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Die Prinzen-Rolle – Barehan Moro will in den Landtag

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Von Hendrik Jung. Fotos Arne Landwehr.

Ende kommenden Jahres wird in Hessen ein neuer Landtag gewählt. Wer sich als unabhängiger Kandidat dafür bewerben möchte, benötigt die Unterschriften von 50 Unterstützern aus seinem Wahlkreis. Ein Wiesbadener will diesen ungewöhnlichen Weg beschreiten. Sein Name: Barehan Moro, Prinz von Helgoland. Im ersten Moment klingt alles ziemlich phantastisch: Ein junger Mann, geboren in Ghana, aufgewachsen in Wiesbaden, versehen mit dem symbolischen Adelstitel einer Nordsee-Insel, möchte als unabhängiger Kandidat in den hessischen Landtag einziehen. Doch wenn man sich mit dem 37-jährigen unterhält, stellt man schnell fest, dass seine Ideen und sein Auftreten in der Prinzen-Rolle stets einen klaren Bezug zu den Lebenserfahrungen des Architekturstudenten haben.

„Ich möchte die Universitäten und Hochschulen reformieren, damit junge Leute bessere Abschlüsse machen können“, berichtet er von einem seiner politischen Ziele. Dabei geht es ihm vor allem darum, dass praktisch erworbene Kenntnisse beim Studium besser angerechnet werden. Schließlich habe er sich nach seiner Ausbildung zum Maler und Lackierer während des Bachelor-Studiums ein zweites Mal mit technischem Zeichnen, Baugeschichte oder Wärmedämmschutz auseinander setzen müssen. „In England geht man nach seiner Ausbildung noch ein Jahr auf eine Akademie, dann hat man seinen Bachelor-Abschluss“, nennt er ein Beispiel für eine alternative Lösung. Auch würde er sich wünschen, dass Handwerks- und Industriemeister in maximal vier Semestern die Möglichkeit erhalten eine Doktor-Arbeit zu schreiben.

Ghana – Biebrich – Landtag?

„Im Moment kostet das zu viel Zeit, vor allem, wenn man eine Familie ernähren muss“, erläutert der Vater einer Tochter, die im Februar zwei Jahre alt wird. Auch wenn er von deren Mutter getrennt lebt, soll sich hier die Geschichte nicht wiederholen. Er selbst ist mit fünf Jahren gemeinsam mit seinem Vater aus Ghana nach Deutschland gekommen. Seit dieser ihn in einem Kinderheim in Biebrich zurück ließ, hat er jedoch keinen Kontakt mehr zu ihm. Wohl aber zu seiner Mutter, die noch in seinem Heimatland lebt. Sein Architekturstudium, das er nach Abschluss des Bachelors noch mit dem Master fort setzen möchte, will er in der Hauptsache in Ghana nutzen. Beispielsweise um dort Schulen zu bauen. Dafür könnte er sich eine Kooperation mit dem Wiesbadener Verein „Go for Ghana“ vorstellen.

Aber auch eine eigene Organisation mit humanitären Zielen existiert bereits. Ihr Name: Generalkonsulat des Königreichs Atlantis. „Man muss sich abheben von anderen Vereinen, deshalb stehe ich zum Königreich Atlantis“, erläutert Barehan Moro. Derzeit muss die Struktur der Organisation noch aufgebaut werden. Seine Rolle darin ist die des Generalkonsuls. Dazu passt der Titel als Prinz von Helgoland. Den verdankt er dem Wiesbadener Wilfried Laurig, der den symbolischen Titel König von Helgoland 1976 erworben hat. Seit der Adoption, durch die er zu einem der sieben Pflegekinder Laurigs geworden ist, gehört nun auch Barehan Moro zum Geschlecht derer von Helgoland. Die Uniform mit der grün-rot-weißen Schärpe in den Farben Helgolands hat er selbst entworfen. Auf der Insel war er bislang erst einmal, um den nach ihm benannten Riesling-Sekt vorzustellen. Den hat ein Rüdesheimer Weinhändler, der den Titel Graf von Andechs trägt, für ihn produzieren lassen. Derzeit bemüht sich Barehan Moro darum, den „Prinz von Helgoland“ auch auf dem Wiesbadener Weinfest ausschenken zu dürfen. Vielleicht werden die dort erzielten Gewinne eines Tages zur Nebeneinkunft, die er bei seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter melden muss. Etwa zwei Drittel der benötigten Unterschriften habe er bereits beisammen, freut er sich. An seinem Informationsstand auf dem Mauritiusplatz habe er sie vor allem von jungen Leuten erhalten, die Schwierigkeiten haben einen Ausbildungsplatz vermittelt zu bekommen. Menschen, für die er sich besonders einsetzen will. Schließlich hat er es selbst erst auf dem zweiten Bildungsweg vom Hauptschulabschluss zum Abitur gebracht.

www.prinz-von-helgoland.de