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So wohnt Wiesbaden: Kai hoch zwei – Kai Korn und Kai Geweniger, Kapellenstraße

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Von Stefanie Pietzsch. Fotos Kai Pelka.

Steil geht es hinauf zum Ende der Kapellenstraße. Von der Villa mit der Hausnummer 91 sind es nur noch wenige Meter hinauf auf den Gipfel des Nerobergs. Ein herrlicher Blick dorthin, ebenso auf die Stadt hinunter. Auch wenn man als Wiesbadener daran gewöhnt ist, in einem der bedeutendsten Historismus-Stadtdenkmälern Deutschlands zu leben: Der  Besuch in einem denkmalgeschützten Haus löst dennoch immer wieder Staunen aus. So auch diesmal. Aber erst mal den Puls vom Aufstieg runter kommen lassen.

Die Kapellenstraße 91 ist Teil eines historischen Ensembles mit Villen im Englischen Landhaustil, die Ende des 19. Jahnhunderts fertiggestellt wurden. Eingeladen bei Kai & Kai warten wir, bis wir ins Haus gebeten werden. Das besondere an diesem Domizil ist, dass der Denkmalschutz auch für die Innenräume gilt. Wir betreten die Belle Etage. Alles ist pikobello und mit viel Gefühl für Ästhetik und Stil eingerichtet. Ein zartes Blumenarrangement hier, eine coole Kuschellounge dort. Schlicht, harmonisch, wunderschön! Und ein bisschen Klischee.

Kai & Kai sind seit acht Jahren ein Paar. Der eine Kai arbeitet als Systemischer Berater und Coach, der andere ist Gründer und Geschäftsführer einer Kommunikationsagentur. Für beide war der Fund ein Glückstreffer. „Von der Wohnung hatten wir erst mal nur ein Detailfoto gesehen, und die Adresse stand dabei“, erzählt Kai Korn, der Coach. Er sei sofort losgefahren, um später seinen Augen nicht zu trauen. „Als wir das erste Mal in der Wohnung standen, war sofort klar: Die ist es!“ Über altes Parkett machen wir uns auf den Weg durch offene Flügeltüren, Kai Geweniger zeigt uns alle Räume der 130 Quadratmeter. Eine herzliche und willkommene Atmosphäre, die uns die beiden Kais spüren lassen.

Ein Denkmal, für das auch innere Werte zählen

Denkmalschutz für Innenräume bedeutet, dass Türen, Fenster und Böden nach den früheren Vorgaben anlegt werden müssen. Die gusseisernen Heizkörper mit ihrer Messingverkleidung sind sogar noch original. Die Fliesen im Bad dagegen nicht. Das wäre auch fast ein Wunder. Getreu den ursprünglichen Farben und Fragmenten wurden sie als Auftragsarbeit nachgestaltet. Zwar leider nicht mehr im Einsatz, beindruckt auch der Speiseaufzug in der Küche.

Die Rollen sind klar verteilt

Um Essen und Kochen kümmert sich übrigens Kai, der Kommunikationsdesigner: „Supermärkte und Lebensmittel gehören zu meinem Joballtag.“ Schon während des Studiums hat er zusammen mit zwei Kommilitonen die Agentur Flächenbrand gegründet. Zu den Kunden zählen heute einige namhafte Lebensmittelhersteller. Dass dieser Kai zuhause immer und gerne kocht, passt irgendwie. Die perfekte Küche dafür hat ihm sein Lebenspartner – selbstverständlich wunschgemäß – eingerichtet. Auch das passt. Kai, der sich heute als Coach und Systemberater eher mit menschlichen Innenräumen beschäftigt, hat als gelernter Bauzeichner und studierter Architekt in früheren Jahren viele Jahre Häuser und Räume entworfen. „Als der Umzug anstand, verreiste Kai für drei Monate nach USA“, erzählt er. Für den Architekten-Kai kein Problem, denn er nutzte die Gelegenheit und richtete die gemeinsame Wohnung entsprechend ein. „Die Liebe zu schönen Dingen haben wir beide.“ Schief gehen konnte also nicht wirklich was. Eines gibt es allerdings doch, auf was Designer-Kai besteht: „Fernseher in möglichst vielen Räumen – vor allem im Schlafzimmer“. Ein Kompromiss, mit dem es sich gut leben lässt.

Ein Paar mit viel Raum – und Freiraum

Apropos Kompromisse: Beim inzwischen dritten Kaffee wollten wir noch wissen, was für beide das Zusammenleben als Paar und als Bewohner dieser Belle Etage ausmacht. „Als Paar geben wir uns viel Freiraum – jeder lässt den anderen wie er ist, jeder hat seine Freunde, jeder hat seinen Job und seine Ziele.“ Für Kai, den zweiten, gehört zum Beispiel auch dazu, einmal im Jahr alleine zu verreisen. Gemeinsam haben sie natürlich auch Freunde und Freuden an vielen Dingen – zum Beispiel hängen sie gern auch einfach mal ab. Und das am liebsten im plüschig umgestalteten Erker am Arbeitszimmer. Auf uns wirkt er wie „Wolke 7“ und verdammt anziehend. Nur leider müssen wir schon wieder los. Schwer beeindruckt von einer herzlichen Denkmalführung hoch über Wiesbaden.

 

Ein Kommentar “So wohnt Wiesbaden: Kai hoch zwei – Kai Korn und Kai Geweniger, Kapellenstraße

  1. Sehr schön! Ja, die Kapellenstraße ist schon ein Kleinod (nur sollte man zu Fuß anreisen, denn ich finde dort nie einen Parkplatz…) Apropos Interviews. Sowas mag ich ja sehr, vorallem von Wiesbadenern. Naja, vielleicht habe ich deshalb auch die Rubrik in meinem Farbenfreundin-Blog eingeführt und interviewe dort Frauen aus Wiesbaden, die mich begeistern: Von Chichino über Fortepiano bis hin zu Tüll& Spitze…

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