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Angenehm anders – Exotische VHS-Kurse

Von Inka Mahr. Fotos: Tim Dechent (www.lostinagoodway.com)

Bauchtanz, Englisch für Anfänger, Origami, Nähkurs und Töpfern: Wer glaubt, die Wiesbadener Volkshochschule bietet nur allseits bekannte Dauerbrenner, der irrt. Soll das heißen: Nichts, was es nicht gibt? Ja, zumindest so gut wie.

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Das Kursangebot ständig den Herausforderungen der Zeit angepasst, findet sich im aktuellen Programm des ersten Halbjahres 2012 Überraschendes. Wie wäre es mit „ideoplastischem Zeichnen“, „traditioneller thailändischer Heilmassage für Paare“ oder einer „Drachenboottour“ auf dem Rhein?

Bildung für alle: Vielfalt ist Trumpf

Abenteurer und solche, die es werden wollen, versuchen sich an einem eintägigen Survival Training mit Abseilen, Knotenkunde und Baumklettern. Theaterfreunde sind bei der Schauspieltruppe „TRUST Shakespeare“ gut aufgehoben und Sportbegeisterte mögen bei „Laufen mit Sprungstelzen“ annähernd 98% ihrer Muskeln trainieren. An der Wiesbadener vhs können Kapitäne in spe den Binnen-Bootsführerschein ebenso absolvieren, wie Interessierte lernen können, Liebesgeschichten zu schreiben, den Sonnengruß perfekt auszuführen und sich an Selbsthypnose zu wagen… um nur einige der exotischeren Projekte zu nennen.

Am Puls der Zeit: Wie kommen neue exotische Kurse zustande?

Veranstaltungen entstehen sowohl durch Marktbeobachtung als auch durch Anregung von Kursleitungen und Teilnehmenden. „Sollte der Markt neue Angebote verlangen“, so Barbara Steichert (Assistentin der Öffentlichkeitsarbeit, vhs Wiesbaden), „so wird das Personal entsprechend geschult.“. In absehbarer Zeit werden zum Beispiel für den Fachbereich Sprachen neue Angebote mit E-Learning-, bzw. Blended-Learning entwickelt, zuvor werden die Kursleitungen und die Fachbereichsleitung geschult. Unter Federführung des Hessischen Volkshochschulverbandes gibt es einen landesweiten Innovationspool, in dem neue Unterrichtsmodelle kommuniziert werden.

Selbstredend, dass sich unter den vielfältigen Unterrichtseinheiten auch Sprachkurse finden. Schließlich bilden diese, neben klassischen Weiterbildungs- und Qualifizierungsangeboten, einen Schwerpunkt des vhs-Spektrums. Wer jetzt annimmt, mit gängigen romanischen Hits wie Spanisch, Französisch und Italienisch sei das Repertoire umrissen, wird vielleicht staunen zu erfahren, dass das Angebot beinahe 30 Sprachen umfasst, auch Japanisch, Isländisch, Swahili und Hindi.

Outdoor-Orientierung für alle

Nerobergbahn-Talstation. 9.30 an einem nieseligen Samstag im März. Die Truppe ist komplett; die Kompasse kalibriert. Fünf wetterfest und outdoortauglich gekleidete Kursteilnehmer, bewaffnet mit GPS-Geräten, machen sich mit ihrem versierten Kursleiter auf den Weg in den Wiesbadener Stadtwald.

Das trübe Wetter stört hier niemanden, denn es gilt, unter fachkundiger Leitung das an drei vhs-Abenden erlernte Wissen über Navigationssysteme vor Ort anzuwenden. „Tourenplanung und Navigation mit GPS“ heißt der praxisorientierte Kurs, der – in diesem Frühjahr zum zweiten Mal – technikinteressierten Mountainbikern und Wanderern das nötige Know-how vermittelt, um die Möglichkeiten und Grenzen der Navigation abzuschätzen und mittels GPS-Technik zukünftige Touren metergenau planen und umzusetzen zu können. Auch Großeltern, die mit den Enkeln im Wald auf Abenteuertour gehen wollen, dürfen sich angesprochen fühlen.

Eine abschließende Schatzsuche, auf der das frisch erlernte erprobt und anhand geografischer, vorab im Web veröffentlichter Koordinaten und mit Hilfe eines GPS-Empfängers ein Geocache (wasserdichter Behälter mit Logbuch und kleinen Tauschgegenständen) erspürt wird, rundet den Kurs praxisnah ab.

Geocaching: Schnitzeljagd der modernen Art

„Achten Sie bitte auf die Muggles!“ erinnert Wolfgang Gottwald seine Schnitzeljäger. Muggles, das sind Außenstehende, die den Ort eines Caches preisgeben und ihn somit „verbrennen“. Der Begriff entstammt den Harry Potter-Romanen und bezeichnet dort zaubereiunkundige Personen ohne magische Abstammung. Der anwesende Fotograf und die Journalistin sind doch sicher nicht gemeint…

Nein, den Fundort würde sensor sicher nicht verraten, selbst wenn die Truppe den Schatz tatsächlich gefunden hätte. Egal, auch ohne den „Räuberschatz“ in Händen gehalten zu haben, war das Geocaching – nicht zuletzt wegen der hilfreichen Tipps und entspannten Atmosphäre – ein voller Erfolg. Für die zweite Jahreshälfte ist übrigens bereits ein weiterer GPS-Kurs mit Wolfgang Gottwald in Planung.