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So wohnt Wiesbaden: In die gemachte Bar legen – Stella Schneider, Cosy Apartments, Seerobenstraße 29

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Von André Werner. Fotos Heinrich Völkel und Andrea Diefenbach.

Schlafen, wo früher der Bär gesteppt hat. Frühstücken, wo einst die Nacht zum Tag gemacht wurde. Möglich wird das im „Cosy Myers’s“ von Stella Schneider. Die gebürtige Schwedin betreibt mit ihrer Schwester Jeanette  zusammen die Cosy Apartments: zehn Wohnungen in Wiesbaden und eine Außenstelle in Ras Al Khaima, Vereinigte Arabische Emirate. Seit April letzten Jahres können Gäste die frischrenovierten Räume  der ehemaligen Wiesbadener Szenekneipe Myers’s  zu ihrem Zuhause auf Zeit machen.

Die ersten Gäste ließen nicht lange auf sich warten „Die Handwerker waren noch nicht ganz zur Tür raus, da sind die ersten Mieter schon eingezogen. „Die blieben dann auch direkt sechs Wochen“ verrät die Hausherrin. Wen wundert’s. Die Räume sind hell, frisch und fernab von standardisiertem Hoteleinerlei mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Da wäre zum Beispiel die ständig wechselnde Ausstellungsfläche im Schlafzimmer: „Hier möchte ich jungen Künstlern die Gelegenheit geben, ihre Werke auszustellen.“ Die Kunstwerke können auch direkt von den Wänden weg gekauft werden. Eine weitere Besonderheit ist der ganz persönliche Service „Ich bin eine Art mobile Hotelrezeption, die Bewohner haben immer meine Handynummer, und wer irgendwas braucht oder wissen will kann mich jederzeit erreichen“.

Manchmal privat, meistens geschäftlich

Buchen kann man das Cosy Myers’s und die anderen Apartments über die Seite apartment-wiesbaden.de und die gängigen Plattformen wie airBnB.  Für 65 Euro die Nacht bekommen die Gäste eine voll möblierte Wohnung im stylischen Loftstil mit allen technischen Annehmlichkeiten wie Fernseher, WLAN, Spülmaschine etc. „Ich habe viele Mieter, die immer wieder kommen“ beschreibt Stella Schneider ihre Klientel: „Das sind oft Geschäftsleute, die regelmäßig für mehrere Tage oder Wochen in der Stadt sind und sich trotzdem Zuhause fühlen wollen“.  Der nächste Dauergast steht schon bereit: Ein Autodesigner aus London hat für die nächsten 3 Monate reserviert. Wer da der Auftraggeber sein wird, dürfte klar sein.

Die Gründe, ein Cosy Apartment einem Hotelzimmer vorzuziehen sind dabei genauso vielfältig wie die Wünsche der Gäste „Ich wurde auch schon mal gefragt, welche Glühbirnen wir benutzen oder ob sich in der Nähe der Wohnung große Bäume befinden “, erzählt Stella Schneider lachend. Diskretion ist natürlich Ehrensache, aber dass manche die Räume wohl für den geplanten Seitensprung benutzen, ist der Vermieterin auch klar „Es rufen manchmal Männer an, die ihre „Tante“ besuchen möchten und zum „arbeiten“ auch gerne noch ein etwas versteckt liegendes Apartment bräuchten“ erzählt sie uns. Und fügt lächelnd hinzu „Die Betten werden ja sowieso nach jedem Gast frisch bezogen, von daher habe ich damit keine Probleme.“

Ein weiteres Cosy Myers’s ist gerade in der Mache, denn die ehemalige Bar wurde in zwei Wohnungen aufgeteilt. Die Renovierung gestaltet sich aber gar nicht so leicht, schließlich ist das Haus in der Seerobenstraße schon über 100 Jahre alt und damit ein Kulturdenkmal mit ganz speziellen Anforderungen.

Bar geschlossen, Spirit bleibt

Das Myers’s ist zwar (leider) Geschichte, doch manches erinnert auch nach der aufwändigen Renovierung an die wilde Vergangenheit. Küchentisch, Bestuhlung und ein „Planter’s Punch at Myers’s“-Gemälde sind Originale aus dem ehemaligen Barbetrieb, genauso wie der charakteristische Schriftzug über der Eingangstür. „Ich finde es schön, dass dieser Ort eine so lebhafte Geschichte hinter sich hat, und ich glaube, genau dieses besondere Ambiente suchen meine Gäste“, sagt die Vermieterin. Mit viel Herzblut und Engagement haben die Schneider-Schwestern die Räume in eine Wohlfühloase verwandelt. Dieser Einsatz wird auch von ihren Gästen honoriert. Zwei Flaschen Rotwein aus der gegenüberliegenden Vinothek „Vinicus“ haben die letzten Mieter als Geschenk dagelassen. Na dann: Willkommen Zuhause.

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