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So wohnt Wiesbaden: Gemeinschaftlich Wohnen eG, Blücherstraße – Zusammenleben mit Freiraum

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Von Selma Unglaube. Fotos  Andrea Diefenbach

Schon einige Schritte nach dem Passieren des Hoftors steht man völlig verblüfft im ersten der zwei Innenhöfe und wundert sich, dass das Areal so groß ist. Dann der Rundum-Blick: alles sehr gepflegt und freundlich. Ja, hier lässt es sich bestimmt schön leben. Vorbei am Mittelhaus und durch den zweiten Innenhof, begrüßt im Hiinterhaus Maria Wippel die Besucher. Hier bewohnt sie seit 2005 mit ihrem Ehemann Udo gleich zwei Wohnungen. Als die Eheleute sich 1996, damals noch unverheiratet, Gedanken über ihre gemeinsame Zukunft machten und darüber, wie beide später im Alter einmal gerne wohnen würden, konnten sie noch nicht ahnen, dass ihre Vorstellung eines gelungenen Wohnkonzeptes später so viele Menschen begeistern sollte. „Wir wollten mit anderen Menschen zusammen leben, und da wir keine eigenen Kinder haben, war uns besonders eine Mischung aus Alt und Jung wichtig“, erklärt Maria Wippel die Entstehung von „Gemeinschaftlich Wohnen“. Für die Idee und Realisierung wurde das Projekt sogar mit zwei Preisen ausgezeichnet.

 

Bewohner von 0 bis 80 Jahre

Das Konzept geht auf: Die älteste Bewohnerin der Gemeinschaft ist 80 Jahre alt, und jüngst gibt es mit zwei Babys Zuwachs in der Blücherstraße. Neben einem ausgewogenen Altersgefälle und ökologischen Grundsätzen liegt den Gründungsmitgliedern vor allem das Gemeinwesen am Herzen. „Da wir hier Vieles teilen, fehlt uns nichts“, beschreibt Wippel das Prinzip. Autos werden bereitwillig an Mitbewohner verliehen, Waschmaschinen sind Gemeingut, Büro sowie alle weiteren Gemeinschaftsräume können jederzeit von allen Bewohnern genutzt werden. Kinder wurde kommen mit Außenspielbereich, Riesentrampolin und Kindertoberaum auf ihre Kosten. Damit alles reibungslos abläuft, wurde ein Patensystem eingeführt, bei dem einzelne Bewohner je nach Interesse und Fähigkeit für bestimmte Bereiche zuständig sind. Das gemeinschaftliche Putzen wird in wechselnden Hausdiensten geregelt.
2005 hat Gemeinschaftlich Wohnen eG die ca. 960 qm große Liegenschaft, die 20 Wohnungen zwischen 45 und 103 qm und zwei Gewerbeeinheiten umfasst, der Stadt Wiesbaden abgekauft und für 1,6 Millionen Euro aufwendig saniert und umgebaut. So ist unter anderem mit dem Einbau eines Aufzugs ein barrierefreies Mittelhaus entstanden. Für den Kauf und die Sanierung mussten die Mitglieder ihr Geld zusammenlegen, um einen Kredit bewilligt zu bekommen. „Alle, die hier wohnen, sind Miteigentümer und vom Status her gleich“, erklärt Wippel die Eigentumsverhältnisse. Noch heute muss, wer einziehen möchte, eine Einlage in Höhe von 450 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche einzahlen – zusätzlich zu einer niedrigen Miete. Daneben gibt es unterschiedliche Finanzierungsmodelle, die eigens für die zwei WGs und die fünf Sozialwohnungen im Haus entworfen wurden.

 

Anfangs etwas seltsam

In einer der WGs im Vorderhaus wohnt Erik Egold. Der Student hat im Mai 2002 sein Zimmer in der 3er-WG bezogen und schwärmt vom Wohnkonzept. „Anfangs fand ich das allerdings etwas seltsam, weil ich die Art des Wohnens nicht kannte“, erzählt Egold. Heute ist er begeistert von der gegenseitigen Hilfsbereitschaft und der Geselligkeit: „Man muss nicht mehr rumtelefonieren, sondern trifft immer jemanden, wenn man nicht alleine sein will, beispielsweise freitags bei den gemeinsamen Abendessen im Gemeinschaftsraum“.
Ebenfalls im Vorderhaus leben Nora Neeb und Sebastian Merkel mit Sohn Samuel. „Eigentlich war es Schicksal“, beschreibt die Lehrerin die Umstände, unter denen sie 2011 die 83 qm große Wohnung gefunden haben. Nach zweijähriger Weltreise suchten die werdenden Eltern dringend ein neues Domizil und wurden im Internet fündig. Auch sie sind begeistert von Zusammenhalt und Wohnkonzept. „Dennoch ist es hier nicht kommunenmäßig, sondern eine Mischung aus Gemeinschaft und Rückzug“, erklärt Merkel.

 

Mehr Infos gibt es unter www.gemeinschaftlich-wohnen.de, unter www.wohnprojekte-wiesbaden.de sind weitere Modelle aufgeführt.