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Restaurant des Monats: fair.liebt. – Alte Sofas und vegane Küche in der Wielandstraße

Von Jan Gorbauch. Fotos Frank Meißner (Foto links: privat).

Nachdem die „Dichterküche“ im ehemaligen „Chiantikeller“ in der Wielandstraße  leider wieder ausgezogen war, blieb das Restaurant nicht lange leer. Sei Juni 2017 heißt es dort „fair.liebt.“ in die vegane Küche von Alina Hoyer. Sie selbst lebte und kochte zu dem Zeitpunkt schon seit vielen Jahren vegan – in die Selbstständigkeit „ist sie aber spontan hineingestolpert“. Ihre Mutter hatte ihr den Anstoß gegeben, und Alina hat den Schritt „dann einfach gewagt“.

Die Voraussetzungen waren – in Anbetracht des weitestgehend fehlenden vegetarischen bzw. gar veganen Angebots in Wiesbaden – gut und ihre Idee voll im Zeitgeist: gute, fair und nachhaltig produzierte Zutaten werden zu frisch zubereiteten veganen (und auf Wunsch auch glutenfreien) Speisen. Und hierbei erlebt der Gast einige Überraschungen.Chili, Mett, Carbonara – alles pflanzlich.

Auf der Karte finden sich nämlich vor allem „Klassiker“, die man in einem veganen Restaurant nicht unbedingt erwarten würde – Chili und Mettbrötchen (Hack?!) und Spaghetti Carbonara (Speck?!) sorgen erst einmal für Verwirrung. Alina, die selbst in der Küche steht, kann dies mit einem Lachen erklären: „Bei uns wird natürlich komplett ohne tierische Zutaten gekocht, alles was wir verwenden, ist rein pflanzlichen Ursprungs“. So besteht das „Mett“ aus zerbröselten, eingeweichten und dann gewürzten Reiswaffeln, das Chili wird mit Sojagranulat gekocht, und die Carbonara mit crunchigen Walnüssen und würzigem Räuchertofu serviert.

Bei der Carbonara und dem Chili merkt man kaum einen Unterschied zum „Original“, das Mettbrötchen schmeckt anders als gewohnt – lecker ist alles aber allemal, man muss sich nur darauf einlassen. Alina interpretiert ganz bewusst „die Klassiker, die man aus dem Alltag kennt“ in neuer, veganer Form, denn so isst und kocht sie selbst auch zu Hause am liebsten – Hauptsache „lecker und nachhaltig“.

Gemütlich mit Second-Hand-Sofas

Auch den Gastraum hat sie ganz im Sinne dieser Einstellung gestaltet. Besonders auffallend sind die Second-Hand-Sofas, die die Kellerräume zusammen mit antiken Möbelstücken aus unterschiedlichen Epochen sofort wohnlich und gemütlich erscheinen lassen. Klingt und wirkt alles prima – aber: Trotz allem hatte es das „fair.liebt.“ anfangs ziemlich schwer. Rückblickend resümiert die sympathische Inhaberin, dass dies vor allem an den Berührungsängsten mit veganer Küche lag.

Im Laufe des letzten Jahres konnte sie viele „Zweifler“ überzeugen, und es lief dann immer besser. Heute blickt Alina optimistisch in die Zukunft. Sie ist sichtlich froh und stolz, dass inzwischen „auch viele nicht-vegan lebende Gäste kommen und vor allem wiederkommen“. Darüber hinaus gibt es im fair.liebt. auch gut besuchte Veranstaltungen wie monatliche Spieleabende (jeweils an einem Mittwoch), Weinproben („Oberer Rheingau“ am 23. Februar), Impro-Theater mit der Wiesbadener Gruppe  „Für Garderobe keine Haftung“ oder und Lesungen wie die mit sensor-Kolumnist Falk Fatal und Alex Gräbeldinger am 15. Februar.

fair.liebt., Wielandstraße 14, 65187 Wiesbaden, Tel.: 0611/88005595, Di-Sa 17-23 Uhr

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