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So wohnt Wiesbaden: Marcus Müller, Schiersteiner Straße – Gewagtes Farbenspiel

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Von Selma Unglaube. Fotos Heinrich Völkel und Andrea Diefenbach.

Kaum öffnet sich die Wohnungstür, befindet man sich schon im reinsten Farbrausch. Schnell wird klar: der Bewohner treibt es gerne bunt. Aus dem dunkelgrünen Flur, der nur von einer kleinen, transparenten Leuchte von Laviani erhellt wird, fällt der Blick durch die offenen Türen des Altbaus sofort auf die bunten Wände der anderen Räume. Nicht die Tatsache, dass die Wände farbig gestrichen sind, erstaunt, sondern die Farben, die Marcus Müller, Immobilienmakler und Vertriebsmanager, ausgewählt hat.

Von Bordeauxrot über kräftiges Lila bis hin zu Dunkelblau und Ockergelb ist jedes Zimmer, mit Ausnahme der Stuckdecken, in einer anderen Farbe gestrichen. „Ich habe reine Abtönfarbe ausgesucht, weil diese Farben eine unglaubliche Tiefe und Wärme bringen und auch in der Zimmerflucht super zur Geltung kommen. Außerdem passen kräftige Farben perfekt zum Altbau“, erklärt der Hausherr sein gewagtes Spiel.

Als gelernter Hotelfachmann und Koch hat Müller der Wiesbadener und Frankfurter Gastronomie nach über zwanzig Jahren Tätigkeit vor einiger Zeit den Rücken zugewandt. Nicht zuletzt durch die langjährige Gastronomietätigkeit, in der sein Leben überwiegend öffentlich stattfand, schätzt er sein gemütliches Zuhause sehr. Statt viel auszugehen, lädt Müller heute lieber Gäste zu sich ein, die er dann fürstlich bewirtet.

Beim Rundgang durch die 110 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung, die Müller vor fünf Jahren bezogen hat, gibt es auch jenseits der Farben viel zu bestaunen. Angefangen von den zwei Hirschgeweihen an der ockergelben Küchenwand, die noch aus Müllers Zeit als Geschäftsführer des „Cantina“ in der Sonnenberger Straße stammen. Jetzt schauen sie von ihrem Platz aus, Mahnmalen gleich, dem Schicksal mancher Artgenossen auf dem Herd zu. Vieles gibt es im bordeauxroten Esszimmer zu entdecken, wo Müller Möbel und Dekorationselemente unterschiedlicher Stile und Epochen zu einem harmonischen Ensemble zusammengefügt hat. Hier findet ganz selbstverständlich ein Memphis-Stuhl neben einem hessischen Wellenschrank Platz, und kitschige Putten finden eine Heimat auf kleinen antiken Kommoden. Es reihen sich Tulpenstühle des amerikanischen Namensvetters Miller rund um den Esstisch an rote Stühle von Phillip Starck. Über dem Esstisch hängt ein Historismus-Leuchter, auf dem Tisch sorgen flackernde Kunstkerzen, um eine Skulptur aus Ästen angeordnet, für Stimmung. Gleich neben dem Esstisch, vor dem Fenster, hat der Immobilienmakler ein Erbstück platziert:  den orientalischen Tisch hatten seine Eltern einst von einer Reise aus Marokko mitgebracht.

Schonungsloser Umgang

Vom Esszimmer aus gelangt man in das schlicht eingerichtete lila Wohnzimmer. Auch hier hat Müller wieder unterschiedliche Stile zusammengewürfelt. Centerpiece in diesem Raum sind das große Ölgemälde, das wie die meisten Kunstwerke in der Wohnung vom Wiesbadener Künstler Alex Blau stammt, und das einladende Riesensofa – beides vis-à-vis den Flügeltüren platziert. „Das ist mein Lieblingsplatz, weil mir die Perspektive vom Sofa aus gut gefällt und weil sie den Blick auf meinen zweiten Lieblingsplatz, den Esstisch, ermöglicht“, so Müller. Ihm ist es außerdem wichtig, dass in seiner Wohnung „gelebt“ wird. Davon, etwa die ausgefallenen wie hochwertigen Möbel zu schonen, hält er nichts. So kommt es schon vor, dass seine beiden Neffen kurzerhand die Corbusierliege im Wohnzimmer zur Wippe umfunktionieren oder in ihren portablen, an den Esstisch geschraubten Kindersitzen hüpfen. „Ich bin kein Sklave meiner Möbel oder Einrichtung, bei mir darf gelebt werden“, beschreibt der Gastgeber schmunzelnd seine Einstellung. Als Immobilienmakler unterstützt er Wiesbadener nun erfolgreich dabei, ebenso schöne Domizile zu finden wie das seine. Manchmal berät er sogar seine Kunden bei der Einrichtung. Soviel steht fest: Marcus Müller ist so vielseitig wie seine Wohnung.

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