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Wunderbar sonderbar: “Poesie im Park – Eine Art Festival“ stiftet zum drauf Einlassen an

Von Dirk Fellinghauer, Fotos von Alexa Sommer/ Eye take your picture.

„Erlebnis-Park für alle! … vom Tanz zur Tanz-, zur Kunst-Performance, vom Ton zum Ton-Erlebnis, vom leisen Lesen zur lauten Laut-Lesung, der Illustration der Illusion, zur Installation, dem Spielen am Bach, dem Theater-Spielen im Lauf oder dem Geige spielen eines Bach-laufs …“ Wie bitte? Ja, bitte! So liest sich eine Art Beschreibung für eine Art Festival, das unserer Stadt – präsentiert von sensor – vom 9. bis 11. August im Biebricher Schlosspark Wunderbares, auch Sonderbares, bescheren wird. Diese Art Beschreibung von „Poesie im Park – Eine Art Festival“ sagt viel und lässt doch vieles offen. Genau so soll es sein, genauso ist es fein.

Bloß nicht zu viel verraten, ist eine Devise des „Kollektivs aus Kreativen, Interessierten und Netzwerklern“, das von der Keimzelle „GODOT | DieKulturWerkstatt“ aus unter Regie von Mario Krichbaum aus unendlich vielen Ideen etwas zusammenbastelt, was am Ende etwas werden wird, das in dieser Art einmalig und einzigartig in Wiesbaden ist. Einmalig und einzigartig in der Art, wie es organisiert wird – von einer kunterbunten Truppe, die sich über die Bezeichnung „chaotischer Haufen“ freut wie Bolle. Einmalig und einzigartig in der Form, wie es präsentiert wird – sinnlich, haptisch, geistig. Ach ja, und: „Öko, bio, regional, sozial, nachhaltig, divers, …? JAAAA – alles!“

„Poesie im Park“ ist ein „einfach mal drauf einlassen“-Festival. Hier darf man die, weil man in und mit seiner knappen Freizeit ja bloß kein Risiko eingehen will, so gerne gestellte Frage – „was GENAU erwartet mich da?“ – einfach mal weglassen. Es gehört zu dem Zauber dieses Festivals, es eben vorneweg nicht so ganz genau zu wissen – und sich trotzdem ziemlich sicher sein zu dürfen, hinterher sehr erfüllt und froh und glücklich zu sein, sich für den Besuch entschieden zu haben.

Festes Programm mit vielen Überraschungen – von Stones über Bukowski bis Kliteratur

Es wird durchaus ein „festes Programm“ geben, auf der Bühne an der Orangerie (die übrigens nicht am Schloss ist, sondern oberhalb des Pfingstturnier-Geländes, „sehr versteckt und wunderschön“), und das können Neugierige sich auch vorher anschauen auf der Homepage. Ein buchstäblicher Kracher des ansonsten betont „leisen“ Festivals dürfte zum Beispiel am Auftakt-Freitagabend das „Rolling Stones: Tattoo You“-Konzert der eigens gegründeten PIP-Band mit einigen hochkarätigen Musikern aus anderen bekannten Formationen werden, das komplette Stones-Album wird „performativ“ aufgeführt. „Wir wollen mit dem Auftritt Spaß haben und verbreiten“, sagt Mario Krichbaum und warnt: „Die Texte sind etwas schlicht. Heute wäre das sicher nicht mehr politisch korrekt.“

Auch ein wenig Punk im Park

Musikalischen Hochgenuss verspricht auch der Auftritt der MBR-Big Band. Oder die Kliffs oder Puschan Mousavi Malvani, laut NDR „eine junge Nachwuchssensation“ an der Violine. Und es wird verschiedene „Parktraktionen“ geben. Lesungen, Poetry Slam, Tanz, Musik, Ausstellungen, Theater, Walking Acts, Mitmachaktionen. Kliteratur, Glücksgespräche, Bukowski … Alles analog. „Neues, Abwechslungsreiches, Unerwartetes“ verspricht der Festivalkurator, kaum etwas länger als 20 Minuten, einiges auch schräg und nicht unbedingt gefällig, „Poesie im Park“ auch ein wenig als „Punk im Park“.

Lasst uns was zusammen machen-Gedanke ohne Zäune und Grenzen

„Poesie im Park“ – ausschließlich draußen und komplett ohne Eintritt – ist auch ein „Lasst uns was zusammen machen“-Festival. Ohne Zäune und Grenzen, weder echten noch gedanklichen. Es ist beachtlich, wen die Initiatoren so alles an Land gezogen haben, welche Namen man so liest in der länger und länger werdenden Liste der Mitwirkenden – Profis, Amateure, sich Trauende. Zur Offenheit passt der Besuch aus Darmstadt: „theaterquarantäne“ – befreundete Organisatoren des dortigen Sprungturmfestivals . Und: „Poesie im Park“ ist ein ansteckendes Festival. Man verliebt sich sofort in die Idee – und ihre Umsetzung. So gestaltet sich die Suche nach Sponsoren und Supportern zwar (natürlich) nicht ohne Mühen, aber doch erfreulich erfolgreich.

Mit „PiP“ die „Folklore-Lücke“ füllen?

„Die Erfahrung hat uns gezeigt und bestätigt, dass sich eine solche Anstrengung lohnt und mit Poesie im Park etwas angestoßen ist, das über die Stadt hinaus für ein tolerantes, kreatives und offenes Wiesbaden steht.“ Ein sonst oft als (zu) brav verschrienes Wiesbaden, das die „PiP“-ler durchaus auch „aufmischen“ wollen – mit einem Festival, das ganz klein seinen Anfang nimmt, das aber das Zeug zur Institution in der Landeshauptstadt haben soll. Man denkt durchaus auch daran, ein wenig oder auch mittel- und langfristig ein wenig mehr, die „Folklore-Lücke“ in Wiesbaden zu füllen.

Unterstützung vom Kulturfonds

Festivalleiter Mario Krichbaum (Mitte) freut sich über Unterstützung finanzieller, ideeller und tatkräftiger Art für das „Poesie im Park“-Festival, etwa durch Kulturfonds Frankfurt RheinMain-Geschäftsführer Helmut Müller oder die Gestalterin Ludmila Lorenz. Foto: Dirk Fellinghauer

Begeistert von der „Poesie im Park“-Idee zeigt sich, neben anderen Unterstützern und Sponsoren, auch Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. So begeistert, dass der Kulturfonds das Festival in diesem Jahr mit 10.000 Euro unterstützt. „Jeder Schöpfungsmythos beginnt mit Durcheinander“, bemerkte er beim Pressegespräch in den Godot-Räumen in der Westendstraße schmunzelnd mit Blick auf diese in und für Wiesbaden „ganz neue Veranstaltungsform“. Das Projekt ist für ihn „eine spannende Geschichte“. Als einer, der qua Amt viel herumkommt in der hessischen Kulturszene, nimmt er „eine Bewegung zu neuen Festivals nichtkommerzieller Art“ wahr, in die sich „Poesie im Park“ prima einfüge: „Subkutan entsteht Spannendes“. Abgesehen von Konzept und Programm freut er sich auch über den Veranstaltungsort: „Der Park hat eine Qualität für sich, die Orangerie ist eine Ecke, die viele Wiesbadener nicht kennen, ein Ort, wo die Leute sonst vorbeigehen.“ An diesem Wochenende werden die Leute hingehen – und einen besonderen Wiesbadener Ort entdecken und in eine Welt eintauchen, in der Besonderes geschieht.

„Poesie im Park I Eine Art Festival“ findet – präsentiert von sensor als Medienpartner – vom  9. bis 11. August, zum zweiten Mal im Biebricher Schlosspark an der Orangerie statt. Alle Infos und Programmpunkte auf der von Ludmila Lorenz ehrenamtlich äußerst üppig, professionell und ansprechend gestalteten Webseite www.poesie-im-park.de

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