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Ein Wiesbadener entdeckt Deutschland – und feiert heute Kinopremiere

Von Alexander Pfeiffer. Foto ArneLandwehr.

Jörg Buschka kam 1995 zum Studieren nach Wiesbaden: Kommunikationsdesign an der FH. Warum er bis heute hier lebt, weiß der gebürtige Sauerländer gar nicht recht zu sagen. Denn als Creative Director in einer der über 600 Design- und Werbeagenturen der Stadt trifft man ihn nicht an. Stattdessen machte er sich nach diversen Jobs als freier Journalist mit seiner Reportage-Serie „Buschka entdeckt Deutschland“ zu einem Pionier in Sachen Internet-TV. Ein großes Lebensthema ist für mich das Mysterium der Existenz an sich“, sagt der 41-Jährige. „Früher bin ich einfach mit ein paar Kumpels und einer Kamera auf die Straße gegangen, habe Menschen angesprochen und gefilmt. Und Städtereisen fand ich schon immer toll.“ Beides kommt zusammen in „Buschka entdeckt Deutschland“, das nun als Dokumentarfilm seinen Weg in die Kinos findet. Heute ist Premiere.

Der Zufall als Regisseur  

„Bei TV-Magazinbeiträgen und -reportagen, die ich gedreht habe, mussten wir vieles für die Kamera wiederholen und auch mal inszenieren“, erzählt Buschka: „Die Filme zeigten dann nicht mehr 1:1 die authentische Situation. Das hat mich oft gestört.”

Und so machte er sich zusammen mit seinem Kameramann und Co-Produzent Jan Vogel von August 2006 bis Dezember 2008 auf, um insgesamt 26 Städte und Landstriche von Aachen bis Würzburg, von Stuttgart bis Rügen zu bereisen: Fast jede Woche waren sie jeweils einen Tag lang in einer deutschen Stadt unterwegs, ohne Drehplan, mit dem einzigen Konzept, Menschen und ihre Geschichten zu entdecken. „Was gedreht wurde, hat der Zufall entschieden“, erklärt Buschka aus dem Off in der Anfangssequenz des Films.    

Ist Buschka nun Moderator oder Hauptdarsteller?

Im Laufe von 92 Minuten trifft der umtriebige Entdecker so auf Straßenmusiker, Touristen, Kleinfamilien, Obdachlose, Hausfrauen, Korsettverkäuferinnen, Fußballfans, Provo-Punks, Kneipenhocker, Nachwuchsrapper, Sozialarbeiter, Bauchtänzerinnen und andere alltägliche Exoten. Das verbindende Element zwischen all den Schauplätzen und Gesichtern ist Jörg Buschka – als Conférencier, der uns durch die Manege des Lebens geleitet. Nicht immer ist dabei ganz klar, ist Buschka nun Moderator oder Hauptdarsteller des ganzen? Der Drang zur Bühne, zur Performance ist auf jeden Fall spürbar. 

Der von Buschka geprägte Begriff der „StandUp-Reportage“ scheint Bezüge zum Comedy-Genre zu implizieren. „Comedy ist reizvoll“, gibt er auf Nachfrage zu. „Aber ich dokumentiere im Moment lieber Situationen, die mir passieren, mit denen ich konfrontiert werde, als ständig Sachen wiederzugeben, die ich schon in mir habe.“

So kann es im Film schon mal klamaukig zugehen, wenn Buschka als Animateur tätig wird, ins Geschehen eingreift und zum Beispiel eine Reisegruppe am Ufer des Rheins dazu bringt, das Loreleylied von Heinrich Heine zu singen. Seine wirklich komischen Momente hat der Streifen dagegen, wenn Buschkas Gesprächpartner ins Erzählen kommen und mit entwaffnender Nonchalance aus dem Nähkästchen ihres Alltags plaudern. 

Und wenn es darum geht, wie all die „Entdeckten“, die in ihrer Gesamtheit irgendwie Deutschland sind, Tag für Tag zusammenleben sollen und wollen, dann wird es auch richtig ernst. Für den TV-geschulten Zuschauer mag es manchmal so scheinen, als führe Buschka die Personen, in deren Privatestes er da eingeladen wird, vor. Doch hier passiert etwas anderes: Menschen erzählen von sich und ihrem Leben, geben Geschichten preis, mit denen der Zuschauer den eigenen Erfahrungshorizont abgleichen kann, um am Ende zu der Erkenntnis zu gelangen, dass die Menschheit immer nur als Gemeinschaft vorstellbar ist. „Die Trennung passiert in den Köpfen“ heißt es an einer Stelle des Films. Das Verbindende liegt in den Bildern, den Geschichten.        

 Wiesbaden entdeckt Buschka – oder nicht?  

Seine Premiere feiert der Film am Montag, 7. Mai, im Filmforum Höchst. Jörg Buschkas heißgeliebtes Wiesbadener Caligari-Kino schickte hingegen  nur einen lapidaren Absagebrief. Manchmal tut sich Wiesbaden eben schwer, seine eigenen Künstler zu entdecken. Und wie steht es eigentlich andersrum? 26 Folgen „Buschka entdeckt Deutschland“ und keine über Wiesbaden – wie kann das sein? „Natürlich gibt es auch in Wiesbaden vieles zu entdecken“, sagt Buschka. „Ich finde die Stadt besonders zum Spazierengehen toll, auch weil es so viele unterschiedliche Wohnkonzepte und Lebensräume anzuschauen gibt. Ich mag die Hügel und die Täler – ein ständiges Auf und Ab.“   

PS – Mittlerweile hat Jörg Buschka auch in Wiesbaden einen Ort gefunden, an dem er seinen Film präsentieren kann: im Juni wird der Film im Walhalla Studio laufen.

Infos im Internet unter www.buschka-entdeckt.de und www.facebook.com/buschkafilm