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Wechsel bei Wiesbaden Biennale: Martin Hammer geht, Kilian Engels übernimmt mit „Radikal jung“-Referenz

Das spektakulärste und aufsehenerregendste Werk der Wiesbaden Biennale 2018 war eindeutig die „Erdogan-Statue“ auf dem Platz der Deutschen Einheit, über die weltweit berichtet wurde. Foto: Dirk Fellinghauer

„Martin Hammer, Kurator der Wiesbadener Biennale wird seine Arbeit für das Hessische Staatstheater Wiesbaden im Sommer 2021 beenden“, teilte das Staatstheater am 17. Dezember 2020 mit. Und  verkündet heute, keinen Monat später: „Kilian Engels wird ab der Spielzeit 2021.2022 neuer Kurator der WIESBADEN BIENNALE.“

„Zwei unvergessliche Biennalen liegen hinter uns, die von Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer gestaltet wurden. Nicht zuletzt durch den tragischen Tod von Maria Magdalena Ludewig an Silvester 2018 braucht die WIESBADEN BIENNALE eine neue Konstellation und Formation. Martin Hammer hatte in dieser Partnerschaft Herausragendes geleistet, und ich danke ihm für seinen beharrlichen Einsatz. Ich hoffe weiterhin, dass unsere künstlerische Freundschaft bestehen bleibt.“, äußerte sich Uwe Eric Laufenberg zur Trennung von Martin Hammer.

Martin Hammer und die 2018 tödlich verunglückte Maria Magdalena Ludewig leiteten zwei Ausgaben der „Wiesbaden Biennale“ und mischten mit „ihren“ Festivals die Stadt Wiesbaden gehörig auf. Foto: Arne Landwehr

Dieser bedankte sich in der Pressemitteilung bei Intendant Uwe Eric Laufenberg „für die Zusammenarbeit und das Vertrauen in den letzten sechs Jahren“ mit den Worten: „Wir blicken auf eine intensive Zeit mit außergewöhnlichen Höhepunkten zurück. Jetzt sind wir gemeinsam zu dem Schluss gekommen, getrennte Wege zu gehen, da sich das künstlerische Interesse bei der Fortführung des Festivals unterscheidet.“.

In den Jahren 2016 und 2018 erregte die Wiesbadener Biennale nationale und internationale Aufmerksamkeit und lockte in ihrer letzten Ausgabe bis zu 50.000 Besucher*innen an. Die Wiesbaden Biennale steht für einen Ort der politischen und ästhetischen Auseinandersetzung jenseits aller Spartengrenzen und hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einer starken eigenen Marke entwickelt, mit Schwerpunkt auf Neuproduktionen international renommierter Künstler*innen und der Bespielung des öffentlichen Raumes der hessischen Landeshauptstadt.

Gerade auch ein junges und „szeniges“ Publikum, das in Wiesbaden oft zu wenig Frei-, Entfaltungs- und Spielraum findet, war von dem, was die „Wiesbaden Biennale“ plötzlich möglich machte, begeistert. Foto: Dirk Fellinghauer

Im Sommer 2018 brachte die Biennale die oft als öde, verstaubt und verschlafen verschriene Stadt Wiesbaden geradezu zum Explodieren, begeisterte und befeuerte das Stadtgeschehen und ein vielfältiges, insbesondere auch junges und szeniges Publikum (Foto Eröffnungsabend am Festivalzentrum). Dass die Biennale 2020 zunächst gar nichts von sich hören ließ, dann verschoben wurde und schließlich komplett ausfiel, sorgte für entsprechende Enttäuschung.

„Wiesbaden Biennale wird sich neu erfinden“

Nun wird Kilian Engels wird also ab der Spielzeit 2021.2022 neuer Kurator der Wiesbaden Biennale. Er wird gemeinsam mit Staatstheater-Intendant Uwe Eric Laufenberg die nächste Ausgabe des Festivals realisieren. „Mit einem neuen Konzept wird sich die WIESBADEN BIENNALE neu erfinden und neue Wege gehen“, kündigt das Theater an. „Mit Kilian Engels ist es uns gelungen, für die WIESBADEN BIENNALE wieder einen der ästhetisch innovativsten und politisch engagiertesten Köpfe des internationalen Theaters für Wiesbaden zu gewinnen«, freut sich Uwe Eric Laufenberg.

Kilian Engels studierte Philosophie und Literaturwissenschaften in Bonn und Oxford. Von 2005 bis 2019 leitete er das Münchner Festival „Radikal jung“ und präsentierte dort erste Gastspiele in Deutschland von u.a. Julien Gosselin, Samira Elagoz, Miloš Lolič, Florentina Holzinger oder Vincent Riebeek. Er war Chefdramaturg am Münchner Volkstheater und stellvertretender Direktor der Otto-Falckenberg-Schule. Außerdem arbeitete er für die Salzburger Festspiele, die Mülheimer Theatertage und die Bonner Biennale.

Postdigitale Kunstform in einer postpandemischen Welt

„Der Neue“ an der Spitze der Wiesbaden Biennale. Kilian Engels wird neuer Kurator des Festivals. Foto: Gabriela Neeb

„Ich freue mich sehr darauf, die WIESBADEN BIENNALE gestalten zu können. Durch die hervorragende Arbeit von Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer in der Vergangenheit ist das eine echte Herausforderung“, weiß Kilian Engels, dass die Erwartungen an die nächste, an die „neue“ Biennale hoch sind. Seinen Ansatz beschreibt er so: „Mir wird es um Theater im weitesten Sinn als postdigitale Kunstform in einer postpandemischen Welt gehen. Um Kopräsenz und Koexistenz. Darum, was Europa für uns noch sein kann. Um historische, gegenwärtige und zukünftige Verantwortung.“ Die WIESBADEN BIENNALE stelle er sich vor „als Ort des Erlebens, der Begegnung, des Austauschs sowie der Verhandlung von Realitäten. Und nicht zuletzt: als ein Fest“. (Dirk Fellinghauer/Annika Posth)

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