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Die Nicht-nur-Jugend-Herberge

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Von Sebastian Wenzel. Fotos Heinrich Völkel und Andrea Diefenbach.

Nico Gerretsen ist Vater von über tausend Kindern und Jugendlichen. Manche davon sieht er öfters, andere nur einmal im Leben. Er ist Herbergsvater. Das von ihm geleitete Haus wurde jetzt für etwa 2,6 Millionen Euro renoviert. Höchste Zeit für einen Besuch.

Die Jugendherberge in der Blücherstraße am Rande des Kurt-Schumacher-Rings ist ein Superlativ, den fast keiner kennt. Die Gäste können in 202 Betten übernachten und in 13 Räumen tagen. Zum Gelände gehören außerdem vierzig Parkplätze, drei Grillplätze, vier Terrassen, ein Fußballplatz, ein Volleyballfeld, mehrere Tischtennisplatten, eine große Liegewiese – und neuerdings ein neues Hauptgebäude. Etwa 500.000 Euro investierten die Verantwortlichen in die Modernisierung der Küche und circa 2,1 Millionen Euro in die Renovierung der Zimmer, die teilweise mit Balkon ausgestattet sind. Natürlich stehen darin immer noch die typischen Doppelbetten, aber nun mit einer Matratzenlänge von 2,10 Metern. Neben jeder Bettlampe ist eine Steckdose in die Wand eingelassen.

WLAN bewusst blockiert

Dort können Gäste zwar ihre Smartphones aufladen, sich mit den Mobiltelefonen aber nicht im hauseigenen WLAN anmelden. Der Internetzugang ist mit Absicht blockiert. Die Jugendlichen sollen sich miteinander und nicht mit ihren Bildschirmen beschäftigen.  „Gemeinschaft erleben ist in der heutigen Gesellschaft wichtiger denn je. Das Wort Herbergsvater spiegelt die Verantwortung der Hausleitung gegenüber den vorwiegend jungen Gästen wider. Das hat sich niemals geändert: In den Jugendherbergen steht nach wie vor der Mensch im Mittelpunkt“, sagt Gudrun Schirrmann, Aufsichtsratsvorsitzende des Jugendherbergs-Landesverbandes Hessen. Das sieht auch Gerretsen so. Der gebürtige Niederländer arbeitete früher als Empfangschef- und Betriebsleiter in Hotels und anderen gastronomischen Betrieben. Später betreute er für Coca Cola Großkunden im Rhein-Main-Gebiet.

Gäste aus ganz Europa

Aber zurück zu den Zimmern: Wer duschen möchte, muss nicht wie früher in die Gemeinschaftswaschräume tapsen, sondern sich nur aus seinem Bett schwingen. Jedes Zimmer besitzt eine eigene Dusche und ein eigenes Klo. In den vergangenen Jahren übernachteten im Schnitt etwa 30.000 Gäste pro Jahr in den Zimmern. Mittelfristig will Gerretsen diese Zahl auf 40.000 und langfristig auf 50.000 steigern. „Unser Haus besuchen vor allem Orchester und Gruppen mit Jugendlichen zwischen 16 und 24 Jahren“, sagt Gerretsen.  Sie arbeiten in 14 variabel nutzbaren, mit modernster Technik ausgestatteten Tagungsräumen mit Platz für bis zu 180 Personen. Die Gäste reisen aus ganz Europa nach Wiesbaden – schließlich liegt die Landeshauptstadt in der Mitte von Deutschland und ist durch den Flughafen gut angebunden. Außerdem profitiert das Haus von der guten Zusammenarbeit mit der Wiesbaden Marketing GmbH.

Ein weiterer Pluspunkt sind laut Gerretsen die Mitarbeiter. Er hofft, dass ein freundlicher Service für gute Mund-zu-Mund-Propaganda sorgt. „Neun von zehn Wünschen unserer Gäste kosten kein Geld“, sagt Gerretsen. Als neulich eine Jugendliche ihre weiße Jacke aus Versehen in die Wäsche geschmissen hatte, durchsuchten die Angestellten ohne zu zögern mehrere Wäschecontainer – so lange, bis sie die Jacke gefunden hatten. Solche Gesten sollen den Kunden positiv im Gedächtnis bleiben. Extra-Anliegen erfüllen auch die Köche. „Egal ob Vegetarier, Laktose-Intoleranz oder religiöse Essensvorschriften: Es gibt heute fast keine Gruppe mehr ohne Sonderwünsche“, sagt Gerretsen. Für 34 Euro pro Person erhalten  die Gäste Vollpension, mit Frühstücks- und Abendbuffet sowie einem warmen Mittagessen, zum Beispiel mit Salat und Spaghetti Bolognese. Die Nudeln haben einen unschlagbaren Vorteil. Sie schmecken allen – sowohl den kleinen als auch den großen Kindern von Herbergsvater Gerretsen.

http://www.djh-hessen.de/jugendherbergen/wiesbaden/


 

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