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Falk Fatal und der Homo Wilhelminicus – eine besondere Wiesbadener Gattung

Der Homo Wilhelminicus ist eine noch recht junge Gattung der Menschenaffen (Hominidae) in der Klasse der Säugetiere. Sein nächster Verwandter ist der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens). Die frühesten Fossilien des Homo Wilhelminicus wurden im Raum Wiesbaden gefunden und sind auf die 1860er Jahre datiert.

In der Biologie wird deshalb davon ausgegangen, dass eine Riesling-bedingte Gen-Mutation bei einigen im Wiesbadener Raum lebenden Homo sapiens deren DNA so stark veränderte, dass sich der Homo Wilhelminicus daraus entwickelte. Bis heute lebt der Homo Wilhelminicus meist in friedlicher Koexistenz mit im Raum Wiesbaden lebenden Homo sapiens.

Der Homo Wilhelminicus ist ein geselliges Wesen. Im Frühjahr, Sommer und Herbst sind der Platz um das Rathaus oder andere zentrale Plätze in den eingemeindeten Dorfgemeinschaften sein natürliches Habitat. Dort versammelt er sich mit seinesgleichen und nippt am Rieslingsekt. Im Winter trifft sich der Homo Wilhelminicus einen Monat lang auf dem Schlossplatz, um durch den Genuss von Glühwein den Sternschnuppen zu huldigen und auf breitere Alleen für seine Kutsche zu hoffen.

Die Kutsche ist des Homo Wilhelminicus liebster Gegenstand. Mit ihr steht er gerne im Stau und sucht Parkplätze. Weil das mit Drahteseln oder öffentlichen Personennahverkehrskutschen nicht möglich ist, ist er diesen Transportmitteln in inniger Feindschaft verbunden. Und dies posaunt der Homo Wilhelminicus beständig in die Welt hinaus. Mit diesem Kontaktruf macht er auf sich aufmerksam, um andere Artgenossen anzulocken.

Der Homo Wilhelminicus liebt die Ruhe. Deshalb klappt er die Bürgersteige jeden Abend um 20 Uhr nach oben. Wenn sich danach fünf Jugendliche lautstark unterhalten, sieht er sofort den Untergang des Abendlandes voranschreiten. Wenn Homo sapiens zu laut in Bierkaschemmen oder Tanzlokalen feiern, ruft der Homo Wilhelminicus den Schutzmann herbei und sucht so lange nach den richtigen Paragrafen in der Lärmschutzverordnung, bis man Angst hat, zu laut am Schaumkrönchen des Latte Macchiato zu schlürfen.

Der Homo Wilhelminicus lebt gedanklich in einem historischen Fünfeck aus Maifestspielen, Jugendstilfassaden, Wilhelmstraßenfest, dem Kapellche und Kaiser-Friedrich-Promenaden. Der Homo Wilhelminicus ist ein Mensch des Historismus. Er blickt gerne auf Zeiten zurück, die ihm heute golden erscheinen, weil der Glanz alles damals Schlechte überdeckt. Würde der Homo Wilhelminicus nur öfters nach vorne schauen, dann wäre ihm die Zukunft vielleicht weniger suspekt.

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Illustration: Marc Hegemann