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So wohnt Wiesbaden – Jeder für jeden: Barbara Haker mit Kindern, Eltern und Oma, Pagenstecherstraße

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Von Selma Unglaube. Fotos Heinrich Völkel und Andrea Diefenbach.

„Was für eine nette Hausgemeinschaft”, schießt es einem noch vor dem Klingeln durch den Kopf. Darauf lässt zumindest das Schreiben an der Eingangstür schließen, das Brief- und Paketzusteller darüber informiert, dass im Haus jeder für jeden Sendungen entgegen nimmt und es nur einen Gemeinschaftsbriefkasten gibt. Da verwundert es wenige Augenblicke später im Treppenhaus auch nicht, dass Besucher von Emma, der Katze des Hauses, begrüßt und ein Stück begleitet werden. Nach ganz oben zu Barbara Haker müssen Gäste allerdings alleine weiter. Für Emma sind das zu viele Strapazen. Sie macht lieber kehrt und sonnt sich im schönen Garten.

Endlich im Dachgeschoss angekommen, nehmen uns Barbara Haker und ihre jüngste Tochter herzlich in Empfang. In der gemütlichen Küche, ihrem „absoluten Lieblingsplatz”, lüftet die sympathische Schauspielerin und Theaterpädagogin bei Kaffee und Kuchen dann schnell das Geheimnis der Hausgemeinschaft: „Das ist ein fast familiäres Haus. Ganz unten im Erdgeschoss wohnt meine Oma. Oben drüber wohnen meine Eltern. Meiner Mutter gehört das Haus.”

Geborgen im sozialen Netzwerk

Barbara Haker selbst wohnt, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung, seit ihrem dritten Lebensjahr in dem 1884 errichteten Haus in der Pagenstecherstraße. Mittlerweile leben vier Generationen zusammen darin. „Das ist nicht immer einfach, aber es ist schön, dass wir die Möglichkeit haben, so zu leben”, beteuert die Gastgeberin. Haker, die hier mit ihren vier Kindern wohnt, schätzt zudem die Gegend sehr: „Ich liebe das Bergkirchenviertel. Mir ist es wichtig, hier zu leben, wegen des sozialen Netzwerks: der Kirchengemeinde, der Grundschule – ich bin selbst in die Johannes-Maaß-Schule gegangen.”

Ihre 96 Quadratmeter große Fünfzimmerwohnung nutzt Haker auch beruflich. So bewahrt die Schauspielerin, Leiterin und Mitglied der „Compagnie Lunel”, sämtliche Kostüme und Requisiten in den schönen, antiken Schränken in ihrer Wohnung auf, da das Ensemble noch kein eigenes Theater gefunden hat.

Der Garten als Probebühne

Aus diesem Grund verlegt Haker sogar die Proben in den Garten des Hauses – zur Freude der Nachbarn. Die sehen nämlich gerne die spannenden historischen Stücke, die gleich nebenan aufgeführt werden. Die meisten Stücke schreiben die Schauspieler selbst. Sie behandeln ernste Themen, allesamt genau recherchiert, und immer mit Bezug zu Wiesbaden. Neben privaten Aufführungen bietet die „Compagnie Lunel” auch Schauspielführungen an. Bei diesen begeben sich die Gäste gemeinsam mit Barbara Haker und deren Schauspielkollegen auf Zeitreise durch die Stadt. „Das Brunnenmädchen” ist eine solche Führung. Darin ist das freche Brunnenmädchen Emma dem Kurgast Gustave bei der Zimmersuche in Wiesbaden behilflich und führt ihn ganz nebenbei in ungeahnte Lebenswelten ein, abseits der vorzeigbaren Viertel Wiesbadens. „Wir erzählen Geschichte. Das geht an die Emotionen und ist weder Volkstheater noch Gaudi. Schwierige Lebenssituationen, Schicksale und Armut sind die Themen, die wir behandeln. Aber natürlich gibt es auch etwas zu lachen“, erklärt die leidenschaftliche Theaterfrau ihr „Histotainment“.

Die Liebe zu Vergangenem zeigt sich auch in ihrer Wohnung. Vor allem Schränke haben es der 38-Jährigen angetan. Davon hat sie eine ganze Menge. Angefangen vom wunderschönen Buffet in der Küche samt antiker Brotdose, über den alten Aktenschrank aus Großvaters Büro bis hin zum Requisitenschrank, der lange Zeit selbst ein Requisit war. Am meisten begeistert die Hausherrin die einfache Stecktechnik der Schränke. Damit können moderne Möbel einfach nicht mithalten.

Tickets für die historischen Führungen mit der „Compagnie Lunel” sind über www.wiesbaden.de oder die Tourist-Information am Marktplatz erhältlich. Weitere Infos zu Programm und Ensemble über kontakt@theaterlunel.de und www.theaterlunel.de .