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So wohnt Wiesbaden: Familie Röpke genießt ihr wildes Paradies

 

Mitten in der Natur sein und dennoch beinahe mitten in der Stadt wohnen. Die BigCityTV-Macher Gérard und Sylvia Röpke haben einen Ort gefunden, an dem das möglich ist. Gemeinsam mit Tochter Julia nehmen sie einige Einschränkungen in Kauf, um an diesem einzigartigen Platz in Sonnenberg zu leben.

„Wir haben unser Paradies gefunden“, berichtet Gérard Röpke, während er gut gelaunt den Grill anheizt. Der Zutritt zum Paradies erfolgt entweder über eine endlos langeTreppenstiege oder über einen holprigen Feldweg. Mühsam, aber lohnend. Mit dem Betreten des Gartens fühlt man sich irgendwie sofort wie im Urlaub. Spätestens beim Passieren eines aus Pflanzen gewachsenen Torbogens lassen Bewohner und Besucher die Landeshauptstadt weit hinter sich. Und die ist gar nicht weit weg: „Wir sind mit dem Auto in fünf Minuten am Kurhaus“, erzählt der Hausherr, wie schnell er etwa einen der regelmäßigen Einsatzorte für seinen Internetfernsehsender erreicht. Dabei liegt das Grundstück so abgelegen, dass man den Straßenverkehr nicht mehr hört. Stattdessen die Hühner aus Nachbars Garten.

Wenn der Postmann gar nicht klingelt

Weder die Müllabfuhr noch der Briefträger kommen hierher. Ihre Abfälle fährt die Familie selbst zur Deponie, ihre Post lassen sie sich ins Filmstudio liefern, das gleich um die Ecke liegt. „Das Haus ist nach dem Krieg als Ersatzwohnraum entstanden, weil die Bewohner ausgebombt gewesen sind“, erläutert der Filmemacher die Geschichte des Gebäudes. Vor anderthalb Jahren sei man im Internet darauf gestoßen. Drei Wochen wurde es zu sechst renoviert, so herunter gekommen war es. „Wir haben es entkernt, geschrubbt und gestrichen“, schildert Sylvia Röpke den Aufwand, der nötig war, um das Kleinod bewohnbar zu machen. Heute ist das versteckte Domizil innen und außen mit Holz vertäfelt und erstrahlt in frischem Glanz. Während die Außenseite in leuchtendem Blau und Weiß gestrichen ist, gibt dem von zahlreichen Fenstern erhellte Inneren ein heller Braunton eine warme Atmosphäre. Auch der Großteil der Möblierung ist in Holz gehalten.

Nur das Nötigste auf 70 Quadratmetern

„Wir haben eine ganze Menge Möbel nicht mitnehmen können und uns auf das Nötigste beschränkt“, schildert die Hausherrin von Schwierigkeiten, sich auf die neue Wohnfläche zu beschränken. Mit etwa 70 Quadratmetern verfügt das Haus nur über knapp die Hälfte des Wohnraums, den die dreiköpfige  Familie zuvor zur Verfügung hatte. „Wir haben festgestellt, dass man viele Dinge zwar lieb gewinnt und in Schränken verstaut, aber nicht wirklich benutzt“, fügt sie hinzu. Also haben die Röpkes sich auf die Sachen beschränkt, zu denen sie eine wirkliche Verbindung haben. Wie etwa die 110 Jahre alte Singer-Nähmaschine, auf der Sylvia Röpke einst von ihrer Großmutter das Nähen beigebracht bekommen hat. Oder das antike Telefon, welches das seit 24 Jahren verheiratete Paar aus einem Urlaub in den Niederlanden mitgebracht hat.

„Ich finde es witzig, dass das Haus, obwohl es so klein ist, viele kleine Rückzugs-Ecken bietet“, beschreibt Sylvia Röpke den besonderen Charme ihres Domizils. Da ist zum Beispiel der winzige, völlig von Efeu eingewachsene Balkon. Auf einer Hälfte verfügt das Häuschen nämlich über ein Obergeschoss, zu dem eine hölzerne Wendeltreppe führt. Neben Schlafzimmer und Sauna ist dort auch eine Lese-Ecke untergebracht.

Zum Ankleiden in den Keller

Aus Platzgründen sind die meisten Bücher in Kisten verstaut. Also wird der Inhalt des kleinen Regals, das neben dem gemütlichen Sofa steht, regelmäßig ausgetauscht. Eine geheimnisvolle Luke im Wohnzimmerboden führt in einen begehbaren Kleiderschrank im Keller, und das Zimmer der 17-jährigen, behinderten Tochter Julia ist eine echte Bärenhöhle. Der Fan der Wiesbadener Rockformation Mallet teilt ihr Reich mit sage und schreibe einhundert Kuscheltieren verschiedenster Größen. Außerdem ist das Haus fast vollständig von drei Terrassen umgeben, die verschiedenste Aufenthaltsqualitäten bieten. Am meisten genutzt wird diejenige an der Frontseite, wo Sylvia diverse Kräuter zieht und ein Strandkorb zum Ausruhen nach dem Essen einlädt: Im Sommerhalbjahr wird die Wohnfläche des Hauses soweit es geht ins Paradies hinaus erweitert.

Text: Hendrik Jung. Fotos: Arne Landwehr.

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