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Der rote Stuhl bleibt fortan leer – Trauer um Wiesbadener Kabarettist Thomas Kreimeyer

Der Kabarettist Thomas Kreimeyer in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember in Wiesbaden verstorben.  Dies teilte das Hessische Staatstheater heute mit. Ende September war bei dem Künstler eine schwere Krankheit diagnostiziert worden. Der Verstorbene  war dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden seit 2015 als „Haus-Kabarettist“ eng verbunden: Regelmäßig trat er hier mit seinem Programm »Kabarett der rote Stuhl« auf, einem »Steh-Greif-Kabarett«, in dem Kreimeyer sich – wie er es selbst ausdrückte – als »unterhaltender Unterhalter« betätigte und mit seinem Publikum ins Gespräch kam.

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Aus anfänglich scheinbar harmlosem Gesprächsgeplänkel mit einzelnen Zuschauern vermochte er durch beharrliches Nachfragen, staunendes Wörtlich-Nehmen und gedankenschnelle Rückbezüge ein überraschendes Pointengewitter zu entfachen. Nicht zuletzt jedoch ging es ihm bei seinen Auftritten immer darum, die Bedingungen von Kommunikation selbst hervortreten zu lassen und eine Lanze für das Miteinander-Reden zu brechen.

Der gebürtige Hannoveraner Thomas Kreimeyer studierte in Berlin Soziologie, ehe er sich – nach einem längeren Aufenthalt in Indien – Anfang der 1990er Jahre in Paris an der Theaterschule des Regisseurs, Clowns und großen Pädagogen Philippe Gaulier zum Bühnenkünstler ausbilden ließ. Aus Gauliers Lehre von der auf der Bühne stets aufs Neue herzustellenden Offenheit und Verletzlichkeit des Schauspielers entwickelte Kreimeyer schließlich Ende der 1990er Jahre sein eigenes Konzept des »Steh-Greif-Kabaretts«. Mit diesem tourte er über zwei Jahrzehnte hinweg erfolgreich durch die deutschsprachigen Kleinkunst-Lande, war gern gesehener Dauergast im »Quatsch Comedy Club« und trat zunehmend auch innerhalb von Fernsehformaten auf, etwa bei den »Mitternachtsspitzen«.

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In den letzten Jahren empfand Thomas Kreimeyer das Hessische Staatstheater Wiesbaden als seine künstlerische Heimat: Hier fand er kontinuierliche Auftrittsmöglichkeiten und zudem ein so treues wie dankbares Publikum, hier pflegte er enge Freundschaften ins Haus hinein, und hier fand er das ihn inspirierende Umfeld: Kaum eine Premiere ging ohne ihn als engagiert teilnehmenden Beobachter vonstatten.

Bei seinen Auftritten arbeitete Thomas Kreimeyer immer auf Zeit: Zu Beginn des Programms stellte er eine Eieruhr; klingelte diese, war Schluss (»Und da wird auch nicht diskutiert!«). Als er Anfang September eine schwere Krankheitsdiagnose erhielt, musste er die Erfahrung machen, auf Zeit zu leben. Er hat sich dieser Zumutung mit tiefem Ernst und einer bewunderungswürdig heiteren Gelassenheit gestellt.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, die mit Thomas Kreimeyer zu tun hatten, erinnern sich seiner mit Dankbarkeit. Und werden ihn, diesen »Burschen von unendlichem Humor«, nicht vergessen. (dif/Foto Alex Lipp)