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Restaurant des Monats: Weingut Ankermühle, Oestrich-Winkel

Reklame

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Von Jan Gorbauch (www.dreifachfleisch.de). Fotos Frank Meißner. 

Den „etwas anderen Rheingau“ hatten Birgit Hüttner und ihr Mann eigentlich kaum im Sinn, als sie vor knapp fünf Jahren ein Haus suchten. Der Hartnäckigkeit des Maklers haben sie es zu verdanken, dass sie eines Tages vor der historischen aber maroden Ankermühle unterhalb des Schloss Johannisberg standen und sich „sofort verliebten“. Unmittelbar war klar: dies ist mehr als ein Wohnhaus! Obwohl beide nicht aus der Gastronomie kommen, wagten sie den Schritt in einen vollkommen neuen, spannenden Lebensabschnitt – inklusive Weinberg, Restaurant und jeder Menge Events. In nur zehn Monaten haben sie die alte Kornmühle aller Hindernisse zum Trotz aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt.

Leidenschaft und Liebe zum Detail der Gastgeberin stecken nun in jedem Winkel, überall treffen sich Tradition und Modernes: gekonnt herausgearbeitetes Fachwerk, stilvolle und verspielte Dekoration wie künstlerisch umgestaltete Lampen, wunderschön mit Stoff gestaltete Speisekarten, die man kaum noch aus der Hand legen will, alte Steintröge zu Waschbecken umfunktioniert; all das und noch viel mehr fügt sich stimmig und gemütlich in die alten, so lebhaften wie behaglichen Räume ein, hebt sich gleichzeitig aber auch von der üblichen Weinlokalatmosphäre des Rheingaus ab. Erst bei Tageslicht wird eigentlich wirklich sichtbar, was für ein Kleinod hier geschaffen wurde: tritt man im strahlenden Sonnenlicht auf die Terrasse, wundert es nicht, dass die Ankermühle inmitten der Weinberge zu einer beliebten Anlaufstelle für Tagungen und Feiern geworden ist. Es ist genug gesagt, wenn Termine für Hochzeitsfeiern inklusive Trauung unter freiem Himmel im Garten oder im Spitzgiebel des ausgebauten alten Kornspeichers bis weit ins nächste Jahr hinein praktisch ausgebucht sind.

Bewusst kochen mit Slow-Food-Siegel

Konsequent zeigt sich die Detailverliebtheit dann auch in der Küche: kürzlich mit dem Slow-Food-Siegel ausgezeichnet und überregional geschätzt, verarbeitet Küchenchef Marc Oertel mit seinem Team ausschließlich frische Produkte, soweit möglich aus der Umgebung und aus ökologischer Herstellung. Fonds, Suppen, Dressings – alles wird vor Ort und von Hand produziert. Die Ankermühle interpretiert traditionelle Gerichte auf moderne Art neu, wobei teils in Vergessenheit geratene Gemüse oder Tierrassen (Schwarzfederhuhn mit Buchweizen-Pfannkuchen!) in Erinnerung gerufen werden und nur das auf den Teller kommt, was die Saison bietet. So genießen die Gäste momentan ausgezeichnete Wild- und Pilzgerichte, wie die Pilzterrine mit frischen Rheingauer Steinpilzen. Perfekt darauf abgestimmt ist die Verwendung vielzähliger Kräuter und essbarer Blüten. Für den hauseigenen Weinberg ist mit Jörn Goziewski ein „junger, wilder“ Winzer zuständig, der für die korrespondierenden und vielfach prämierten Weine sorgt. Rieslingkreationen wie „Hölle’“ oder „Gabriel“ mit vielfältigen Aromen von Eiche über Marzipan und Vanille sind dabei erfrischend anders und sicherlich nicht nur für Neueinsteiger und Probierfreudige sehr spannend. Es lohnt sich also, dem Trubel der Drosselgasse und des Rheinufers den Rücken zu kehren, den immerwährenden Stau auf der Hauptverkehrsader zu verlassen und sich stattdessen einzulassen auf einen modernen Rheingau, auf das Erlebnis Ankermühle, die die Zukunft fest im Blick hat, ohne die Vergangenheit aus den Augen zu verlieren.

Weingut Ankermühle, Kapperweg, 65375 Oestrich-Winkel, Telefon 06723 – 2407, www.ankermuehle.de

Rezept

Sauerrahmterrine von Kräutersaitlingen

400g Kräutersaitlinge (oder Steinpilze)

500g Sauerrahm

250g Creme Fraîche

300g geschlagene Sahne

8-9 Blatt Gelatine

1 Zwiebel

1 Bund Kräuter (Blattpetersilie, Schnittlauch, Zitronenthymian)

Salz, Pfeffer

1 Zitrone und deren Abrieb

Pilze und Zwiebeln klein schneiden, Pilze in einer Pfanne anbraten und Zwiebeln dazugeben. Kräftig salzen und pfeffern und abkühlen lassen. Fein geschnittene Kräuter unterheben. Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Sauerrahm, Creme Fraîche, Zitronensaft und Abrieb, Salz und Pfeffer verrühren. Einen kleinen Teil davon mit der Gelatine in einem Topf aufwärmen, dann wieder zu der kalten Masse dazugeben. Pilze unterheben und die Masse leicht anziehen lassen. Terrinen-Form mit Öl auspinseln und mit Klarsichtfolie auslegen. Masse in die Form füllen und über Nacht im Kühlschrank stehen lassen. Stürzen und in Scheiben schneiden. Dazu passt ein frischer Herbstsalat mit Bauernbrot.