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So wohnt Wiesbaden: Mit Gott am Ball – David Kadel, An der alten Synagoge

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Von Selma Unglaube. Fotos Heinrich Völkel und Andrea Diefenbach.

Oh je, der Besuch bei David Kadel geht gleich sportlich los. „In den fünften Stock“, hören wir ihn fröhlich aus der Gegensprechanlage des Altbaus rufen. Wer mit ihm über Gott und die Welt sprechen möchte, muss offensichtlich erst mal hoch hinaus. Kaum oben angelangt, sind die Strapazen des Aufstiegs schnell vergessen. Für ein erstes Schmunzeln sorgt die Fußmatte an der Wohnungstür:Fußballgott“ steht groß darauf geschrieben. Nach dem freundlichen Empfang führt der Bewohner durch den schmalen Flur in die Wohnung. „Das ist meine Traumwohnung“, sagt er über sein 73 qm großes Zweizimmer-Domizil an der alten Synagoge. Über zweihundert Bewerber gab es für die Wohnung, aber er hat sie bekommen und freut sich. „Aus dem Schlafzimmer habe ich einen Blick über ganz Wiesbaden“, schwärmt er: „Außerdem wohnt man mitten in der Stadt, aber trotzdem ruhig.“

Eichhörnchen als Mitbewohner

Hoch zu wohnen, sei zwar zunächst nichts für ihn gewesen, aber mittlerweile wisse er das zu schätzen. „Wenn man oben wohnt, hat man einen Überblick. Und die Eichhörnchen hätte ich sonst auch nicht.“ Eichhörnchen? David Kadel ist ein vielseitiger Mann: Autor, Filmemacher, Journalist, Moderator, Inspirationscoach, Kabarettist und Eichhörnchenflüsterer. Auf YouTube hat er etliche Filme seiner gezähmten Eichhörnchen Bruni und Hilde eingestellt, und am Wohnzimmerfenstersims hat er sogar ein weiches Nachtlager für die Tiere eingerichtet.

Allein im Flur gibt es allerhand zu entdecken: Auf der einen Seite Fotos von David Kadel mit vielen großen Fußballspielern, an der gegenüberliegenden Wand einen „David-Schrein“, wie der bekennende Christ und Fußballfan erklärt. Das Highlight dort ist eine Goliath-Puppe mit gefletschten Zähnen. „Die habe ich aus Brasilien mitgebracht“, erzählt er und fügt hinzu: „Goliath war ja ein ganz schöner Fiesling.“ Ein weiterer Reliquienort befindet sich im Wohnzimmer. „Mein Tennis-Schrein“, sagt er und deutet auf einen zerschmetterten Tennisschläger in einem kleinen Regal. Darüber hat der Wahl-Wiesbadener ein Foto von sich und dem gebürtigen Wiesbadener John McEnroe nach einem gemeinsamen Match aufgestellt.

Fußball und Gott – das sind die zwei elementaren Themen im Leben des Hausherrn, die sich auch in der Wohnung hier und da bemerkbar machen. Pünktlich zur Fußball-WM ist David Kadels Buch „Die Fußball-Bibel“ im Handel erschienen. Darin schildern Fußballstars wie David Alaba, Dennis Aogo, Lewis Holtby, Jürgen Klopp und viele weitere Größen, wie sie der Glaube an Gott täglich inspiriert und antreibt. Für Aufmerksamkeit sorgte zudem Kadels Roadmovie „Fußball-Gott“ mit Jürgen Klopp, der beiden sogar eine Einladung in Stefan Raabs Sendung „TV Total“ bescherte. Kadel, selbst gebürtiger Perser, hat den Zugang zum Glauben über seine Mutter erhalten. Sie ist früh vom Islam zum Christentum konvertiert und unterrichtete in Deutschland als Religionslehrerin – natürlich auch ihren eigenen Sohn. „Gott hat mich noch nie enttäuscht. Gott möchte ich nicht mehr missen“, erklärt der bekennende Christ.

Im Bibelkreis der Fußballprofis

Die Idee, Fußball und Religion zu verbinden, kam Kadel, als er in den Neunzigern einen Bibelkreis des brasilianischen Nationalspielers Jorginho besuchte. „Dazu bin ich eingeladen worden und war überrascht, dort so viele Profis zu sehen“, so der Autor. Eingeführt wurde Kadel in die Fußballwelt übrigens von seinem besten Freund und ehemaligen Torhüter Dirk Heinen. Heinen nahm ihn oft zu Spielen und Spielern mit, wo mitunter häufig ernste Gedanken ausgetauscht wurden. Darüber entwickelte Kadel unter anderem sein eigenes Coachingkonzept, um Profisportlern einen Weg aufzuzeigen, mit Druck zurechtzukommen und dabei trotzdem bei sich zu bleiben. Trotz aller Ernsthaftigkeit ist David Kadel humorvoll geblieben. So verwundert es nicht, dass er in den nächsten Wochen mit seinem Kabarettprogramm durchs Land tourt. Ganz klar, dass es dabei natürlich wieder um Fußball und Gott gehen wird.

Wir verlosen 5 Exemplare von David Kadels „Fußball-Bibel“: losi@sensor-wiesbaden.de

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