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Editorial Juli/August-sensor: Was könnte Wiesbaden in Bewegung bringen …?

Was könnte Wiesbaden in Bewegung bringen,

liebe sensor-Leserinnen und –Leser? Ich rede nicht von sportlicher Bewegung, nicht vom „25-Stunden-Lauf“ (am 8./9. September im Kurpark), vom „Energy Run“ (brachte gerade 400 Wiesbadenerinnen und Wiesbadener auf die Beine) oder vom „Stadtradeln“ (ging gerade wieder zu Ende, Danke bei der Gelegenheit an alle, die im sensor-Team mitgestrampelt sind). Nein, ich rede von einer politischen Bewegung.

Wie könnte, 50 Jahre nach der 68er-Bewegung, die Titelthema dieser Ausgabe ist, eine 2018er-Bewegung in Wiesbaden aussehen? Was könnte sie auslösen? Und wofür – oder wogegen – könnte sie stehen? Weht durch Wiesbaden ein revolutionärer Geist, der Funken des Protests, des Aufstands, des Widerstands entzünden könnte?

Ich bin mir nicht sicher. Auf den ersten Blick gibt es in unserer Stadt ja eigentlich kaum etwas, wogegen man aufbegehren und sich auflehnen müsste. Ist doch alles gut, sagen viele. Und dösen genügsam weiter. „Es reicht“, höre ich von anderen. Und spüre Unwohlsein, Unbehagen, Unmut in dieser, an dieser, über diese Stadt. Weil diese Wiesbadener mit guten Ideen, mit der Lust, sich einzubringen, mit Engagement (!) immer wieder gegen immer gleiche Wände laufen. Weil hier so vieles, was anderswo selbstverständlich ist, einfach nicht geht, weil vieles ignoriert und/oder torpediert wird.

Gerade beim Schreiben dieses Editorials erreicht mich eine Mail zu einem geplanten Projekt, das der Stadt eindeutig gut tun würde. Gut getan hätte: „Nachdem wir in den ersten Gesprächen mit dem Dezernat und den Ämtern eine positive Rückmeldung hinsichtlich (…) erhalten haben, gab es nun in dieser Woche die Rückmeldung, dass (…) nicht genehmigungsfähig ist.“ Ein Beispiel. Schon wieder ein Beispiel …

Es wäre wohl eine Dafür-Bewegung

Es ist eine Stimmung, es sind vereinzelte (allerdings meiner Wahrnehmung nach zunehmende) Stimmen, alles fern von einer „Bewegung“. Wenn es aber eine Bewegung gäbe, dann wäre das in Wiesbaden wohl eine Dafür-Bewegung. Für mehr Mut! Für mehr Fantasie! Für neue Horizonte und Frische! Für größere Offenheit! Für Austausch auf Augenhöhe und Transparenz in Planungs- und Entscheidungsprozessen!

Es wäre eine Bewegung für Wiesbaden – eine Stadt, die ganz bestimmt einiges mehr drauf hat als sie bisher zulässt. Eine Stadt, die vor allem voller Menschen ist, die – übrigens auffällig häufig mit starkem und innovativem Fokus auf genau die gesellschaftlichen Zukunftsthemen, auf die es ankommt – mehr drauf haben als man ihnen zutraut. Es sind Menschen, die – eigentlich ein unbezahlbares und kostbares Geschenk – ihre Expertise, ihren Elan und ihre Energie dieser Stadt, ihrer Stadt!, anbieten. Die sich an dieser Stadt abarbeiten und im schlimmsten Falle – und das kann in der Konsequenz dramatische Folgen für Wiesbaden haben – an ihr verzweifeln.

Exemplarisch dafür steht ein bekannter und anerkannter Geschäftsmann, der sich in dieser Stadt vielfach einbringt, oder besser gesagt: eingebracht hat. Vor wenigen Tagen – nach dem Besuch einer Diskussions-Veranstaltung, bei der das Gebaren verantwortlicher Entscheidungsträger dieser Stadt sein persönliches Frust-Fass zum Überlaufen gebracht hat -, entlud sich seine Entrüstung in einer so ausufernden wie völlig nachvollziehbaren öffentlichen Erklärung. Sie mündete in dem Satz: „Nach ca. 35 Jahren werde ich Tschüss uneigennütziges Engagement für diese Stadt sagen.“

Wiesbaden fünfzig Jahre nach 1968. Vielleicht muss es gar nicht eine Bewegung sein. Vielleicht genügt schon Bewegung. Sie wäre wichtig für Wiesbaden, vielleicht sogar, ohne die Pathoskeule allzu heftig schwingen zu wollen, überlebenswichtig. Ich jedenfalls bin dafür, ich bin dabei. Und Sie?

Dirk Fellinghauer, sensor-Revoluzzer

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