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So wohnt Wiesbaden: Flüchtlingsfamilie O., Erbenheim – Um Normalität bemüht

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Von Selma Unglaube. Fotos Andrea Diefenbach.

Mit nur dem, was sie am Körper trugen, einigen Flaschen Wasser und einer Tüte Brötchen, traf Familie O. Anfang des Jahres nach ihrer Flucht aus Syrien in Gießen ein. In der „Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE)“, dem Auffangbecken für Asyl suchende Menschen, beantragten sie Asyl. Da Herr O.s älterer Bruder seit längerem in Wiesbaden wohnt, wurde die Familie in die Landeshauptstadt umgesiedelt.

Bereits wenige Wochen nach ihrer Unterbringung in einer Gemeinschaftseinrichtung in der Mainzer Straße konnte die junge Familie mit Hilfe und Unterstützung des Bruders und des Amts für Soziale Arbeit eine eigene Wohnung in Erbenheim beziehen. Herr O. hat mittlerweile einen 1-Euro-Job als Tischler und ist im Asylantenheim in der Mainzer Straße beschäftigt. Der vierjährige Sohn wird demnächst einen Kindergarten besuchen. Die junge Familie ist um Normalität bemüht und versucht in Deutschland, wieder ins Leben zurück zu finden.

Vergessen, was in Syrien geschehen ist
Der Bürgerkrieg in ihrer Heimat Syrien hat die aramäische Familie zur Flucht nach Deutschland bewogen. Das alleine ist schon schlimm genug. Was Familie O. jedoch widerfahren ist, ist eine unvorstellbare Tragödie, an dessen Ende sie ihre dreijährige Tochter verloren haben. „Wir wollen vergessen, was in der Heimat geschehen ist“, übersetzt Herr O.s älterer Bruder beim Besuch in ihrer neuen Wohnung die Worte des traumatisierten Familienvaters, während seine Frau leise neben ihm weint. Der Bruder berichtet, dass das kleine Mädchen bei einem Überfall aus der elterlichen Wohnung entführt worden sei und die Familie das geforderte Lösegeld für die Freilassung des Kindes in Höhe von 200.000 US-Dollar nicht habe aufbringen können. Zuvor führte die Familie des selbstständigen Tischlermeisters mit ihren beiden Kindern in ihrer Heimatstadt Kamishli im Nordosten Syriens an der Grenze zur Türkei ein beschauliches und sorgenfreies Leben. Nach dem Vorfall verließ Familie O. Syrien. Sie ließen alles zurück und begaben sich in die Hände von Schleppern, die ihnen zur Flucht nach Deutschland verhalfen.
Trost findet die Familie in der syrisch-orthodoxen Gemeinde in Dotzheim. Alleine in Wiesbaden sind etwa 400 aramäische Familien ansässig. Aramäische Christen wurden seit jeher verfolgt und sind gerade jetzt in Syrien einer dramatischen Verfolgung ausgesetzt. Familie O. ist froh darüber, jetzt in Deutschland und somit endlich in Sicherheit leben zu können. Besonders dankbar sind sie über die Unterstützung der Sozialarbeiter, die ihnen einen Neuanfang ermöglichen.
800 Euro für das Nötigste
Kühlschrank, Backofen und Waschmaschine haben sie für vom Amt gestellt bekommen. Außerdem bekamen sie 800 Euro für die Ausstattung ihrer neuen Wohnung. Damit konnten sie das Nötigste ergänzen. Die Familie hat momentan zwar noch keinen gesicherten Aufenthaltsstatus. Sie wird diesen aber mit großer Wahrscheinlichkeit erlangen, da es nicht zu erwarten ist, dass sie nach Syrien zurückgeschickt werden. In Kürze sollen die Eheleute Deutschkurse besuchen können, worauf sie sich freuen. In der Küche liegt ein deutsches Wörterbuch, mit dem Frau O. schon ein bisschen zu üben angefangen hat.

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