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Some like it hot! Der große Test: Saunas in Wiesbaden

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Von Jan-Markus Dieckmann und Dirk Fellinghauer. Fotos Mattiaqua.

Wer in Wiesbaden wohltuende Hitze sucht, wird schnell fündig – und vielfältig. Wer heiß darauf ist herauszufinden, welche Sauna welches Schwitzerlebnis bietet, liegt mit der Lektüre unseres großen Tests “Saunas in Wiesbaden” genau richtig.

Sauna im Hallenbad Kleinfeldchen, Hollerbornstraße 9, Mo/Di/Do/Fr 9-21.45 Uhr (Mo/Do nur Damen), Mi 14-21.45 Uhr (nur Herren) Sa/So 8-18 Uhr (Sa 8-10 nur Damen). Eintritt 9 Euro (inklusive Schwimmbad)

Leicht zu finden ist er nicht, der Eingang zum nicht sonderlich großen Saunabereich im Kleinfeldchen. Der Charme der Siebziger ist wie im gesamten Bad noch nicht ganz verflogen. „Wir haben hier ein Stammpublikum, das seine Bahnen zieht und dann ein, zwei Saunagänge macht“, erzählt der freundliche Bademeister. Einen großen Wellnessbereich gibt es nicht, das sei auch baulich gar nicht möglich. Eine finnische Sauna und ein Dampfbad, das mit vier Personen schon fast überfüllt wäre, ein Tauchbecken innen, eines im Lichtschacht außen und ein kleiner Ruheraum – viel mehr gibt es hier nicht zu entdecken. Das Fußbad ist neueren Datums und bietet mit seinen Mosaikfliesen wenigstens etwas Atmosphäre. Ruhig ist es in jedem Fall, allzu viele Badegäste verirren sich nicht hierher.

Fazit: Funktionaler Regenerationsbereich für Sportliche.

Sauna im Freizeitbad Mainzer Straße, Mainzer Straße 144, Di-Fr 9-20.45 Uhr (Do nur Damen), Sa/So 9-20 Uhr, Eintritt 9 Euro (inklusive Schwimmbad)

Viel Holz und kleine Dachvorsprünge dominieren die recht großzügig gestaltete Saunalandschaft des beliebten Familienbades. In allen Ecken wird geplaudert – man kennt sich. Zwei Innen- und eine Außensauna lassen bei über 90°C den Schweiß aus den Poren treten – größere Abstufungen gibt es hier nicht. Ein Whirlpool, zwei Fußbadbereiche, Ruheräume und Tauchbecken laden zum Verschnaufen ein. Der schön gestaltete Außenbereich hat leider durch die Lage an der Mainzer Straße nicht das optimale Ruhepotenzial. Ebenso ist es schwierig, in der Dampfgrotte abzuschalten. Diese befindet sich in der Schwimmhalle, was dazu führt, dass die Tür fast nie geschlossen bleibt und ein reges Kommen und Gehen herrscht. Also entspannt man sich lieber bei einem der regelmäßigen Aufgüsse und wird auch gleich mit in die Sauniergemeinschaft aufgenommen.

Fazit: Familiäres Schwitzen bei gutem Preis-Leistungsverhältnis

Thermalbad Aukamm, Leibnizstraße 7, Mo-Fr, 9 bis 22 Uhr, Sa/So bis 24 Uhr, Mo (außer an Feiertagen) Damentag, Familiensauna am ersten Samstag im Montag, Eintritt 18 Euro (Badebereich 5 Euro zusätzlich).

Moderne Eleganz, viel Platz zum Ruhen, Flanieren und Schmausen, untermalt vom Plätschern des zentralen Tretbeckens laden dazu ein, die Seele baumeln zu lassen. Hier vermisst man nichts, alle erdenklichen Saunaformen und Temperaturstufen sind vertreten, an einem Tag ist das komplette Programm kaum abzuarbeiten. Zweimal stündlich gibt es wechselnde Aufgüsse, regelmäßig werden die unterschiedlichsten Peelings im Dampfbad angeboten, im großzügigen Außenbereich lassen sich die letzten herbstlichen Sonnenstrahlen trefflich einfangen. Entspannen auf hohem Niveau also. Wem das immer noch nicht reicht, der wechselt einfach in den Schwimmbereich und genießt die flüssigen Segnungen der Natur, die unsere Stadt in Form des Thermalwassers bereit hält.

Fazit: Erholung pur ohne Abstriche. 

Saunapark, Parkstraße 21, Geöffnet 365 Tage im Jahr: Mo-Fr 14-24 Uhr, Sa und Feiertage 12-24 Uhr, So 10-24 Uhr, Einzelkarte 14 Euro, unbegrenzter Aufenthalt, „Happy Hour“ Mo-Fr 14-18 Uhr und täglich ab 21 Uhr: 11 Euro. Außerhalb der Öffnungszeiten kann man den gesamten Saunapark mieten. 

Auch dieser Ort erinnert an Zeiten, als man noch nicht mit hippem Design zu beeindrucken versuchte, sondern einfach nur das präsentierte, was man am besten kann. In diesem Fall: Saunakultur herkömmlicher Schule. Bei Thomas – der Chef schwitzt hier noch selbst – geht es bodenständig zu und auch höchst gesellig. Geschwitzt wird in sechs finnischen Saunen unterschiedlichster Größen und Temperaturen, zur Auswahl stehen zudem Freiluft-Blockhaus-Sauna, Bio-Sanarium und Eukalyptussauna. Zum stündlichen Aufguss servieren die Saunameister nicht nur Orangen oder auch mal einen Sliwowitz, der Chef erzählt auch gerne einen Witz. Draußen im Frischluftgärtchen, rund um Tauchbecken und Duschen wird es direkt nach den Aufgüssen schon mal etwas eng, aber das stört keinen. Viele Gäste sind sehr gesprächig, man kann aber auch prima abschalten. Rund um den Pool herum wird höchstens leise geredet, während die Mehrzahl in Lektüre vertieft ist oder einfach schläft. Gut ausgestattete Sport- und Badetaschen signalisieren: Hier bleibt man gerne etwas länger. Stadtprominenz, Szenegänger, Saunaprofis, Alte, Junge … der Saunapark ist so etwas wie die kleine Kneipe unter den Saunen: Hier fragt dich keiner, was du hast oder bist.  Bar- und Restaurantbereich und Fernsehraum runden das Angebot ab. Auch Kinder, Jugendliche, Studenten – zu ermäßigten Preisen – sind willkommen.

Fazit: Die Bodenständige. 

Badhaus Schwarzer Bock, Kranzplatz 12, Mo.-Do. 11:00-19:00 Uhr, Fr.-So. 9:00-19:00 Uhr, Eintritt  3 Stunden 16 Euro, ganztägig 25 Euro.

Als Goethe 1818 im „Schwarzen Bock“ kurte, dichtete er: „Beim Baden sei die erste Pflicht, dass man sich nicht den Kopf zerbricht, und dass man höchsten nur studiere, wie man das lustigste Leben führe“. Bei unserem Testbesuch an einem Montagnachmittag sind wir die einzigen Gäste, und zerbrechen uns erst mal den Kopf darüber, ob man hier eigentlich textilfrei badet. Als später ein amerikanisches Teeniepärchen – offenbar Hotelgäste – auftaucht, sind wir ganz froh, dass wir uns entschieden haben,  entgegen sonstiger Saunagewohnheiten die Badehosen anzulassen. Personal lässt sich während unseres Aufenthaltes nicht blicken. Wozu auch? Es hätte – anders als im Bereich der vielen angebotenen Anwendungen, Massagen etc. – nicht wirklich was zu tun, wir befinden uns in einer Art Selbstbedienungs-Sauna und haben Zeit, ungestört alles zu inspizieren. Jahrhunderte alte Tradition trifft hier in denkmalgeschützter Jugendstil-Umgebung auf höchstmodernes Ambiente. 2010 wurde der Spa-Bereich komplett saniert. Der lange Gang vorbei an 13 weißen Holztüren zu den Kabinen für Wannenbäder und Massage-Anwendungen mutet ein wenig wie auf einem Kreuzfahrtschiff an. Der Schwimm- und Saunabereich ist dann aber topmodern und sehr stylisch und puristisch mit dunklem Holz gestaltet. Die Auswahl erschöpft sich zwischen einer einzigen finnischen Sauna, einem Dampfbad und einer „Erlebnisdusche“. Im 5-mal- 7-Meter-Pool mit über 30 Grad warmem Quellwasser aus dem benachbarten Kochbrunnen lassen sich entspannt ein paar Bahnen ziehen.

Fazit: Wer einfach mal eine Weile ungestört abtauchen will, ist hier richtig.

 Kaiser-Friedrich-Therme, Langgasse 38-40, täglich 10-22 Uhr, Sa/So bis 24 Uhr, Dienstag Damentag, Eintritt 6 Euro pro Stunde (Gäste mit Behinderung 4 Euro), Führungen am 1. Freitag im Montag, 8.30 Uhr, Anmeldung:  0611 / 31-7060). 

Luxuriöser geht es kaum in Sachen Schwitzen in der Landeshauptstadt. So ungefähr muss das gewesen sein, damals bei den alten Römern. Irgendwie dekadent – fast wundert man sich, warum man beim lustvollen Verweilen nicht automatisch dicke Trauben gereicht bekommt –  und dabei total entspannend. Da draußen gibt es eine Welt voller Probleme? Hier drinnen verschwendet man keinen Gedanken daran. Man ist hier, um es sich gutgehen zu lassen. Als Hommage an das römische Schwitzbad, auf dessen Fundament es errichtet wurde, betört die Anlage im Stil einer antiken Therme mit säulenverzierten Räumen und aufwändigen Ornamenten. Das fasziniert alteingesessene Wiesbadener ebenso wie Touristen, die sich hier stilvoll in aller Ausführlichkeit entspannen.  Auf 1.450 Quadratmeter Gesamtfläche erstreckt sich eine üppige Saunalandschaft rund um das historische Bad. Was leider fehlt, ist ein Außenbereich für „echte“ frische Luft. Dieses Manko wird wettgemacht durch das unschlagbare Gefühl, in der großen Halle nach dem Saunagang zuerst im historischen Kaltwasser-Schwimmbecken mit 22 bis 24 Grad Celsius den gnadenlosen „Brrr“-Faktor zu erfahren, um sich für diese Härteprüfung direkt im Anschluss im Wildbecken mit 42 Grad zu belohnen. Mehr Wohlbefinden geht nicht.

Fazit: Die Krönung der Schwitzkultur