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Mehr Utopie wagen! Editorial Oktober-sensor

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Mehr Utopie wagen, liebe sensor-Leser,

das könnte unsere Stadt eigentlich auch ganz gut vertragen, finden Sie nicht auch? Oder hat Wiesbaden Utopien gar nicht nötig, weil hier die Realität schon so herrlich ist? Wie meist, ist das eine Frage der persönlichen Sichtweise. Und sicher auch des Charakters.

Es gibt viele Themen in dieser Stadt, an denen sich die Geister scheiden. Ganz generell und ganz aktuell. Radfahren in der Stadt, Flüchtlinge in der Stadt (beziehungsweise am Rande der Stadt), Stadtmuseum in der Stadt. Nur drei von unzähligen Themen, bei denen dieser Tage Beides zum Vorschein kommt: Ein Wiesbaden, in dem ich mich wohlfühle, in dem Menschen sich zu Wort melden und zur Tat schreiten, für die ein gutes, faires, respekt- und verantwortungsvolles, auch ein solidarisches, Miteinander ganz selbstverständlich ist. Und ein Wiesbaden, das mir fremd ist und das mich fremdeln lässt in der eigenen Stadt. Ein Wiesbaden, in dem fragwürdige und folgenschwere Entscheidungen ohne jede (echte und ernstzunehmende) Diskussion zustande kommen, in dem schrille Stimmen sich völlig ungeniert voller Verachtung gegenüber den Schwächsten und Hilflosesten unserer Gesellschaft äußern. Da macht mich manches ratlos, vieles wütend,  einige und einiges aber auch hoffnungsvoll.

Vielleicht tut es der Stadt gut, dass kürzlich hundert Menschen aus ganz Deutschland, die von einer besseren Welt träumen und diese Träume in vielen Teilen schon ganz konkret in die Tat umsetzen, sich ausgerechnet Wiesbaden ausgesucht haben, um das erste „Utopival“ zu veranstalten. Sie lesen davon – und davon, dass die Realitäten oder zumindest Möglichkeiten in unserer Stadt in manchen Bereichen überraschenderweise gar nicht mal so weit von den Utopien entfernt sind – in der Titelgeschichte dieser Ausgabe.

Mit diesem Oktober-sensor erhält, nach einem ereignisreichen, aber sehr durchwachsenen Sommer, der Herbst Einzug in unserer Stadt. Vielleicht eignet sich diese Jahreszeit – mit zunehmend ungemütlicher Witterung zieht man sich meist ganz automatisch verstärkt in die eigenen vier Wände zurück, kommt mehr als sonst zur Ruhe und zur Besinnung -, ganz gut dafür, sich mal wieder ein paar mehr Gedanken zu machen darüber, wie wir in Zukunft (zusammen-)leben wollen und können – auf der Welt, ganz persönlich und speziell hier in Wiesbaden.

„Und sagt mir einer, ich sei ein Träumer,
ein Spinner, das mag sein.
Jedoch ich träume mit dir und ander’n,
ich träume und ich spinne nicht allein“,

singt der von mir sehr verehrte Udo Jürgens, der am 30. September in unvermindert lebenshungriger  Verfassung seinen 80. Geburtstag feiert und in seiner unfassbaren Karriere für manche Utopien gut war, in seinem 1982 entstandenen Lied „Ich bin dafür“.

Welche Utopien haben Sie für unsere Stadt? Träumen und spinnen Sie los!

Dirk Fellinghauer, sensor-Utopist

(Illustration: Noah Carev)

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