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Starke Shirts, Kuscheldecken und bunte statt braune Suppe – Wiesbadener sprudeln vor guten Ideen für Flüchtlinge

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Auch in den letzten Tagen haben weitere Flüchtlinge Wiesbaden erreicht, um hier in den in dieser Woche eingerichteten Notunterkünften erste Zuflucht zu finden.  – UPDATE FREITAG, 18.09, 15:20 UHR: Soeben hat die Stadt informiert, dass heute gegen Mitternacht Hunderte weiterer Flüchtlinge in Wiesbaden erwartet werden. Ebenso wurde darüber informiert, dass nach Angaben von Staatssekretär Koch vom Hessischen Innenministerium die Stadt Wiesbaden den derzeitigen Stand der Notunterkünfte (1000 Betten) „bis auf weiteres“ aufrecht zu erhalten hat, da zumindest zum derzeitigen Zeitpunkt nicht absehbar sei, wann wie viele Flüchtlinge ankommen. Alle weiteren Infos zum bisherigen und zum bekannten weiteren Stand der Dinge hier. – Alle Beteiligten arbeiten mit Hochtouren an ihrer guten Unterbringung und Verpflegung, die Solidarität und Hilfsbereitschaft auch in der Bevölkerung ist weiter riesig. Neben der ganz konkreten Hilfe haben Wiebadener auch jede Menge gute Ideen für Hilfe hier vor Ort, aber auch auf der ganzen Welt. An diesem Samstag wird zum Beispiel “bunte statt braune Suppe” zum Auftakt einer “Welcome Challenge” gekocht, ein “Refugee”-Shirt dient ganz stylisch der guten Sache, Kuscheldecken sollen den Kleinsten ein Stück Wärme und Geborgenheit geben. Konkret werden aktuell für die Notunterkünfte vor allem Ärzte und Dolmetscher, aber auch Badeschlappen, gesucht.

Welcome Challenge Wiesbaden organisiert am Samstag, 19. September, ab 11 Uhr eine Cooking Challenge für Flüchtlinge im Schlachthof. Michael Medoch ist professioneller Koch und wird eine herrliche bunte Suppe bereiten, die gratis an Flüchtlinge ausgegeben wird: “Eine bunte Suppe mit der die neuen Wiesbadener von der Wiesbadener Bevölkerung willkommen geheißen werden. In Wiesbaden servieren wir bunte statt braune Suppe!” Entsprechende Einladungen wurden vom Sozialdienst Asyl der Stadt Wiesbaden an Flüchtlinge verteilt. Spezieller musikalischer Gast ist der Wiesbadener Marcel Kärcher, der bei Deutschland sucht den Superstar in die Top 9 geschafft hat. Bürgermeister Arno Goßmann wird als Sozialdezernent die Stadt Wiesbaden vertreten. Mit-Organisator ist Lex Hoogstad, der im Winter den No-Pegida-Spaziergang in Wiesbaden initiiert hat: „In letzter Zeit ist immer wieder die Frage aufgekommen ob wir in Wiesbaden mal wieder etwas tun können um ein positives Signal zu setzen. Deshalb haben Michael Medoch und ich jetzt die Welcome Challenge Wiesbaden gestartet.“

Profi-Koch Michael Medoch gibt bei der Veranstaltung bekannt, an wen er die Welcome Challenge weitergibt. Drei prominente Personen werden nominiert. Nehmen sie die Welcome Challenge an, werden sie sich ebenfalls für die Flüchtlinge engagieren,  und:  die Welcome Challenge wieder weitergeben. So geht die Welcome Challenge stets weiter als eine perfekte Welle durch die Stadt Wiesbaden und trägt so zu der konkreten Gestaltung der Willkommenskultur bei. Unser Bild zeigt die Initiatoren zusammen mit Marcel Kärcher und dem Team von AM Productions, die ein Teaservideo zur Aktion gedreht haben.

Refugee_Qompendium

Shirts mit Spende für Schiffsflüchtlinge

Einen ganz anderen Weg – Statement setzen, gut aussehen, Gutes tun – wählt als Reaktion auf die aktuelle Situation Kimberly Lloyd. In ihrem Concept Store in der Westendstraße – und auch online hier – bietet sie ein “Refugee”-Shirt an. Von jedem verkauften (Bio-Baumwolle und Fairtrade-)T-Shirt spendet Kimberly 7 Euro an “MOAS Migrant Offshore Aid Station” – eine humanitäre Organisation, die helfen will, weitere Katastrophen bei der Flucht über die Meere zu verhindern, und an Google “Donate One Today Refugeerelief ” – eine Aktion, bei der der Internet-Gigant jeden gespendeten Beitrag verdoppelt. Die Botschaft hinter dem Shirt formuliert Kimberly Lloyd wie auch das Schlagwort auf dem Shirt auf Englisch: “We are all global citizens of a global community. Our identity transcends geography or political borders and that the planetary human community is interdependent and whole; humankind is essentially one.” Und weiter: “A person who is outside their home country because they suffer or fear persecution on account of race, religion, nationality, or political opinion; or because they are a member of a persecuted social category of persons; or because they are fleeing a war is called a refugee.” Sie schließt: “A refugee has thus lost her or his ability to speak as a ‘We’, and is ultimately subjected to a decision that the polity, and the polity alone, will take – including a decision of non-admission. We as world citizens should care for a political future and struggle for that reality.”

Kuscheldecken für Kinder

Das Geschäft “Little Heroes” in der Webergasse hat eine Kuscheldecken-Nähaktion gestartet. Die “Mini Decki Nähaktion” läuft unter dem Motto: “Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen!” (Aristoteles). Die Aktion ist super angelaufen, der Fortschritt wird im Schaufenster des Ladens mit einem stetig wachsenden Stapel der Decken, die bald Flüchtlingskindern Wärme, Schutz und Geborgenheit geben sollen, dokumentiert.

“Cocktails für Outfits” heißt die Aktion, die sich das Enchilada Wiesbaden ausgedacht hat: Wer mindestens drei brauchbare Kleidungsstücke oder Schuhe vorbeibringt, bekommt dafür einen Cocktail auf´s Haus. Innerhalb einer Woche kamen schon “Unmengen an Sachen” zusammen, die Aktion läuft weiter.

Aktuell Ärzte und Dolmetscher gesucht – und Badeschlappen

Wer aktuell ganz konkret anpacken will in den und für die Notunterkünfte, kann dies am besten auf diesen gestern von OB Sven Gerich beschriebenen Wegen tun: “Für die Notunterkünfte, die in dieser Woche in Nordenstadt, Breckenheim und Naurod errichtet worden sind, brauchen wir derzeit vor allem tatkräftige Hilfe vor Ort: Wir suchen zum einen Ärzte sowie Dolmetscher – vor allem für (hoch-)arabisch, persisch, syrisch, afghanisch –, und zum anderen freiwillige Helfer, die in den kommenden Tagen Zeit haben, anderweitig zu helfen; zum Beispiel Sachspenden zu sortieren, diese zu dokumentieren oder auszugeben o.ä..” Wer entsprechend helfen will, sollte sich unter 0611 /318080 anmelden oder  eine E-Mail an buergerhilfe@wiesbaden.de mit Ihrem Vor- und Nachnamen sowie Ihrer Erreichbarkeit in den nächsten Tagen (Mobiltelefonnummer oder E-Mail-Adresse) schicken.

Ebenfalls gebraucht werden aktuell Badeschlappen oder Flipflops Größe 38 bis 44. Ganz preiswerte reichen, sie werden benötigt für Dusch- und Toilettenräume und können direkt an der Taunushalle Nordenstadt abgegeben werden.

Solidarität unter Sportlern

Täglich erreichen das Sportamt Informationen, dass die von der Schließung der Sporthallen in Nordenstadt, Breckenheim, Naurod und Auringen betroffenen Vereine, Abteilungen und Mannschaften anderweitig aufgenommen werden konnten. „Es ist wunderbar und genau das eingetroffen, worauf wir innerhalb der Sportverwaltung gesetzt haben, nämlich, dass die guten Kontakte der im Wettkampf miteinander konkurrierenden, aber ansonsten gut befreundeten Vereine in dieser Notsituation zusammenstehen”, freut sich Sportamtsleiter Karsten Schütze. „Fantastisch, wie groß die Hilfsbereitschaft nicht nur gegenüber den Flüchtlingen in ihrer aktuellen Not, sondern auch für die Sportvereine zur weiteren Ausübung ihres Hobbys ist“, lobt Oberbürgermeister Sven Gerich. „Natürlich ist uns bekannt, dass kein 1:1-Ersatz gewährleistet werden kann, aber jede freie Zeit, jede freie Ecke in einer Halle hilft den betroffenen Vereinen.“

“Freifunk” für Flüchtlinge in Nordenstadt

Wie viele von euch schon mitbekommen haben, konnten wir diese Woche die Notunterkunft für Flüchtlinge in Nordenstadt erfolgreich mit Freifunk versorgen. “Möglich gemacht hat dies eine engagierte Anwohnerin, die auf uns zu kam und ihren Internetzugang mit den Flüchtlingen teilt”, berichten die Freifunk-Akteure, die auch von Nico Becher von wiesbadenervisionen.de unterstützt wurden. An zwei Tagen hintereinander installierte ein Team von Wiesbadener Freifunkern mehrere Freifunk-Knoten für die Taunushalle. Das schöne Ergebnis: Am ersten Abend waren schon mehr als 70 Flüchtlinge gleichzeitig online! Sie können mit ihren Familien kommunizieren und sich im Internet informieren.  Um auch die Notunterkünfte in Naurod und Breckenheim sowie weitere Unterkünfte versorgen zu können, werden dringend noch Anwohner gesucht, die ihren Internet-Anschluss mit den dortigen Flüchtlingen teilen möchten: “Für diese suchen wir auch noch WLAN-Router (kompatible Modelle auf http://wiesbaden.freifunk.net/) als Sachspenden.” (dif / Fotos (c) Welcome Challenge / Qompendium)

Viele weitere Infos auf www.wiesbaden.de/Fluechtlinge und zur Situation und Hilfebedarf in den aktuellen Notunterkünften auf Flüchtlinge Willkommen in Nordenstadt.

Wenn ihr gute Aktionen für Flüchtlinge plant oder davon hört, schreibt uns für unsere weitere Berichterstattung gerne an hallo@sensor-wiesbaden.de

 

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