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So wohnt Wiesbaden: Almut Kocher, Kloppenheim, Photovoltaik als Statement

Von Stefanie Pietzsch. Fotos Rainer Hefele.

Vor vier Jahren tauschte Almut Kocher das Leben in einer alten Kloppenheimer Hofreite gegen ein anderes: Sie kaufte ein paar Straßen weiter kleines Stadthaus aus dem Jahre 1907, das sie kernsanierte. Schon beim Umbau legte die Diplom-Psychologin viel Wert auf nachhaltigen Umbau. „Die Eichentreppe hat hundert Jahre gehalten und wird wahrscheinlich noch mal so lange stehen“, erzählt sie. Seit vielen Jahren ist Almut Kocher bei Attac Mainz in der Ökologie-Gruppe. Dass heute eine Photovoltaik-Anlage auf ihrem Dach steht, war zwar nicht von Anfang an geplant, ist für sie jedoch ein Statement.

Interessante Rendite

Vor knapp einem Jahr fand Almut Kocher, Ökostrombezieherin, eine Broschüre der Wiesbadener Stadtwerke im Briefkasten. „Es ging um Zuschüsse, die ESWE anbietet, für einen Elektroroller oder einen Kühlschrank – und für eine Photovoltaik-Anlage. Und der war relativ hoch, ich glaube um die 2000 Euro.“ Lange überlegte sie nicht. Nach einem unverbindlichen Beratungsgespräch machte sie Nägel mit Köpfen: „Die Dachrichtung und Neigung waren ok, die Dachausrichtung Süd-West passte auch gut.“ Zehn Module sind auf dem Dach montiert, die ein bis drei Personen gut versorgen können. Das Besondere ist, dass die Besitzerin ihren Strom kauft und verkauft – und das funktioniert so: „Ich produziere Strom, der über die Anlage eingespeist wird. Wenn ich im Haus Strom brauche, entnehme ich diesen zunächst aus dem Akku. Was ich darüber hinaus brauche, kaufe ich dann ganz normal dazu. Und was ich nicht brauche, verkaufe ich an die Netzagentur.“

Wir gehen in den Keller. Dort stehen der Solarakku und der Zähler dazu. Hier werden Stromein- und -ausgang erfasst. Sie selbst kann das ganze Prozedere auf einer Computer-App noch genauer verfolgen. „Das ist ein Monitoring, mit dem ich sehen kann, was passiert, wie der Speicherstand ist, was ich verbrauche, was die Anlage produziert undsoweiter. Es sind verschiedene Komponenten, die ich beobachten kann.“ Der Verkauf scheint lukrativ. „Eine interessante Rendite, da sie monatlich bar ausgeschüttet wird“, erzählt Almut Kocher. Läge das Geld auf der Bank, würde sie deutlich weniger bekommen.

Tagsüber wird’s billiger

Im Haus im Bierhausweg in Kloppenheim wird nur der Strom über Solar bezogen, denn die Kapazität ist durch die Dachfläche eingeschränkt. Das heißt, Warmwasser kommt nach wie vor über die Gasheizung. Auf die Frage, wie lange und aufwändig der Umbau zum Solardach war, erfahren wir, dass es nur rund sechs Stunden gedauert hat. „Die Montage ist ganz unkompliziert, das Dach hatte die nötige Tragfähigkeit. Also: Platten nach oben, montiert, Leitungen außen gelegt, Akku im Keller aufgestellt, Zähler angeschlossen, fertig. Ich war wirklich sehr positiv überrascht, dass die Handwerker gut und schnell waren.“

Wir werfen einen Blick auf die App im Computer. Der Akku steht auf 90 Prozent. Spannend bleibt für Almut Kocher im Moment noch, wie viel für den Verbrauch dazu gekauft werden musste. Die Abrechnung liege ihr bis jetzt noch nicht vor. Die Anbieter selbst gehen davon aus, dass gut 70 Prozent über die hauseigene Solaranlage gedeckt werden können. Logisch, dennoch interessant ist auch, dass es bei Solarstrom günstiger ist, tagsüber Wasch- oder Spülmaschine laufen zu lassen als nachts, denn die Module produzieren ja bei Tag. Früher war es nachts billiger.

Nicht die Welt retten, aber ein Zeichen setzen

Für die Diplom-Psychologin ist die Anschaffung der Photovoltaik-Anlage zwar ein Tropfen auf den heißen Stein, doch entspricht es genau ihrer persönlichen Auffassung von einem sinnvollen Energiekonzept: „Eine dezentralisierte kleingliedrige Energieversorgung. Aber das will die Politik nicht – sehr schade! Es geht immer noch in Richtung Großkonzerne und Großprojekte. Das finde ich einfach falsch!“ Für Almut Kocher ist die Anschaffung der Photovoltaikanalage keine Heldentat, aber ein Statement, auch wenn es grundsätzlich nichts ändern würde, wie sie meint. „Die Steuermittel fließen in die falsche Richtung. Es ist gesetzlich nicht möglich, weil es vielleicht auch nicht gewollt ist. Würden aber mehr Leute auf Solar umsteigen, könnte man doch einiges erreichen.“ Immerhin unterstützt die Stadt Wiesbaden nun gezielt Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern beim Bau einer Solarstromanlage. Bis Ende August bieten Umweltamt und Klimaschutzagentur im Rahmen einer Kampagne Informationen, Beratungsangebote, eine Ausstellung im Umweltladen und diverse Aktionen.

Zum Schluss zeigt uns Almut Kocher noch ein Buch, das den Umbau ihres Hauses dokumentiert. Wir fragen, ob sie bezüglich der Solarstrom-Selbstversorgung noch Pläne oder Wünsche hege: „Mein Wunsch wäre ein Elektroauto, das ich mit meinem Strom einspeisen kann. Das würde mir wirklich gefallen. Leider gibt es das noch nicht.“

Informationen und Veranstaltungen

Die Wiesbadener Solarstrom-Kampagne “Mein Haus kann´s” ist im Netz hier zu finden.

 

 

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