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Nachwuchs ermittelt: Die Junior-Detektive

 

Von Hendrik Jung. Fotos Tim Dechent.

Detektiv Alexander Schrumpf hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt. Mit Leidenschaft gibt er die Faszination dafür an den Nachwuchs weiter. Das fängt meist ganz spielerisch an, kann aber durchaus in einem Berufspraktikum enden.

„Wenn Ihr ihn noch schnell frei lasst, dann können wir zur nächsten Gruppenaufgabe kommen“, beendet Alexander Schrumpf eine kurze Pause beim Thementag der Klasse 7b der Gutenbergschule. Mit Hilfe des Schlüssels sind denn auch schnell die Handschellen gelöst, mit denen Dominic an die Unterseite des Schultisches gefesselt war. Rote Druckstellen zeigen, dass er die Pause nicht ganz so entspannt verbracht hat, wie seine 23 Mitschüler. „Hat sich nicht so toll angefühlt“, berichtet er von seiner ersten Bekanntschaft mit dem Edelstahl. Um solche Abgleiche mit der Realität geht es Deutsch-Lehrerin Uta Colditz beim Thementag mit Kinder-Detektiv Alexander Schrumpf.

„Wir haben vorher selbst Detektiv-Geschichten geschrieben, aber die Schüler kennen das nur aus dem Fernsehen“, erläutert die Lehrerin. Nun haben sie die Gelegenheit, aus erster Hand zu erfahren, wie man einen Text codiert, welche Werkzeuge ein Detektiv benutzt und wie man Fußspuren oder Fingerabdrücke nimmt. Sie lernen es von einem Vollprofi: Schrumpf ist ein an der Zentralstelle zur Ausbildung im Detektivgewerbe geschulter Ermittler.

Als nächstes sollen die Schülerinnen und Schüler sich in einer Zeugenbeschreibung üben. Was könnten sie gegenüber der Polizei oder vor Gericht aussagen, wenn Sie Alexander Schrumpf dabei beobachtet hätten, wie er mutwillig ein Fahrzeug auf dem Schulparkplatz beschädigt. „Ihr braucht nicht nett sein zu mir. Es muss schon realistisch sein“, ermutigt Alexander Schrumpf die Schüler zu offenen Worten. „Ovalförmiger Kopf mit Fastglatze und leichte Augenringe“, stellt also der 12-jährige Lorenz fest. „Kräftig gebaut“, fügt die gleichaltrige Friederike hinzu. „Auffälliges Kinn und eher helle Haut“, ergänzt die ebenfalls 12-jährige Vivien. „Abstehende Ohren“, setzt die gleichaltrige Melanie noch drauf. „Die Beschreibungen waren alle Topp!“, urteilt der Experte begeistert. Zumal die Jugendlichen viel Wert auf die besonders wichtigen, unveränderlichen Merkmale wie Statur, Hautfarbe und Geschlecht gelegt haben.

Kinder sind gute Augenzeugen

„Umso jünger ein Mensch ist, um so mehr achtet er auf Details. Später geht das verloren, aber man kann sich das wieder antrainieren“, berichtet Alexander Strumpf aus seinem Arbeitsalltag als Privatdetektiv. Der ist doch ein bisschen anders als die Schüler sich das vorgestellt hatten. „Wir haben gesehen, dass das ganz normale Menschen sind, die zwar einen besonderen Beruf haben, aber deshalb nicht extravagant sind“, erläutert Krimifan Melanie, was sie beim Schreiben ihrer nächsten Detektiv-Geschichte berücksichtigen würde. Wie mehr als 10.000 andere Seminar-Teilnehmer in den vergangenen 15 Jahren, erhält auch sie am Ende einen Ausweis als Junior-Detektivin. „Ich würde mich freuen, Euch wieder zu sehen“, lädt der 39-jährige die Schüler zu einem Berufspraktikum in seiner Detektei Adler ein. Viele ehemalige Teilnehmer haben davon schon Gebrauch gemacht.

Sozialer Aspekt

Für Wiesbadener Jugendliche engagiert sich Alexander Schrumpf auch durch unentgeltliche Nachhilfe sowie bei den „WiesPaten“, einer Initiative für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche. „Mit denen besuche ich zum Beispiel die Bibliothek und gebe ihnen einen Ermittlungsauftrag zu einem bestimmten Autor“, erläutert er, wie Leseförderung bei einem privaten Ermittler abläuft. „In einer reichen Stadt wie Wiesbaden wird zu wenig für öffentlich zugängliche Bildung gemacht“, findet er. Seiner Ansicht nach ist es volkswirtschaftlich günstiger jetzt Geld in die Jugend zu investieren als später in Haftanstalten. „Wenn man langfristig immer mehr Kinder ohne Zukunftsperspektive hat, steigt die Kriminalität. Jetzt können wir das Ruder noch rum reißen“, ist sich Alexander Schrumpf sicher. Ob mit Detektiv-Seminaren, Berufspraktika oder Patenschaft, er wird auch in Zukunft daran arbeiten Jugendlichen eine solche Perspektive zu vermitteln.

www.kinder-detektiv.de

 

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