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Heute nimmt Wiesbaden Abschied von seinem Ehrenbürger: Alt-OB Hans-Joachim Jentsch starb mit 83

Er war nur für eine relativ kurze Zeit Oberbürgermeister von Wiesbaden, von 1982 bis 1985, er blieb der Stadt Wiesbaden aber zeitlebens eng verbunden. Hans-Joachim Jentsch war stets sehr präsent im gesellschaftlichen und kulturellen Leben, oder auch einfach nur beim Stadtbummel mit seiner Ehefrau Doris. Und er blieb zeitlebens höchst geschätzt, als exzellenter Experte, als „feiner Mann“. Davon zeugen auch die zahlreichen Würdigungen anlässlich seines Todes. Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Jentsch ist am Sonntag, 28. März, im Alter von 83 Jahren gestorben. Heute wird der Ehrenbürger der Landeshauptstadt Wiesbaden auf dem Südfriedhof beerdigt – situationsbedingt im engsten Familien- und Freundeskreis.

„Die Nachricht über seinen Tod macht uns traurig. In diesen schmerzvollen Stunden sind unsere Gedanken bei seiner Familie. Wir sind alle tief betroffen und bedauern diesen Verlust zutiefst“, drückte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende im Namen des gesamten Magistrats die tiefe Anteilnahme der Landeshauptstadt Wiesbaden aus.

Professor Jentsch bleibe den Wiesbadenern vor allem als Initiator der Kurhausrenovierung in Erinnerung. Auch war es ihm damals gelungen, den Internistenkongress trotz dieser Renovierung und gegen den Widerstand des damaligen Kongresspräsidenten in Wiesbaden zu halten. „Professor Jentsch hat sich herausragende Verdienste für die Landeshauptstadt Wiesbaden, aber auch weit darüber hinaus erworben. Er hat sich über Jahrzehnte hinweg in seiner beruflichen Laufbahn mit großem persönlichen Engagement für Demokratie und Freiheit in Deutschland eingesetzt“, so Mende.

Professor Hans-Joachim Jentsch, 1937 in Fürstenwalde/Spree geboren, wurde 1976 für die CDU Mitglied des Deutschen Bundestages. 1982 wählte ihn die Stadtverordnetenversammlung in Wiesbaden zum Oberbürgermeister. Später war er Mitglied des Hessischen Landtags, ab November 1990 – nach der Wende – Justizminister in Thüringen. 1996 wurde Professor Jentsch zum Richter des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe gewählt. Dieses Amt übte er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2005 aus. Der heutige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Stephan Harbach, würdigte den Verstorbenen in einer Todesanzeige als „eine außergewöhnliche Richterpersönlichkeit“, er habe „deutliche Spuren in der Rechtsprechung hinterlassen“.

Mit deutlichen Spuren der Freude für Mitmenschen im Einsatz

„Egal wo Professor Jentsch seinen Wirkungsschwerpunkt hatte – im Mittelpunkt standen immer die Interessen der Menschen“, betonte Ministerpräsident Bouffier: „Auch sein langjähriges und vielfältiges ehrenamtliches Engagement habe deutliche Spuren der Freude getragen, mit der er für seine Mitmenschen im Einsatz war.“ Jentsch war laut Bouffier: „eine herausragende Persönlichkeit, ein Spitzenjurist, dessen Rat und Meinung gerade bei komplexen juristischen Fragestellungen stets gefragt war und geschätzt wurde“. Landtagspräsident Boris Rhein würdigte, dass Hans-Joachim Jentsch sich „zeit seines Wirkens unermüdlich für Freiheit und Demokratie eingesetzt“ und mit großem persönlichen Engagement die Wiedervereinigung politisch und juristisch maßgeblich mitgestaltet habe – und dass er „in der folge als Zeitzeuge sein Wissen gerne an nachfolgende Generationen weitergeben hat“. Der CDU-Kreisverband Wiesbaden betont seine „korrekte und feine Art“.

Der hochgeistige Herr als Fußballpräsident

Zahlreiche Ehrungen wurden Jentsch im Laufe seines Lebens zuteil. Das vielleicht überraschendste Amt des hochgeistigen Mannes: Er war vorübergehend auch Präsident des Fußballvereins SV Wiesbaden.

„Aufgaben ohne Drehbuch hervorragend gelöst“ – Virtuelles Kondolenzbuch 

Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat auf der städtischen Homepage  unter www.wiesbaden.de/hans-joachim-jentsch ein virtuelles Kondolenzbuch eingerichtet. Dort haben Bürger:innen und Bürger die Möglichkeit, einen Abschiedsgruß zu hinterlassen.

Sein Amtsnachfolger Achim Exner schreibt dort: „Besonders beeindruckt hat er mich als Justizminister von Thüringen. Unmittelbar nach der Wende gab es für die Aufgaben kein Drehbuch. Er hat sie hervorragend gelöst.“ Der Journalist Manfred Gerber bemerkt beeindruckt: „Er war einer der Wenigen, die dem Land in gleich drei Gewalten gewissenhaft gedient haben.“ In einem „letzten Gruß aus Erfurt“ schreiben vier Damen: „Uns verbinden interessante und aufregende Jahre in der Zeit des Aufbaus des Thüringer Justizministeriums nach der Wende. Professor Dr. Jentsch war für uns ein aufrichtiger, sachlicher und freundlicher Chef, der stets mit respektvollem Blick auf die Belegschaft das Haus formte.“

(Dirk Fellinghauer / Foto Landeshauptstadt Wiesbaden/Protokoll)

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