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Der große Test: Eisdielen in Wiesbaden

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Text Rebekka Farnbacher. Fotos Tim Dechent.

Was hat uns das Wetter auf die Folter gespannt! Manch hartgesottener Speiseeisliebhaber überwintert zwar auch mit der Diele seines Geschmackvertrauens, aber alles in allem war die Schlecklust viel zu lange auf Eis gelegt. Umso größer ist jetzt die Schlecklust. Der große sensor-Test hilft eiskalt bei der Orientierung.

Cortina, Dotzheimer Straße 77

Sonia de Rios kann es bestätigen: nach langer Kälte werden alle heiß aufs Eis. Wenn sie im Oktober die Eisdiele für vier Monate schließt, sei zu merken, dass sich die Wiesbadener sattgegessen haben. Zum Jahresbeginn wird wieder mit den Füßen gescharrt, und bei der Eröffnung lautet die erste Frage „Was macht ihr Neues dieses Jahr?“ Deshalb legt das Cortina großen Wert auf Abwechslung. Inspiration holt sich die Familie auf der Eismesse in Rimini, und: „Unsere 3 Kinder sind die besten Eistester.“ Dementsprechend stehen beliebte Farbmagnete wie Hello Kitty, Zuckerwatte und Schlumpfeis für die kleinen Eisliebhaber auf der Karte, die Großen werden zu Mysterio Latino (Schoko mit Rum), Quark mit Sesam, oder Büffelmilch verführt. „Das Eis wird täglich frisch selbst hergestellt, nur beste Produkte werden verwendet“ – ein Satz, den wir von italienischen „Eis-Dealern“ noch öfter hören werden. Kein Wunder, dass sich der beliebte Salon, wenn auch etwas abseits vom Stadtgeschehen, so lange an Ort und Stelle hält. Dass es hier früher einen Eiswagen mit dem Namen „Cortina“ gegeben habe, weiß die Inhaberin von ihren über 90-jährigen Kunden.

Eis Benedetto Casal, Kirchgasse 25

Auch hier haben sich schon unsere Großeltern mit Wonne gelabt. Das Benedetto Casal existiert seit 1957. Claudio Casagrande entschuldigt sich immer wieder für sein gebrochenes Deutsch. Er braucht aber gar nicht viele Worte, um von seinem Eis zu überzeugen. „Wollen Sie mein Labor sehen?“ ist die prompte Gegenfrage zu „Stellen Sie das Eis selbst her?“. Statt brodelnden Reagenzgläsern entdeckt man hier drei Eismaschinen und einen überdimensionalen Eislöffel, mit dem die gekochte Basis aus Milch, Eiern und Zucker mit den (aber natürlich: besten) Zutaten vermischt wird. Anschließend werden sie für etwa 14 Minuten auf -21°C gekühlt und warten im Kühlschrank auf ihren Einsatz. Die Verköstigung findet auch direkt aus den noch jungfräulichen Behältern statt. Besonders zu empfehlen: Schwarze Johannisbeere – als Frischevariante mit schöner Säure.

Eiscafé Rialto, Marktstraße 8

Die Kilometerschlangen vor dem Rialto in der Biebricher Rathausstraße forderten Expansion. So kam es 2012 zur Eröffnung am Dern´schen Gelände. Das Geheimnis des  Familienunternehmens mit 43-jähriger Geschichte liegt wohl im Rezept, das Inhaber Marco Casagrande von seinen Eltern übernommen hat. Nur Eis aus Frischmilch, frischer Sahne, frischen Früchten und Vanillestangen kommt hier in die Tüte. Die besten Sorten seien die Klassiker, wie Vanille, Schoko, Nuss, Stracciatella – übrigens auch eine Aussage, den italienische Eismacher gerne treffen. Die Qualität sei aber auch an der Farbe zu sehen. Das Vanilleeis ist Weiß, nicht Gelb, die Nusspaste aus zertifizierten Nüssen heller, da sie nicht so lange geröstet werden. Den Biebricher Renner, Calamansi, eine Philippinische Zitrusfrucht, soll es auch bald am Marktplatz geben.

Eiscafé Palladio Gelateria, Marktstraße 9

Nur ein paar Meter entfernt ist auch Inhaber Mario Lo Monaco überzeugt: „Die Leute bleiben bei den klassischen Sorten.“ Zwar gebe es immer wieder Ausnahmen, die sich etablieren, wie zum Beispiel Cookies, aber oft entstünden nur Eintagsfliegen. Auch der Familienbetrieb des Palladio beherrscht die Kunst des Eismachens – mit guten, natürlichen Produkten. Die begehrtesten der außergewöhnlichen Sorten sind Buttermilch mit Sanddorn und Mozart. Auch Schoko- und Erdbeersauce werden selbst und ohne Konservierungsstoffe hergestellt. Auf Bio umzustellen, überlegt sich Lo Monaco aber nicht. Da müsse ja jede einzelne Zutat Bio sein und er mehr Geld für seine Kugel verlangen.

DasEis – Bioeis made in Wiesbaden

„DasEis“ nimmt diese Kosten in Kauf – genau wie seine Fans. Als einziger Hersteller produziert die Wiesbadener Firma healthy planet bio-, glutenfrei-, vegan- und Fairtrade-zertifiziert. Gegenüber der Ein-Euro-Standardkugel zahlt man für die kleine Portion mit zwei Sorten 2 Euro. „DasEis“ lockt Kundschaft mit Faible zum Ungewöhnlichen. Mango-Chili, Vanille-Balsamico und Himbeer-Rote-Beete-Ingwer beeindrucken farblich, wie geschmacklich. Joel arbeitet in der Frankfurter Filiale und wartet noch auf seinen Sortenvorschlag: Kirsche-Basilikum. Kaum verwunderlich bei so viel Innovation. Healthy planet will Zeichen setzen: keine Zusatzstoffe, kein Atomstrom, CO2-arm, mit kompostierbarem Becher, der seit neuestem sogar Samen zum Einpflanzen enthält. Verwunderlich ist vielmehr, dass es noch keinen Wiesbadener Salon gibt. „DasEis“ bekommt man aus mobilen Dielen oder abgepackten Bechern: „Augen und Ohren offen halten und Ausschau nach einem DasEis-Fähnchen halten – es werden immer mehr!“, empfiehlt Gründer Florian Mayr und weist darauf hin, dass es – auch wenn das viele denken – keinen Fabrikverkauf in der Firmenzentrale gibt. Wir haben das Fähnchen zum Beispiel im „Kakaobaum“ in der Neugasse entdeckt.

Café Latte Art, Langgasse 27

Eine 100%-Natur-Alternative bietet das liebevoll eingerichtete Café Latte Art. Inhaber Nikita Jurcenko hat sich Anfang des Jahres vom Franchise-Unternehmen „Dulce“ abgekapselt und verfolgt seine Ideologie mit frischer Herstellung, ohne Industrieprodukte, Aroma oder Farbstoffe. Es sei nicht schwer, gutes Eis zu machen. Dass aber für das Bio-Zertifikat Unmengen an Geld gezahlt werden müssen, sieht er nicht ein. Mit 1,50 Euro pro Kugel setzt er sich bewusst von anderen ab. Auf ihre Kosten kommen Schleckbegeisterte allemal. Ein besonderes Geschmackserlebnis ist Strawberry Cheesecake mit selbstgebackenem Käsekuchen.

Null Grad – Frozen Yogurt, Langgasse 25

Genug vom Eis und doch noch Lust auf kaltes Vergnügen? Mit „Null Grad“ nicht nur frisch, sondern auch frostig eröffnet, ist in Wiesbadens Fußgängerzone ab sofort im ersten Frozen Yogurt-Store der Stadt natürlicher eisgekühlter Joghurt zu genießen. Mit maximal 1,5 % Fett gilt er als die gesunde und zuckerreduzierte Variante, ohne künstliche Zusätze, aber mit kunstvollen Toppingideen – je nach Geschmack mit Früchten, Keksen, Saucen, mit dem Swirl gemixt oder dem Löffel zerstoßen.

Und wo schleckt Ihr am liebsten?