört insbesondere die Nachwuchsförderung.

Die Jungs wollen springen

„Die Jungs wollen springen. Das ist das Allerwichtigste und das können sie im Training lernen“, erläutert Frank Topp, einer von drei Jugendtrainern des Vereins. Wichtig sei das aktive Fahren. So müsse bei den Sprüngen ein aktiver Absprung-Impuls erfolgen. Die Grundlagen dafür könne man auch im Pump-Track üben, wo es darum geht das Bike zu bewegen ohne in die Pedale zu treten. Stattdessen wird Schwung erzeugt, indem man zwischen den Hoch- und Tiefpunkten der Strecke sein Gewicht ins Rad rein drückt und es anschließend wieder entlastet. „Das ist ein richtig gutes Konditionstraining“, findet Yann. Eine Einrichtung wie Dirtville und das Jugendtraining hätte sich der Routinier, der schon seit knapp 30 Jahren am Biken ist, in seiner Jugend ebenfalls gewünscht. „Das wäre super gewesen, dann könnte man jetzt besser fahren“, bedauert auch Niklas. „Wir haben so was immer selber gebaut, wenn es Baustellen gab. Aber damals war das Material noch nicht so gut. Da haben wir zahlreiche Räder zerstört“, fügt er lachend hinzu. Der 34-jährige aus Frankfurt würde sich auch in Wiesbaden eine Strecke wünschen, weil diese sich dort über drei- bis vierhundert Höhenmeter ziehen könnte. So aber zieht es die Mountainbiker aus der Region regelmäßig zu Bikeparks nach Nord- oder Südhessen sowie nach Rheinland-Pfalz. Die Grundlagen für das Fahren dort kann man jedoch in Dirtville legen. „Das ist schon anspruchsvoll zu fahren. Die Rampen normal zu springen ist eine Sache, aber hier kann man tausend Sachen machen“, findet der 13-jährige Cedric. Nicht umsonst darf man am Jugendtraining erst ab dem Alter von zwölf Jahren teilnehmen. Ausnahmen werden nur nach einem Probetraining gewährt. Pflicht sind auch Helm und Schutzkleidung, ein Rad mit Vorder- und Hinterradbremse sowie eine private Haftpflichtversicherung Pflicht. Dass man die Sprünge nicht mit einem Tourenrad absolvieren sondern ein Dirt-, Freeride- oder Downhill-Mountainbike fahren sollte, dürfte sich von selbst verstehen.

www.gravitypilots.de