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Wiesbadenerin näht mit Tochter Schutzmasken – Kreativkollektiv bietet Helfern Hilfen an

Von Selma Unglaube.

Seit acht Jahren näht die Wiesbadenerin Sabine Gräff mit ihrer Familie für den guten Zweck. Nun produziert sie Corona-Schutzmasken. Diese werden nicht nur wie wild von Privatleuten bestellt. Auch medizinische Einrichtungen und Supermärkte interessieren sich dafür. UPDATE: Als erster Markt in Wiesbaden verkauft der REWE-Markt Scheider in der Aarstraße seit dem 27. März die Masken. Kreative Hilfsbereitschaft zeigt auch ein Wiesbadener Kreativkollektiv.

Angefangen hat alles mit der schweren Erkrankung eines Klassenkameraden ihres damals siebenjährigen Sohnes Maximilian. Um die betroffene Familie finanziell unterstützen zu können, begannen Mutter, Sohn und Oma gemeinsam, kleine Handtaschen zu nähen, die sie bald in der ganzen Schule verkauften. Das eingenommene Geld übergaben sie der Mutter des erkrankten Kindes und wurden so außerdem auf die Stiftung Bärenherz aufmerksam. Seit dieser Zeit unterstützt Sabine Gräff mit ihrer Familie Bärenherz und spendet die Erlöse ihrer selbstgenähten Kreationen der Stiftung.

Seit letzter Woche näht Sabine Gräff nun mit der tatkräftigen Unterstützung ihrer neunjährigen Tochter Anna und Ann-Katrin Fischer von Little Heroes in der Webergasse an die 200 Mundschutzmasken täglich, die für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet sind. Vertrieben werden die Masken à 10 Euro inklusive Versand und 1 Euro Spende für Bärenherz über Facebook.

„Schreibt uns per WhatsApp weil wir nähen: 0177/2753360“, lautet die Bitte für Bestellungen. Die waschbaren Masken (Behelf-Mund-Nasen-Schutz/BMNS) aus Musselin werden nach der Nähanleitung der Stadt Essen genäht. Sie können die Übertragungswege einer Corona-Infektion reduzieren und sollten besonders beim Kontakt mit Risikopersonen Anwendung finden. „Auch wenn die Masken in erster Linie nicht so sehr den Träger, aber zu 80 % andere schützen, halten sie doch mehr Viren vom Träger ab als gar kein Mundschutz“, erklärt Sabine Gräff.

Anna & Sabine Gräff mit REWE-Marktleiter Klaus Scheider und Ann-Kathrin Fischer vom Stoffladen Little Heroes

Eine medizinische Schutzmaske ersetzen sie freilich nicht. Und dennoch: Mittlerweile verzeichnet Gräff steigende Anfragen von Ärzten, EVIM und sogar dem Medicum. Ebenfalls im Gespräch befindet sie sich außerdem mit Marktleitern von REWE und EDEKA. Der REWE-Markt in der Aarstraße verkauft nun als erster Markt in Wiesbaden die selbstgenähten Masken. Marktleiter Klaus Scheider freut sich über das neue Sortiment. Und die fleißigen Näherinnen, Ann-Kathrin Fischer vom Stoffladen Little Heroes, Donata Zima sowie Anna und Sabine Gräff von „Max & Anna“, freuen sich, dass ihre Masken durch die Kooperation mit REWE unkompliziert erworben werden können.

Die Idee für die Masken kam Sabine Gräff übrigens, die hauptberuflich für Lufthansa tätig ist und außerdem das nach ihren beiden Kindern benannte Label „Max und Anna“ betreibt, erstmals während der SARS-Pandemie 2002/2003. Damals fertigte sie die ersten für ihre Kollegen*innen an und „war heilfroh, dass sie damals nicht gebraucht wurden.“

Auch das Wiesbadener Kreativkollektiv „Creators Collective“ will in Coronazeiten nicht untätig bleiben und bietet Hilfen an. „Einerseits sagen wir auch: #stayathome! Wenn alle zu Hause bleiben, verpasst auch niemand etwas und man kann sich anderen wichtigen Dingen zuwenden“, lautet die frappierende Creators Collective-Logik – und die Schlussfolgerung: „Nutzt die Zeit

Angebot an diejenigen, die jetzt helfen

„Auf der anderen Seite gebührt gerade denjenigen vollster Respekt, die nicht zu Hause bleiben können, weil sie uns allen im Notfall helfen, wenn es uns doch erwischt“, denken die Engagierten weiter: „Daher möchten wir gerne Krankenhäusern, Pfleger*innen, Ärzt*innen, die aktiv an der Front gegen den Virus kämpfen, unsere Hilfe da anbieten, wo wir gut sind.“ Bedeutet konkret: „Wenn es einen Notbedarf an Ersatzteilen, Kleinteilen (wie Adapterstücke, Kupplungen), Schutzmaßnahmen o.ä. gibt, möchten wir gerne helfen“. Wer selbst Bedarf hat oder jemanden aus dem klinischen Bereich kennt, soll sich melden oder das Angebot gerne weitergeben: „Wir können sicher nicht alles abdecken, aber einige spontane, technische Möglichkeiten haben wir. Vielleicht gibt es unter euch ja auch noch Tüftler, die ebenfalls helfen können. Schreibt uns gerne an.“

Man muss dabei auch nicht immer alles neu erfinden, haben Creative Collectivisten festgestellt – als ein Beispiel für nützlich Open-Source-Entwürfe nennen sie diese Schutzmaske.. Es gibt bereits viele open source Entwürfe, wie beispielsweise diese Schutzmaske. „Kostet nichts und kann Leben retten“, sagen sie und: „Wir haben sie getestet und sind begeistert.“

(sun/Fotos Sabine Gräff/ Creators Collective)

 

5 Kommentare “Wiesbadenerin näht mit Tochter Schutzmasken – Kreativkollektiv bietet Helfern Hilfen an

  1. Ich finde es verwerflich aus der Not anderer noch Profit schlagen zu wollen!

    Wir nähen ehrenamtlich und kostenfrei für Pflegeheime und Praxen und machen zudem keine unethische Werbung!

    Zudem ist es rechtlich nicht undelikat da von Schutzmaske zu reden. Es impliziert ein Medizinprodukt, welches geprüft und getestet werden muss! Zudem eine Täuschung von schutzwirkung!

    Hier mal Nachlesen..
    https://www.it-recht-kanzlei.de/corona-virus-atemschutz-mundschutz-selbstgemacht.html?fbclid=IwAR19gChY6zOZYBqnm6yyIcW5OCgbqhfIv2uKZpNw5LxfHkT_2dSgF0y0OzU

    1. Gehts noch? Es fehlen an allen Ecken und Enden Mundschutze, die Regierung kümmert sich nicht. Da sind jetzt welche die handeln und ihr habt nichts besseres zu tun als Profitgier zu unterstellen??? Das ist ja mal wieder typisch Deutsch!👎
      Wie hoch mag der Gewinn nach Abzug aller Steuern, Spende ans Kinderhospiz und Materialkosten wohl sein?Sollte da noch ein kleiner „Gewinn“ rausspringen ist das ja wohl absolut legitim! Die Alternative ist überteuerte Mundschutze aus China zu kaufen! Fühlt ihr euch damit etwa besser???? Da unterstütze ich lieber das Engagement von Wiesbadener Familien…

    2. Hallo Corinna,

      leider bin ich kein Pflegeheim und schon gar keine Praxis. Daher Ihr Engagement in allen Ehren, aber eine Anlaufstelle für den „Otto Normalen“ der selbst über absolut keine Nähkünste verfügt finde ich hier sehr wichtig. Eine Aufwandsentschädigung + Spende für einen guten Zweck ist doch wohl selbstverständlich. Und der Begriff „Schutzmaske“ hilft beim suchen. Unter „modischem Accessoire zur Reduzierung von Tröpfchen im Rahmen des aktuellen Lockdowngeschehens“ wäre es schlecht zu finden gewesen und das Thema Schutzwirkung von Masken im Eigenbau flimmert einem momentan rund um die Uhr auf allen Fernsehkamälen nur so um die Augen und Ohren.

      Von mir ein großes Dankeschön an Sie und an alle NäherInnen die sich so toll für unsere Gesellschaft einsetzen. Ich bin Ihnen allen sehr dankbar. Das ist nicht selbstverständlich Herz, Zeit und Geld für uns alle einzusetzen.

  2. Bin 77 mit allergischem Asthma, gehöre also zur Risikogruppe, aber irgendwann in den nächsten 2 Wochen muss ich doch „Nachschub“ haben und ich fürchte, das ist dann ohne Maske nicht mehr möglich. Alles, was im Internet angeboten wird, ist erst frühestens Mitte Mai lieferbar 👎
    Mein Sohn in Wien hat mir den Link geschickt, in der Hoffnung, dass ich bei euch Hilfe finde 🤔

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