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Geschäft des Monats: Deko Behrendt, Moritzstraße 49

 Von Anja Baumgart-Pietsch. Fotos Mary Goldfinger.

Ja, das Furzkissen ist immer noch im Angebot. Der zerquetschte Finger, die falsche Zigarette, die dicke Spinne aus Gummi und das „zerstörte“ Gebiss ebenso, all die kleinen Scherzartikel, die schon früher jede Klassenfahrt interessanter machten. „Die werden immer noch gerne von den Kindern gekauft“, lacht Bernd Reisemann. Aber Deko-Behrendt ist natürlich viel mehr als nur ein Laden für kleine Gags.

Tritt man durch die Tür in der Moritzstraße, sieht man erst mal das, was gerade zur Saison passt: Weihnachten, Silvester und Fastnacht gehen beim sensor-Besuch schon ineinander über, es folgen dann Ostern, Oktoberfest, Halloween und Martinslaternen – und natürlich kann man hier absolut jedes Fest ausstatten, von der Silberhochzeit bis zum Nikolaus-Flashmob, von der 70er-Mottoparty bis zum Kinderfest.

Kunstblut und Konfetti

Ein glitzerndes, flimmerndes Wunderland tut sich auf. Geschäftsführer Bernd Reisemann und seine Tochter Claudia geleiten Besucher gerne durch das Labyrinth ihres einzigartigen Ladens und führen sie vorbei an Perücken und Kostümen, Fahnen aus allen Ländern dieser Erde, an Theaterschminke und Kunstblut, Tischdecken und Konfetti, Feuerwerkskörpern und Luftballons. Es  gibt alles – und zwar immer. „Sie können bei uns auch eine Weihnachtsmütze im August bekommen“, verspricht der Chef. „Was wir nicht haben, können wir in der Regel innerhalb weniger Tage besorgen“. Die Artikel sind hochwertig. Die Theaterschminke zum Beispiel werde auch gerne von professionellen Schauspielern hier gekauft – oder vom Roten Kreuz, das ja immer mal wieder für Katastrophenschutz-Übungen möglichst echt aussehende Unfallopfer schminken muss. Für diese Sparte ist Claudia Reisemann die Spezialistin.

„Ich bin hier im Geschäft aufgewachsen”, sagt Bernd Reisemann. Das meint er wörtlich: Bei seinem Vater war er schon seit frühester Kindheit dabei. Später absolvierte er hier seine Ausbildung, genau wie seine Tochter. Seit 1999 ist Reisemann Herr über zehntausende Partyspäße. Die Firma Behrendt ist schon sehr viel älter als die 50 Jahre, für die Reisemann 2009 die bronzene Stadtplakette Wiesbadens erhalten hat. 1914 gründete Georg Behrendt den Dekorationshandel in Berlin. Noch immer gibt es dort einen Behrendt-Laden. Ende der 40er Jahre übernahm Heinz Reisemann die Berliner Firma, und behielt den gut eingeführten Namen bei. „Als die Situation in Berlin unsicher wurde, suchte mein Vater einen besseren Standort in Westdeutschland und stieß zufällig bei einer Reise in den Rheingau auf die Möglichkeit, einen leer stehenden Laden in Wiesbaden zu übernehmen”, erzählt Bernd Reisemann. 1959 eröffnete man in der Moritzstraße und hat seitdem das Geschäft stetig erweitert.

„Gefeiert wird immer“

Natürlich gehe die Krise auch nicht so ganz an seiner Branche vorbei, meint der Geschäftsführer. „Die Dekorationssparte ist eher rückläufig, aber gefeiert wird eigentlich doch immer“. Reisemann sieht seine Arbeit als Freude an und es macht ihm daher auch nicht viel aus, an fast 365 Tagen im Laden zu sein. Wenn andere feiern, ist der Deko-Spezialist eher dabei, wieder mal umzuräumen: „Ich bin auch an den Weihnachtsfeiertagen im Geschäft“, sagt er, denn bis Heiligabend am Mittag gab es noch Last-Minute-Weihnachtszubehör und dann muss schon wieder saisonal umgeräumt werden: Silvester-Knallbonbons rücken in die erste Reihe, und so weiter und so fort. Fastnachtsvereine kaufen gerne bei Behrendt, wo sie mit Vorzug behandelt werden. Auch die in Wiesbaden ansässigen Amerikaner kommen des Öfteren vorbei: „Wir haben seit vierzig Jahren Halloweendekorationen und waren bestens ausgerüstet, als auch die Deutschen eines Tages diesen Feiertag entdeckten.“ Zur Fußball-WM gab es noch mehr Länderfähnchen als sowieso schon vorhanden, die Iren bekommen grüne Kleeblätter für den St. Patrick’s Day und und und… ein buntes Fantasiland erstreckt sich über die verwinkelten Räumlichkeiten des alt eingesessenen Ladens, als traditionsreicher Familienbetrieb fast einer der letzten seiner Art. „Ich habe hier in der Moritzstraße viele kommen und gehen sehen“; sagt der freundliche, graubärtige Inhaber des Glitzer-Imperiums.