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Wiesbadener Apnoetaucher haben einen ganz besonders langen Atem

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Von André Werner. Fotos Michael Zellmer.

Wiesbaden ist eine Hochburg für den Tiefenrausch. Der Tauchclub Wiesbaden stellt die Nationaltrainerin und vier Mitglieder des Nationalteams. Und er richtet nun wieder einen internationalen Wettkampf aus.

Ihre Leidenschaft für das Element, das unser Leben erst ermöglicht, leben die Apnoetaucher des Tauchclub Wiesbaden (TCW) auf eine ganz spezielle Art aus. Sie tauchen ohne Drucklufttauchgerät, oder wie man in der Fachsprache sagt: „nicht atmend“. Im Kern geht es darum, mit einem Atemzug möglichst lange unter Wasser zu bleiben – und sich dabei wohl zu fühlen. „Entspannung und innere Ruhe sind essentiell für den Sport“ erklärt Monika Hopf, Mitglied des TCW und Coach der deutschen Apnoe Nationalmannschaft. Und genauso wirken die Apnoetaucher auch: unglaublich relaxt und entspannt.

Nicht jeder trainiert hier für Wettkämpfe wie den 14. Internationalen Rhein-Main-Cup, den der TCW im Oktober im Hallenbad Kleinfeldchen ausrichtet, oder große internationale Veranstaltungen wie die erst kürzlich stattgefundene Weltmeisterschaft in Cagliari auf Sardinien. Aber viele Freitaucher packt dann doch irgendwann der Ehrgeiz, die Trainingserfolge von offizieller Seite bestätigen zu lassen. Bei Wettkämpfen treten die Teilnehmer in unterschiedlichen Disziplinen an. Dabei unterscheidet man zunächst in Pool-Disziplinen und solchen im offenen Meer oder See.

Skurrile Bauchlage beim Statik-Tauchen

Fangen wir im Pool an. Beim „Statik-Tauchen“ geht es darum, möglichst lange mit dem Kopf unter Wasser zu bleiben. Dabei liegen die Taucher bäuchlings im Wasser, was zugegebenermaßen ein wenig skurril aussieht. In der Kategorie „Dynamik“ kommt Action ins Spiel. Hier gilt es, eine möglichst weite Strecke mit angehaltener Luft zurückzulegen. Das geschieht dann entweder mit Duo-Flossen (kennt man vom normalen Tauchen), Mono-Flosse (wie bei einem Wal) oder ohne Flossen (no fins). Und nur, damit man sich die Leistung mal vor Augen führen kann: Der Weltrekord des Kroaten Goran Colak in der Disziplin „Dynamik no fin“ liegt bei unglaublichen 225 Metern. Das bedeutet auf einer 25-Meter-Bahn wie im Kleinfeldchen ganze neun Bahnen ohne Luftholen. Das Training im Pool ist dann auch die zwingende Vorbereitung für die Disziplinen auf dem offenen Meer.

Jetzt geht es in die Tiefe. In der Kategorie „Konstant weight“ tragen die Sportler beim Ab- und auftauchen einen Bleigurt. Der kommt auch im Pool zum Einsatz und sorgt dafür, dass man nicht permanent mit dem eigenen Auftrieb zu kämpfen hat. Beide Disziplinen gibt es sowohl mit Duo-, Mono- und ohne Flosse. Bei „freeimmersion“ bleiben die Flossen aus, dafür zieht man sich an einem Seil nach unten und wieder hoch.

Kein Extremsport, eher Yoga unter Wasser

Das klingt, nicht zuletzt mit Erinnerungen an Luc Bessons Kultfilm „Im Rausch der Tiefe“, alles sehr extrem. Aber wer die Sportler des  TCW, von denen auch  vier zum deutschen Nationalteam gehören, trifft, merkt schnell: Hier kommen einfach Menschen zusammen, die sich gerne möglichst frei unter Wasser bewegen. Für manche ist es einfach so was wie Yoga oder Wandern, nur halt eben unter Wasser. Die Mitglieder sind bunt gemischte Typen, von ganz jung bis relativ alt ist alles dabei, Frauen tauchen ebenso ab wie Männer. „Freitauchen kann eigentlich jeder machen, egal wie alt und unabhängig von der körperlichen Fitness, die kommt dann ganz automatisch“ erzählt uns Hucky Jung, der Monika Hopf, Karsten und Ulrike Purper und Aristidis Efstathiou zu den Hauptorganisatoren des Rhein-Main-Cups gehört: „Das Einzige, was man braucht, ist eine Tauchtauglichkeitsbescheinigung vom Arzt. Da wird dann einfach gecheckt, ob der Organismus generell zum Tauchen geeignet ist.“

Sicherheit wird beim Apnoetauchen sowieso groß geschrieben. Keiner trainiert allein, und vor jeder Trainingseinheit wird ganz klar besprochen, wie sie abläuft. Da werden laut „Zwei Minuten!“ ausgerufen. Das bedeutet, dass sich jeder Taucher  zwei Minuten lang auf die eigene Atmung konzentriert und den Herzschlag versucht zu kontrollieren. Nach jeder Einheit folgt eine schnelle Manöverkritik.

Wen jetzt die Lust gepackt hat, sich das Wohlfühlen unter Wasser mal live anzuschauen, der ist sehr willkommen  zu einer der Trainingseinheiten. www.tauchclub-wiesbaden.de

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