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2×5-Interview: Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin f. Familie, Senioren, Frauen & Jugend, 35 Jahre, 1 Tochter

 

Interview Dirk Fellinghauer. Foto Simon Hegenberg.

BERUF

Wie einsam macht Berlin?

Berlin macht eigentlich gar nicht einsam. Es geht ja eher um die Frage, ob das politische Berlin einen einsam macht. Ich bin kein Mensch, der überhastet neue Freundschaften schließt. Aber meine Freundschaften halten sehr lange, viele sind aus der Schulzeit. Ich  habe vielleicht eine Handvoll Freundschaften in der Politik geschlossen, die werden sicher auch halten, sollte ich mal nicht mehr in der Politik sein. Ich habe sogar meinen Mann in der Politik kennengelernt. Sechzig Prozent aller Menschen lernen ihren Partner ja am Arbeitsplatz kennen. So war das bei uns eben 2003 auch, als wir beide neu im Bundestag waren. 

Sind  Sie eine Frauenrechtlerin? 

Ja, denn mein Ziel ist es, dass Frauen möglichst frei darüber entscheiden können, welches Leben sie leben wollen und sich dafür nicht rechtfertigen müssen, und zwar egal, welche Entscheidung sie treffen. Im Moment ist es in Deutschland ja so: egal wie man es als Frau macht, man macht es angeblich falsch. Wenn man sich  ganz auf die Karriere konzentrieren will, ist man die egoistische Karrierefrau. Will man eine Zeit lang mit seinem Kind zuhause bleiben, gilt man als Heimchen am Herd. Wenn man versucht, beides miteinander zu vereinbaren, ist man wahlweise die Rabenmutter oder die Latte Macchiato-Mutter. Und dagegen wehre ich mich. 

Wie fühlt es sich an, unbeliebt zu sein? 

Ich bin streitbar. Und ich finde, gerade in gesellschaftspolitischen Situationen sollte man sagen, was man so sieht und was man nicht so sieht. Das ist auch die Aufgabe von Politik, und gerade auch von Familienpolitik, da deutlich zu sein. Da kann ich auch gut damit leben, wenn andere das anders sehen.

Warum werden Sie nicht hessisches Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl? 

Ich habe dem hessischen Landesvorsitzenden gesagt, dass ich nicht zur Verfügung stehe, weil ich in einer wichtigen Frage, die im Wahlkampf sicher eine Rolle spielen wird,  deutlich anderer Meinung bin als die Mehrheit bei mir im Landesverband. Meine Position zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften vertrete ich seit Jahren. Ich respektiere, dass meine Haltung nicht die Mehrheitsmeinung meines hessischen Landesverbandes ist, und ich bitte gleichzeitig um Respekt, dass ich deshalb auch nicht als Spitzenkandidatin der hessischen CDU für die Bundestagswahl  antreten wollte. 

Nun können Sie ganz unverbogen Schirmherrin des Wiesbadener Christopher Street Day CSD sein. Werden Sie als solche am 3. August auch bei der Parade dabei sein? 

Ich habe da folgendes praktische Problem: Ich habe genau an dem Tag Geburtstag, und ich weiß schlicht noch nicht, ob mir meine Familie da frei gibt. Deswegen kann ich mich da leider noch nicht festlegen. 

MENSCH 

Haben Sie schon mal eine Disko von innen gesehen? 

Ist die Frage ernst gemeint? Als Jugendliche war ich viel mit meinem großen Bruder in Frankfurt unterwegs. Mein Bruder ist elf Jahre älter. Der hat mich damals mitgenommen, und zwar ins „Dorian Gray“, den „Turm“, das „Plastik“ – dort ging es eigentlich bei mir los, denn die Wiesbadener Diskoszene ist ja jetzt, naja, sagen wir mal ausbaufähig. Das war sie auch damals schon. 

Wenn Sie durch die Wiesbadener Fußgängerzone laufen – geben Sie Bettlern etwas? 

Das ist vollkommen unterschiedlich – wo Not herrscht, helfe ich, das ist selbstverständlich, aber ich habe null Verständnis dafür, wenn zum Beispiel Kinder zum Betteln missbraucht werden. 

Mit welchem Gefühl werden Sie im Mai „Ihren“ zweiten Muttertag verbringen? 

Meine Tochter für mich das Großartigste in meinem Leben. Aber ehrlich gesagt ist dieser Tag dafür relativ irrelevant. Vielleicht ändert sich das, wenn meine Tochter mir irgendwann das erste selbstgemalte Bild übergibt. Aber in diesem Jahr habe ich da noch nicht so die Hoffnung. 

Fühle deine Stadt. Wiesbaden. Was fällt Ihnen dazu spontan ein? 

Wenn ich meine Stadt Wiesbaden fühle … och, das tue ich zum Beispiel schon, wenn ich im Opelbad liege und vielleicht, wenn es dann Abend wird, einen Rheingauer Riesling trinke. Wiesbaden ist meine Heimat und zum Glück nach wie vor mein Hauptwohnsitz. Ich bin ja oft genug hier. An Wiesbaden finde ich die Größe toll, den Menschenschlag – und ich liebe den Rheingau. Das ist ein unglaubliches Privileg, innerhalb von fünfzehn Minuten mal eben auf ein Weingut fahren können. Entsprechend sind auch die Rheingauer Weinwochen mein absolutes Lieblingsstraßenfest. Die Lage hier, das Klima, die Atmosphäre sind großartig. 

Welches Klischee über Wiesbaden muss endlich mal aus der Welt geschafft werden? 

Ich schwanke gerade zwischen dem Klischee, dass Wiesbaden spießig und dass Wiesbaden arrogant sei. Beides ist selbstverständlich komplett unwahr