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US-Künstler Frank Stella erhält Jawlensky-Preis der Stadt Wiesbaden – Kritik an Verfahren ohne Jury

Der Jawlenskypreis ist mit einer Ausstellung im Museum Wiesbaden und dem Ankauf eines Werkes verbunden. 2022 soll es hier eine Ausstellung des frisch auserkorenen Preisträgers Frank Stella geben. Foto: Dirk Fellinghauer

Der US-amerikanische Künstler Frank Stella erhält den Jawlensky-Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden. Zu Ehren des berühmtesten Künstlers der Stadt, Alexej von Jawlensky (1864-1941, vergibt die Landeshauptstadt Wiesbaden gemeinsam mit Spielbank und Nassauischer Sparkasse den mit 18.000 Euro dotierten Preis für das Werk eines zeitgenössischen Künstlers. Coronabedingt wurde der Preisträger in einem verkürzten Verfahren ohne die vorgesehen Einberufung einer Jury bestimmt. Das Kuratorium hatte zu diesem Vorgehen ein positives Votum gegeben, „auch wenn das verkürzte Verfahren teilweise kritisch bewertet wurde“, wie es die Stadt in ihrer heutigen Mitteilung formuliert. Heute stimmte nun der Magistrat dem Verfahrensweg und dem Preisträgervorschlag Frank Stella zu.

Frank Stella, geboren am 12. Mai 1936, ist Maler, Bildhauer und Objektkünstler und gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Künstler der Nachkriegszeit, seine Werke werden in zahlreichen großen Ausstellungen gezeigt. Seine letzte große Retrospektive war in Deutschland 2012 in Wolfsburg zu sehen. Frank Stella lebt und arbeitet in New York- „Ähnlich konsequent wie die bisherigen Träger/innen des Jawlensky-Preises besetzt Stella eine Position in der Kunst der letzten 50 Jahre, die heute bereits zu den Klassikern zählt“, lässt die Stadt wissen. Kulturdezernent Axel Imholz befindet: „Mit Frank Stella werden wir zweifelsohne einen der bedeutendsten Gegenwartskünstler bei uns in Wiesbaden zu Gast haben. Frank Stella ist ein weiterer würdiger Träger des Jawlensky-Preises, und ich freue mich schon heute auf die Ausstellung.“

Preisträger auf Vorschlag von Museum und externem Fachmann

Das Verfahren zur Bestimmung des Preisträgers/der Preisträgerin sieht eigentlich vor, dass zunächst das Kuratorium eine Jury benennt, die aus einigen vorgeschlagenen Künstler*nnen einen Preisträger oder eine Preisträgerin auswählt. Als im Oktober die Sitzung des Kuratoriums stattfand, machte das Museum Wiesbaden der Vorschlag, in diesem Jahr  einen verkürzten Verfahrensweg zu beschreiten. Zielsetzung sei es, Preisverleihung und Ausstellung, dem Turnus der vergangenen Preisverleihungen folgend, in 2022 durchzuführen. Die Realisierung im „documenta-Jahr“ bringe  eine erhöhte Aufmerksamkeit sowie die Chance, die hessische Landeshauptstadt und diese Ausstellung noch stärker überregional/international in den Fokus von Kunstinteressierten zu bringen. Angesichts der aktuellen Situation wurde dem Kuratorium vorgeschlagen, auf die Einberufung einer Jury im herkömmlichen Sinn zu verzichten und sich stattdessen bei der Entscheidungsfindung „auf die externe Expertise eines ausgewiesenen Fachmannes (Dr. Holger Broeker/Kunstmuseum Wolfsburg) sowie die interne Expertise des Museums zu berufen“. Die Preisträgerausstellung könne 2022 im Museum Wiesbaden stattfinden, wobei eine Kooperation mit dem neuen Museum Reinhard Ernst geplant sei.

„A collage a day keeps the virus away.“

In einem FAZ-Interview beschrieb der Künstler kürzlich seinen Umgang mit der Pandemiesituation in seiner New Yorker Heimat: „Bloß nicht verrückt werden! Ich kann ein bis zwei Tage in der Woche ins Atelier gehen, wenn ich zu Hause bin, mache ich eine Menge Collagen. „A collage a day keeps the virus away.“

Frank Stella wird der siebte Preisträger nach Agnes Martin, Robert Mangold, Brice Marden, Rebecca Horn, Ellsworth Kelly und Richard Serra. Der Jawlenskypreis ist mit 18.000 Euro dotiert und mit einer Ausstellung im Museum Wiesbaden verbunden. Des Weiteren soll eine Arbeit der Preisträgerin oder des Preisträgers angekauft werden.

Diskussion im Kulturbeirat

Das Thema Jawlensky-Preis steht auch in der nächsten Sitzung des Kulturbeirats am Donnerstag, 18. November, um 18 Uhr im Schlachthof auf der Tagesordnung. Die Anzahl der Zuschauer*innen ist begrenzt. An der Sitzung interessierte Bürger*innen werden deshalb gebeten, sich vorab bei der Geschäftsstelle Kulturbeirat telefonisch unter (0611) 314475 oder per E-Mail an kulturbeirat@wiesbaden.de anzumelden. Die gültigen Hygiene- und Abstandsvorschriften sind jederzeit zu beachten. Teilnehmer müssen sich in die vor Ort ausgelegte Namensliste eintragen. Es muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die verbindliche Einlasszeit zur Sitzung ist 17.30 Uhr.

(dif)

 

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