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2×5 Interview: Andrea Wink, exground Festivalleiterin, 46 Jahre, 3 Kinder

Interview Dirk Fellinghauer. Foto Simon Hegenberg.

BERUF

Wie ist das Festival entstanden und was hat exground 25 noch mit den Anfängen zu tun? 

Ende der 80-er Jahre gab es das Wiesbadener Kinofestival, das ist relativ groß angetreten und hat dann aber auch schnell wieder aufgegeben.  Viele Wiesbadener  dachten aber, unsere Stadt verdiene trotzdem ein Filmfestival. Der allererste Film im Programm von exground war ein 30-Sekunden-Kurzfilm, in dem John Waters dem Publikum genüsslich vorraucht. Wenn wir immer noch die gleichen Filme zeigen würden, würden wir uns nicht weiterentwickeln. Die ganze Filmgeschichte entwickelt sich  aber weiter. Das Programm ist etwas gemischter geworden. Wir haben den neuen Francis Ford Coppola im Programm. Aber Coppola  macht ja alles andere als Mainstream. Je älter er wird, desto undergroundiger. 

Was ist für Dich die größte Herausforderung  im Job?

Die Zeit zwischen Ende September und  Mitte Oktober, wenn unser Programm wirklich wirklich stehen muss. Klar ist es auch anstrengend. Gelder zu akquirieren und Kontakte zu knüpfen. Aber die schwierigste Arbeit ist es, alle Filme im Programm tatsächlich sinnvoll und stimmig zu platzieren.  

Ist exground-Festivalleiterin ein Fulltime-Job?

Da wir im Organisationsteam alle ehrenamtlich arbeiten, muss auch ich Geld verdienen. Ich bin im Verein angestellt und verantwortlich für die Abwicklung der Gastronomie  in der Caligari FilmBühne, weil wir dort der Pächter der Bar sind. Dann arbeite ich freiberuflich für das goEast-Festival und betreue dort den Nachwuchsbereich. Und ich  bin für die Robert Bosch Stiftung als Coach tätig und organisiere zudem Treffen zwischen deutschen Nachwuchsproduzenten und osteuropäischen jungen Talenten.  

Am Anfang war exground das einzige Wiesbadener Filmfestival auf weiter Flur, heute verliert man fast den Überblick, welches Festival gerade ansteht – Bereicherung oder Konkurrenz?  

Weder noch. Wir haben ein Alleinstellungsmerkmal, dass wir weder mit einem Trickfilmfestival noch mit einem Fernsehkrimipreis noch mit dem goEast-Festival noch mit der Werkstatt der Jungen Filmszene, das Umweltfilmfestival Atlantis ist ja leider eingestellt, konkurrieren.  So lange Zuschauer kommen, haben natürlich alle Festivals ihre Daseinsberechtigung.

Was fällt Dir spontan ein, wenn Du „exground 50“ hörst?

Wir haben ja jetzt schon Mitglieder im Team, die über 60 sind. Warum sollten die dann mit über 80 nicht auch weitermachen? 

MENSCH

Wofür begeisterst Du dich jenseits von Film und Kino? 

Kunst! Sofern ich kann, versuche ich mir Ausstellungen anzugucken. Ich habe es sogar dieses Jahr schon geschafft, mir Damien Hirst bei der Eröffnung anzuschauen, dann Lucian Freud, und ich habe zwei wundervolle Tage auf der documenta verbracht. Und ich fahre nach Bilbao und werde mir endlich mal das Guggenheim dort angucken.

 Wie ist Deine heutige Wohnung eingerichtet, und welche Poster hingen in Deinem Teenie-Zimmer? 

Oh je, chaotisch. Modern, aber wegen der drei Kinder auch ist das  Mobiliar auch belastbar. Als ich 12 war, hatte ich ein Foto des bereits verstorbenen Jim Morrison auf meinem Nachttisch. An meiner Wand, muss ich gestehen, da war ich geschmacklich nicht so gut drauf, da hingen die Bay City Rollers. In meiner Erinnerung ist Jim Morrison präsenter.

 Wie bekommst Du das manchmal unstete Leben in der weiten Welt des Films mit deinem Dasein als dreifache Mutter unter einen Hut? 

Ich glaube, meine Kinder sind ganz gut geraten. Im Ernst: Ich habe halt manchmal in bestimmten Phasen im Jahr weniger Zeit, dafür habe ich in anderen Phasen mehr Zeit. Das mag die dann genauso nerven. Aber eigentlich geht alles. Als sie noch im Kindergarten waren, habe ich den Betrieb direkt in eine Ganztagsbetreuung umorganisiert. 

Du bist schon allein Filmfestival-bedingt viel herumgekommen in der Welt – hast Du jemals daran gedacht, aus Wiesbaden wegzugehen? 

Nein. Ich habe 1985 Abi gemacht, da stand die Mauer noch, und es gab den Berlin-Hype. Aber Berlin hat mich nicht interessiert, Frankfurt war mir zu hässlich zum Wohnen – damals, inzwischen  hat es sich sehr herausgeputzt – und ich finde Wiesbaden einfach eine wunderschöne Stadt. Ich freue mich immer, wenn ich von meinen vielen Reisen hier her zurückkomme. Ein Penthouse in New York, das würde ich noch nehmen. Aber da ich kein Lotto spiele, wird das wohl nie passieren. 

Wenn Du es doch tun würdest, was würdest Du vermissen?

Das Grün. Ich wohne ja in Kloppenheim, inmitten der Natur. Und auch das schöne Stadtbild der Wiesbadener Innenstadt ist für mich  einzigartig in Deutschland.

www.exground.com

 

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